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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Eisverhältnisse der Danziger Bucht sowie der unteren Weichsel etc, 281 
16. Dezember und 18. März“ die engsten Grenzen, in welcher die untere Weichsel 
während des Winters mit einer festen, die Schiffahrt hindernden Eisdecke über- 
zogen ist. Der Termin des Freiwerdens der Weichsel im Frühjahr stimmt sehr 
nahe mit den aus den Akten der Kaufmannschaft zu Danzig von dem Sekretär 
derselben gütigst mitgetheilten Daten über die Eröffnung der Schiffahrt resp. 
Oeffnung der Plehnendorfer Schleuse. Dieser Termin fällt im Mittel auf den 
24. März. Hierbei mag noch erwähnt werden, dafs die Kaufmannschaft in Danzig 
seit einigen Jahren in dem Dampfer „Richard Damme“ einen ziemlich kräftigen 
Eisbrecher besitzt, welcher unter gewöhnlichen Umständen im Stande ist, die 
Eisdecke der Weichsel zu durchbrechen und eine Fahrrinne von der See nach 
Danzig offen zu halten. 
Nach den voraufgeführten Daten, 16. Dezember und 18, März, ist die 
Weichsel für gewöhnlich über drei volle Monate mit einer festen Eisdecke belegt; 
diese Termine verschieben sich jedoch, wie vorher nachgewiesen, in einzelnen 
Jahren je nach der herrschenden Witterung bedeutend, so dafs man in besonderen 
Fällen dieselben bis zu fünf Monaten, und zwar von Anfang November bis zum 
Anfange des April, ausgedehnt finden kann. Andererseits treten jedoch auch 
Jahre ein, allerdings nur vereinzelt, in denen es zur. Bildung einer in Betracht 
zu ziehenden Eisdecke nicht kommt und das für Brauereien u. s, w. erforderliche 
Eis theilweise per Schiff aus nördlicher gelegenen Gegenden hat bezogen werden 
müssen; besonders war dies im Winter von 1883 zu 1884 der Fall, in welchem 
alle Monate einen recht bedeutenden Wärmeüberschufs zu verzeichnen hatten. 
Zum Schlusse möge noch, als ein Theil der Danziger Bücht, das Putziger 
Wiek in Beziehung der Eisverhältnisse einer Besprechung unterzogen werden. 
Wenn auch jener Theil der Bucht der allgemeinen Seeschiffahrt nicht dient, da 
besonders die ungenügenden Tiefenverhältnisse ein Befahren des Wiek von Fahr- 
zeugen von nur unter 3m gestattet, andererseits das Bedürfnifs einer größeren 
Schiffahrt auch wohl nicht vorliegt; so unterhält jedoch die Danziger Aktien- 
Gesellschaft „Weichsel“ seit etwa fünf Jahren zwischen hier und Putzig durch 
den eigens hierzu erbauten Schraubendampfer „Putzig‘“, 81,3 Reg.-Tons grofs, 
während der gröfsten Zeit des Jahres eine regelmäßige Verbindung und stellt 
während der Sommermonate nöthigenfalls noch einen ihrer kleineren Schrauben- 
dampfer mit in diesen Dienst. 
Den Zugang zum Wiek bildet das sogenannte „Deepke“, welches in den 
letzten Jahren von Seiten des Staates neu ausgebaggert und regelrecht betonnt 
worden ist. Da dieser Theil der Danziger Bucht auch eventuell zum Einlaufen 
von Torpedobooten der Kaiserlichen Marine dienen könnte, so mag eine Be- 
sprechung immerhin von Vortheil sein. Leider liegen längere Beobachtungen 
der Eisverhältnisse nicht vor, wenigstens nicht solche, wo bestimmte Daten an- 
gegeben werden können. Seit dem Jahre 1885 wurde für das Putziger Wiek, 
seitdem dasselbe als Fischschonrevier behandelt wurde, ein Fischmeister mit dem 
Wohnsitz in Putzig angestellt, welcher auf Anfrage bereitwilligst nachstehende 
Angaben machte. Im Jahre 1885 fror das Wiek am 26. November zu, wurde 
durch Sturm am 29. November wieder aufgerissen, fror am 9. Januar 1886 
wieder zu und lag dann bis zum 4. April fest. Im Winter 1886/87 lag es vom 
31. Dezember bis 26. Februar fest im Eise, im Winter 1887/88 hatte dasselbe 
vom 25. Dezember bis zum 13. April eine feste Eisdecke, 1888/89 vom 4. Januar 
bis 9. April und im Winter 1889/90, mit einer Unterbrechung vom 10. Januar 
bis 18. Februar, vom 9. Dezember bis 11. März. Das Wiek erstreckt sich von 
NW nach SE und wird die Eisdecke durch starke nordwestliche Winde leicht 
aufgerissen und das Eis in die Danziger Bucht getrieben. Bei ruhigem Wetter 
und einer Kälte von 5 bis 6 Grad friert es in einer Nacht zu. Die Eisgrenze 
bildet gewöhnlich das Reva- Kufsfelder Rif; dieselbe dehnt sich in strengen 
Wintern jedoch bedeutend weiter aus. In diesen Fällen entwickelt sich dann 
gewöhnlich an dieser Eisgrenze ein so reiches Thierleben, wie man es kaum für 
möglich halten sollte. Von Ende Januar an stellen sich häufig schon die Breit- 
lingszüge (ein ähnlicher Fisch wie die Kieler Sprotten) in jener Gegend ein, 
welchen dann nicht allein von Menschen, sondern auch von Tausenden von 
Möven, Enten und Tauchern aller Art, Fischadlern, Kormoranen, wilden Schwänen 
and Seehunden nachgestellt wird; selbst hochnordische Vögel stellen sich in 
strengen Wintern dort öfters zum Schmause ein.
	        
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