accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1886—=87, 291 
Bogen über Nord-Irland und Norwegen nach dem Eismeere nahm. Die Aehnlich- 
keit beider Erscheinungen, welche die tiefsten bisher in Europa beobachteten 
Barometerstände geliefert haben, ist eine ganz auffallende, man möchte sagen 
verblüffende; sie erstreckt sich bis auf die Lage der Maxima und der kleineren 
Minima während eines Zeitraumes von je einer ganzen Woche; dem tiefsten 
Barometerstande von 694 am Abend des 26. Januar 1884 in Ochtertyre tritt ein 
solcher von 696 am Abend des 8. Dezember 1886 in Barrow in Furness, Lancashire, 
ebenbürtig zur Seite. In beiden Fällen war auch, als das tiefe Minimum an der 
NW-Küste von Irland lag, südlich von Neufundland ein geringes solches vor- 
handen; allein ein merkbarer Unterschied lag darin, dafs dieses Mal es das 
letztere Minimum war, durch dessen weitere Entwickelung das grofse zum Ab- 
sterben gebracht wurde, während 1884 dieses vielmehr durch eine damit anscheinend 
nicht zusammenhängende Neubildung an der Rückseite bei Island bewirkt wurde. 
Auch die Temperaturen waren in beiden Fällen ziemlich dieselben. Dafs ähnliche 
Entwickelungsprocesse auch im Sommer vor sich gehen können, haben wir bei 
der Besprechung der Tage vom. 12. bis 18. Juli 1886 gesehen; allein im vor- 
liegenden Falle war die Analogie weit größer, und erstreckte sie sich auch auf 
die Intensität, 
Vom 10. zum 11. Dezember kehrte sich das Stärkeverhältnifs der beiden 
in Verbindung getretenen Depressionscentren um, das nach Skandinavien ge- 
wanderte Hauptcentrum verlor rasch seine Bedeutung während des schnellen 
Fortschreitens des zweiten Centrums vom Ocean nach der Nordsee. Eine neue 
grofse Depression rückte von Grönland nach, gefolgt von hohem Luftdruck von 
Norden her, durch dessen Herrschaft der Zeitabschnitt vom 14. bis 18. De- 
zember 1886 sich vor allen anderen dieses Vierteljahres auszeichnet. Dieses 
Maximum trat durch eine Brücke hohen Druckes in Verbindung mit dem süd- 
lichen, von Virginien ostwärts nach 40° W fortgeschrittenen, bis sie beide am 
18. bis 19. von einem neuen, aus Nordamerika herangezogenen aufgezehrt wurden. 
Während dieser Zeit bewegte sich ein Depressionspaar von Michigan über den 
Osten nach Baffinsland, ein zweites von 35° W nach dem Kanal, und der eine 
Theil davon weiter nach Nowaja Semlja. Der zweite Wirbel von diesem letzteren 
Paare wurde am 16. bis 17. unterdrückt durch die Ausbildung eines Theil- 
minimums an seiner SW-Seite, welches darauf am 19. bei Madeira bedeutende 
Intensität gewann, jedoch nur auf sehr kurze Zeit. Im Uebrigen ist dieser Zeit- 
abschnitt vom 18. bis 22. Dezember, während dessen jenes Hochdruckgebiet 
nach den Azoren vordrang, nur durch sehr starke Schneefälle in Süd- und Mittel- 
deutschland bemerkenswerth, welche im Gefolge schwacher Theilminima auftraten, 
vom 18, bis zum 22, dauerten und ausgedehnte Verkehrsstörungen hervorriefen. 
Einige Angaben über die für Schneefälle ganz ungewöhnlich grofsen, dabei herab- 
gefallenen Wassermengen findet man im Monatsbericht der Seewarte, Dezember, 
S. 10 u. 11, zusammengestellt. 
Im folgenden Zeitabschnitt vom 23. bis 31. Dezember bildete das 
ganze Bassin des Schwarzen und östlichen Mittelmeeres, der Nord- und Ostsee 
ein Gebiet relativ niedrigen Druckes, in welchem Depressionscentren hauptsächlich 
im Mittelmeere und an der deutschen Küste (Zugstrafse IV) auftraten. Nördlich 
von den Faröern lag dabei eine Depression stationär, welche am 28, mit einer 
neu von West heranziehenden verschmolz. Zwei sehr ausgeprägte Randbildungen 
davon schritten längs der Küstenlinie Kanal—Petersburg nordostwärts, im Westen 
dagegen ein mächtiger Wirbel längs der grönländischen Westküste nordwärts. 
Letzterer liefs also den Faröer-Wirbel rechts von sich — was ja gegen die be- 
kannte Regel ist, aber hier wahrscheinlich seine Erklärung in dem Temperatur- 
gegensatz (Island ca 0°, Labrador — 15° bis — 27°, Upernivik — 22°) findet; 
wiewohl nicht zu leugnen ist, dafs am 26., als doch allem Anschein nach der 
Wirbel nach Ost fortschritt, die Temperaturverhältnisse nicht viel anders waren 
(Island — 5°, Labrador — 25°, ÜUpernivik — 32°). 
Auch im folgenden Zeitabschnitt, vom 1. bis 10. Januar 1887, ist 
der Druck über dem größeren Theile von Europa niedrig, und liegt beständig 
eine flache Depression über dem Mittelmeere. Auf dem Ocean, westlich von den 
Azoren, wird ein von Amerika gekommenes Maximum stationär, andere rücken 
von Winnipeg her nach. Wiederum zeigt sich die Zugstraßse von Neufundland 
nach dem Westen Grönlands von zwei starken Wirbeln frequentirt, und wiederum 
Ann. d. Hydr. etc., 1891, Heft YIL
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.