288 Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1890—91,
gebracht werden. Sämmtliche Chronometer, soweit sich dieselben überhaupt als
brauchbar für die nautische Praxis erweisen, werden in vier Klassen eingeordnet,
welche durch folgende Prädikate bezeichnet werden:
Klasse 1: „Vorzüglich“,
x 2: „Sehr gut“,
» 3: „Gut“,
4: „Genügend“
Für die einzelnen Klassen werden die folgenden Maximalwerthe der die
Fehler der Chronometer zum Ausdrucke bringenden Koefficienten A, B und €
festgestellt:
Klasse 1 2 3 4
A+2B+C 25 5,0° 6,5° 10,0°
B 0,75° 1,2% 1,6° 2,55
C 0075° 010° 0,12® 0,22
Diese Größen A, B und C werden berechnet aus den während der einzelnen
Dekaden der symmetrisch vorgenommenen Temperaturprüfung erhaltenen mittleren
täglichen Gänge. Zur Bestimmung der Größe A sind die beiden zu gleichen
Temperatur-Dekaden gehörigen täglichen Gänge paarweise zu einem Mittelwerthe
zusammenzufassen (siehe Kolumne VI). Es ist dann die größfste vorkommende
Differenz der so gefundenen Mittelwerthe gleich A zu setzen.
Bezeichnet, ferner B' die gröfste Differenz der täglichen Gänge von zwei
aufeinander folgenden Dekaden, z die Differenz der Temperaturen dieser beiden
Zeitabschnitte und T die Differenz der höchsten und niedrigsten überhaupt
während der Prüfung vorgekommenen Temperatur, so ist B =— BA
Es möge noch bemerkt werden, dafs in Uebereinstimmung mit dem früher
bereits am Marine - Observatorium zu Wilhelmshaven befolgten Beurtheilungs-
Verfahren auf die etwa von einander verschiedenen Vorzeichen der Größen A
und B keine Rücksicht genommen und das zweite Glied der rechten Seite obiger
Gleichung stets so angebracht worden ist, dafs der absolute Zahlenwerth ver-
ringert wurde.
C oder die mittlere tägliche Acceleration erhält man, indem man die
Gangdifferenzen von je zwei Dekaden gleicher Temperatur diesseits und jenseits
der Mitte der Prüfungsperiode bildet, dieselben durch die Anzahl der zwischen
beiden Zeitabschnitten liegenden Tage dividirt und aus den so, erhaltenen Zahlen
das Mittel nimmt. Zur Erreichung einer gröfseren Genauigkeit sind in dieser
Weise die aus den vier äufseren Paaren von Zeitabschnitten abgeleiteten Werthe
benutzt worden. — In den einzelnen Klassen werden die Chronometer nach der
Summe A -+2B +C geordnet, d. h. dasjenige Chronometer, bei welchem diese
Summe den geringsten Werth erreicht, nimmt den der Güte nach ersten
Rang ein.
Eine Durchsicht der obigen Gang-Tabelle zeigt, dafs das Resultat der dies-
jährigen Chronometer-Konkurrenz-Prüfung als ein in hohem Grade befriedigendes
bezeichnet werden kann, indem sämmtliche Chronometer bis auf eins, welches
offenbar zu neu und deshalb mit bedeutender Acceleration behaftet ist, in die
vier durch obige Bestimmungen abgegrenzten Klassen eingeordnet werden konnten.
Als ganz vorzüglich in der Kompensation vollendet dürfen die drei ersten
Uhren W. G. Ehrlich No. 531 und 530 und W. Bröcking No. 1182 bezeichnet
werden. Ganz besonders ist dies bei dem Chronometer No. 531 der Fall, dessen
Leistung eine selten hervorragende und bisher hier nur einmal, bei der sechsten
Konkurrenz-Prüfung, annähernd erreicht worden ist.
Es sind also fast alle Instrumente als für die nautische Praxis brauchbar
befunden worden. In Bezug auf die Chronometer Ehrlich No. 591 und No. 614,
welche der Klasse 4 angehören, möge noch bemerkt werden, dafs die relativ
tiefe Stellung dieser Instrumente durch die ziemlich bedeutende Gröfse der
Aecceleration. sowie durch kleine Schwankungen im Gange während der ersten