Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1890—91, 285
Bericht über die vierzehnte auf der Deutschen Seewarte im
Winter 1890—91 abgehaltene Konkurrenz - Prüfung von Marine-
Chronometern.
An der in Gemäfsheit der von dem Herrn Chef der Kaiserlichen Admiralität
unter dem 2. Dezember 1875 erlassenen Instruktion für die Deutsche Seewarte,
innerhalb der Tage vom 1. November 1890 bis 10. April 1891 in der der Lei-
tung der Hamburger Sternwarte unterstellten Abtheilung IV der Seewarte ver-
anstalteten vierzehnten Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern hatten sich
nachstehende Fabrikanten durch Einlieferung von denselben angefertigter Instru-
mente betheiligt:
Fabrikant
E. Bröcking
W, Bröcking
Hermann Diedrich
W. G. Ehrlich
A. Kittel
Wohnort Zahl der Chronometer
Hamburg
Hamburg
Geestemünde
Bremerhaven
Altona
Im Ganzen 22 Chronometer.
Bei den eingelieferten Uhren waren alle in dem Konkurrenz-Ausschreiben
vom August v. J. enthaltenen Bedingungen bezüglich der Konstruktions-Angaben
and Zeichnungen, des letzten Reinigungstermins u. s. w. erfüllt, und aulßserdem
hatten sämmtliche Herren Fabrikanten die schriftliche Erklärung abgegeben,
dafs diese Instrumente in ihren wesentlichen Theilen in ihren Werkstätten an-
yefertigt seien.
Die Chronometer wurden während der Untersuchungszeit jeden zweiten
Tag um 10 Uhr durch den Abtheilungs-Assistenten Herrn Dr. C. Stechert mit
den Normaluhren der Sternwarte auf chronographischem Wege verglichen; aufser-
dem wurde an jedem Dekadentage durch den Öbservator der Sternwarte, Herrn
Dr. W, Luther, zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags eine zweite Vergleichung
zur Herstellung einer unabhängigen Kontrole ausgeführt. Die zur Ermittelung
des Standes der Normaluhren nothwendigen Zeitbestimmungen wurden von Herrn
Dr. Stechert am Meridian-Kreise der Sternwarte angestellt.
Das Verfahren bei der Prüfung, insbesondere die Anordnung der Temperatur-
Intervalle, war analog dem bei den früher auf der Abtheilung IV abgehaltenen
Konkurrenz-Prüfungen beobachteten; doch wurden in Gemäfsheit der von Seiner
Excellenz dem Herrn Chef der Kaiserlichen Admiralität bestätigten Beschlüsse
der zweiten im Juli 1887 in Hamburg abgehaltenen Chronometer-Konferenz zur
Ableitung der für die Güte der Instrumente charakteristischen Zahlen nur die
während der zwölf Dekaden von 1890 November 21 bis 1891 März 21 erhaltenen
Gänge verwendet.
Während der ersten beiden Dekaden der Prüfungszeit (1890 November 1
bis 21) wurden die Instrumente allmählich bis auf 30° C. erwärmt; während der
beiden letzten Dekaden (1891 März 21 bis Avril 10) wurde die Temperatur
langsam von 30° C. bis auf Zimmertemperatur vermindert, Unter Fortfall dieser
äufsersten hier nicht weiter berücksichtigten Dekaden ergab sich das folgende
vollständig symmetrische Temveraturschema:
Dekade 1.2.3 4 5. 6 7 8 9 10 11 12
Temveratur C. 30°. 25°. 90°. 15°. 10°. 5°. 5A°. 10°. 15°, 20°, 25°, 30°
Da der Winter der Prüfung bei den niedrigen Temperaturen günstig war,
so konnten letztere fast vollkommen erreicht werden. Die niedrigste überhaupt
beobachtete mittlere: Tagestemperatur betrug 4,4°, die höchste 30,1°.
Die Schwankungen innerhalb der einzelnen Dekaden blieben aufserordent-
lich gering, und es konnten auch bei den 5°-Dekaden die beabsichtigten Mittel-
jemperaturen annähernd genau hergestellt werden.