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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—87° 
tummeln sich zwischen Schottland und Island Depressionscentren. Aber dieses 
Mal erreicht das eine von diesen grofse Tiefe (am 5. unter 720 mm), und pflanzt 
zich dasselbe nach England fort, wo es, nachdem es schon vorher ein Theil- 
minimum dort entwickelt hatte, für drei Tage (7., 8., 9. Januar) stationär wurde. 
Vom 3. bis zum 9, wehten infolge dessen vor dem Kanal stürmische nordwest- 
liche Winde auf einem Gebiete, welches bis zum 5. oder 6. an Ausdehnung zu- 
und darauf wieder abnahm., An der deutschen Küste waren umgekehrt schwache 
züdöstliche Winde in dieser Zeit durchaus vorherrschend, welche, aus dem Binnen- 
lande wehend, die Temperatur unter dem Normalwerth hielten. 
Diese kalten südöstlichen Winde hielten in Norddeutschland auch in dem 
Zeitabschnitt vom 11. bis 20. Januar an. Denn wenn auch das Steigen des 
Luftdruckes sich ziemlich auf den ganzen europäischen Kontinent erstreckte und 
3o die Hochdruckgebiete im Osten und Westen durch eine Brücke verbunden 
wurden, so war dieses Steigen doch in Russland am stärksten, und stand Nord- 
deutschland während dieser Zeit unter dem Einflufs eines sehr intensiven Maximums 
in Osteuropa. Auf dem Mittelmeere lagen während dieses Zeitabschnitts sowohl 
zei Cypern, als bei Sardinien etc. kleine Depressionen — den beiden Theilen 
dieses Meeres, wo letztere gewöhnlich ihren Sitz haben. Ueber den Nordosten 
von Russland und Westsibirien zog dagegen eine grofse Depression mit doppeltem 
Centrum in den Tagen vom 16. bis 19. Januar südostwärts, gefolgt von einem 
höchst intensiven Maximum. Die damit verbundene Temperaturschwankung war 
ganz aufserordentlich; die Abweichung vom Normalwerthe betrug in Archangelsk 
am 16. + 14,1, am 18. — 19/1, in Jekaterinburg am 17. + 9,0, am 20. — 24,4, 
in Barnaul am 18. +-8,4, am 21. — 20,1° C.; selbst in Irkutsk äufserte sich 
diese Temperaturwelle, wenngleich in abgeschwächtem Maße: Abweichung am 
19. + 3,3, am 21. —13,5°C. 
Am 21. verschmolz das letzterwähnte Hochdruckgebiet des Ostens mit dem 
vorm Kanal gelegenen, und das so entstandene Maximum über Centraleuropa 
giebt dem folgenden Zeitabschnitt vom 21. bis 31. Januar seinen eigen- 
ihümlichen Charakter. Das meistens trockene und nebelige Wetter dauerte in 
Deutschland fort, so dafs der Januar kaum den dritten Theil seiner normalen 
Niederschlagsmenge gab. . 
Die barometrischen Depressionen dieses Zeitabschnittes bieten manches 
Bemerkenswerthe. Erstens sehen wir mehrere Wirbel von den grofsen amerika- 
nischen Seen nach Island und Spitzbergen ziehen, wobei sie an der Südspitze 
von Grönland ihre größte Tiefe (<< 725 und <710) erreichen. Zweitens sehen 
wir mehrmals flache Depressionen in der Gegend von Madeira etc. — was be- 
kanntlich im Januar schon seltener geschieht, als in den vorhergehenden drei 
Monaten; die bedeutendste darunter war von NW gekommen, wo sie als Theil- 
minimum einer nordischen Depression entstanden war. Endlich sind einige 
Depressionen im Osten des centraleuropäischen Maximums bemerkenswerth. Am 
22. und 23. bilden sich ziemlich plötzlich zwei intensive Wirbel aus; von dem 
züdlichen derselben, der am 23. bei Moskau liegt, kann man das Stadium des 
Wachsens nicht einmal erkennen, geschweige denn die Entstehung erklären: die 
Karte vom Abend des 22. läfst nicht erkennen, dafs das schwache Theilminimum, 
das am 21. bei Upsala lag, mit dem mächtigen Wirbel in Zusammenhang stehe, 
welcher am 23. plötzlich mit einem Drucke von <=“ 730 sich zeigt und von da ab 
an Tiefe abnimmt. Schliefslich fällt noch die merkwürdige Wirbelbahn ins Auge, 
welche vom 25. bis 31. von Spitzbergen bis zum Aralsee sich zieht, fast rein 
nach Süd gerichtet, ohne dals man ein rechtes Motiv fände für diese ungewöhn- 
liche Richtung, besonders da auch die Temperatur am 28. im östlichen Theile 
desselben nicht viel niedriger war, als im westlichen (Sibirien nicht berücksichtigt). 
Zu Gunsten der Ansicht, dafs Niederschläge bei der Fortpflanzung der Wirbel eine 
bestimmende Rolle spielen, läfst sich anführen, dals auf der südlichen, also 
Vorderseite, sehr ausgedehnte Schneefälle am 27. und 28, stattfanden. 
In dem nächsten Zeitabschnitt, vom 1. bis 6. Februar, war dagegen 
der Luftdruck am Kaukasus ungefähr ebenso hoch, wie an den Alpen, und zog 
sich von da ein zusammenhängendes Gebiet hohen Druckes bis ins Innere von 
Nordamerika. Neben einer Reihe grofser Wirbel, welche die Zugstraße zwischen 
Südgrönland und Spitzbergen frequentiren, sehen wir in diesem Zeitabschnitt eine
	        
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