380 Kisverhältnisse der Danziger Bucht sowie der unteren Weichsel etc.
in welchen hauptsächlich Treibeis in gröfseren Mengen und in die Schiffahrt
hindernder und gefährlich werdender Weise auftraten. Als Durchschnittstag, an
welchem in der Danziger Bucht und auf der Rhede von Neufahrwasser sich Eis
in gröfseren Mengen gebildet hat, ist nach allen zusammengestellten Notizen
über die Eisverhältnisse der 13. Januar zu bezeichnen; als der mittlere Termin,
wann Bucht und Rhede eisfrei waren, der 14. März. Diese Termine schieben
sich jedoch in einzelnen Jahren bedeutend hinaus, und erstreckt sich besonders
der Endtermin, an welchem Treibeis in der Danziger Bucht in gröfseren Massen
auftritt, öfters weit in den April hinein; so meldet zum Beispiel das Journal des
Lootsenkommandos vom Jahre 1845 am 29. April: „Rhede heute eisfrei; jedoch
noch nicht die Hafenmündung“., Es meldete ferner die Signalstation der See-
warte in Richöft am 6. Aprıl 1888 telegraphisch nach hier: „Viel Treibeis in
See“. Hierbei mag erwähnt werden, dafs genannte Station angewiesen ist, mit
den zweimal täglich, 8 Uhr Morgens und 4 Uhr Nachmittags, hierher zu senden-
den Witterungstelegrammen über in See sichtbares Treibeis zu berichten. Bei
Zusammenstellung dieser Meldungen kommt als mittleres Datum von Treibeis-
erscheinungen bei genannter Station der 19, März heraus. Die jeweilige Wind-
richtung ist auf das Erscheinen von Treibeis daselbst von gröfstem Einflufs. Die
südliche Ostseeküste erstreckt sich in nahe west— östlicher Richtung, und es sind
deshalb hauptsächlich die nördlichen Winde, welche das Erscheinen von gröfßseren
Treibeismassen daselbst im Gefolge haben.
Wesentlich anders gestalten sich die Eisverhältnisse auf dem der See-
schiffahrt dienenden Stromlauf der Weichsel. Wie bereits Eingangs bemerkt,
sind hier die Bedingungen für Eisbildungen bedeutend günstiger als auf der
Rhede. Aus älteren Akten der Königlichen Hafenbau-Inspektion, welche Behörde
bei der früheren alten Schleuse am Eingange des Hafenkanals Wasserstands-
beobachtungen sowie Beobachtungen über die Eisverhältnisse der Weichsel an-
stellen lief, sowie auch aus den Beobachtungen der Agentur geht hervor, dafs
schon Ende Oktober und Anfangs November hindernde KEisverhältnisse vor-
kommen, welche, wenn sie auch der eigentlichen Schiffahrt, die zum überwiegen-
den Theile durch Dampfschiffe vermittelt wird, um diese Jahreszeit noch wenig
hinderlich sind, doch den verschiedenen Transporten von Holzflöfsen u. s. w.
erschwerend in den Weg treten. Als Beleg für diese frühe Bildung einer immer-
hin hindernden Eisdecke können die beiden Jahre 1880 und 1881 gelten. Im
ersteren Jahre trat am 20. Oktober bereits eine Frostperiode ein, welche sich
mit kurzer Unterbrechung bis zum 6. November fortsetzte; das Thermometer fiel
während dieser Zeit bis zu — 5,4°; fernerhin, begünstigt durch reichlichen Schnee-
fall während dieser Zeit, hatte sich eine die ganze Weichsel bedeckende Eis- und
Schlammdecke gebildet. Noch schärfer ausgeprägt zeigte sich eine so frühe
Frostperiode im Jahre 1881. Hier ging das Thermometer am 29. Oktober unter
Null, am 30, zeigte dasselbe bereits — 8,2°; der Frost setzte sich während der
ersten Tage des November fort und erreichte am 4. November bereits — 11,2°,
selbst die Mittagstemperatur an diesem Tage blieb bis — 4,4° unter dem Gefrier-
punkt. Der anhaltende strenge Frost und der während dieser Zeit ebenfalls
reichlich gefallene Schnee hatten bewirkt, dafs die Weichsel sowohl wie der
Hafenkanal mit einer festen Eisdecke überzogen waren. Diese frühen Eisbildungen
kommen jedoch selten vor, da die durchschnittliche Wasser- wie Lufttemperatur
um diese Zeit noch immer mehrere Grade über dem Gefrierpunkt liegen.
Ein sehr gutes Bild von der Eislage der unteren Weichsel zwischen Danzig
und Neufahrwasser erhält man durch einen Vergleich der Passagierdampferfahrten
auf genannter Strecke. Auf diesseitige Anfrage hat der Direktor der Danziger
Dampfschiffahrts-Gesellschaft „Weichsel“, Herr Alexander Gibsone, in zuvor-
kommender Weise diejenigen Daten vom Jahre 1858 an mitgetheilt, wann im
Herbst diese Fahrten Eises halber eingestellt worden und im Frühjahr unter
gleichen Umständen beginnen konnten. Hieraus ergiebt sich als der mittlere
Einstellungstermin der Passagierfahrten im Herbst der 16. Dezember, und als der
mittlere Termin, wann die Fahrten im Frühjahr wieder aufgenommen worden,
der 18. März. Herr Direktor Gibsone theilt ferner mit, dals die Gesellschaft
seit Anfang der achtziger Jahre gezwungen wird, auch dann noch die Fahrten
aufrecht zu erhalten, wenn die Weichsel bereits mit einer ziemlich starken Eis-
decke überzogen ist. Es sind demnach die beiden angegebenen Daten „der