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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Eisverhältnisse der Danziger Bucht sowie der unteren Weichsel ete. 979 
Die Monate Dezember, Januar, Februar und März sind es hauptsächlich, 
welche bei den hiesigen Eisverhältnissen in Betracht kommen. Wie schon Ein- 
gangs bemerkt, ist der Eintritt des Frostes sehr verschieden. Im Durchschnitt 
kann man denselben nach 14jährigen Beobachtungen auf den 20. Oktober ver- 
legen, wohingegen der letzte Frost im Mittel auf den 14. April fällt. Diese 
beiden Daten geben die äufßsersten Grenzen des Frostes an, doch kommt es im 
frühen Herbst besonders, um welche Zeit das Wasser noch eine ziemlich hohe 
Temperatur besitzt, sehr selten zu einer Eisbildung, welche der Schiffahrt nennens- 
werthe Hindernisse bereiten könnte. Im Frühjahr allerdings, wenn der März ein 
sehr kalter war und noch altes Eis vorhanden, kommt es häufiger vor, daß 
in der ersten Hälfte des April bei einsetzendem Frost neue hindernde HKis- 
bildungen entstehen. Es mag noch erwähnt werden, dafs die sogenannten Früh- 
jahrsfröste sich im Durchschnitt auf den 10. Mai einstellen und öfters noch unter 
—2,0° auftreten. 
Die Durchschnittswerthe der Temperaturen aller Monate, in denen mehr 
oder weniger größere Eisbildungen vorkommen, stellen sich wie folgt: 
Oktober November Dezember ‚Januar Februar März April 
+ 7,6° +2,8° — 0,4° —2,0° —18° —0,4° —+.6,0° 
Hiernach kommen für die Danziger Bucht, als die beiden am meisten Eis 
erzeugenden Monate, der Januar und Februar in Betracht; tritt hiernach, wie es 
häufig der Fall, der Monat März ebenfalls noch als stark eisbildender Monat 
hinzu, so ist im letzteren Monat die meiste Gefahr vor großen Treibeismassen 
in der Bucht vorhanden. Hinzu kommt noch, dafs im Monat März, wie aus 
den nebenstehenden graphischen Darstellungen der Windrosen für die Monate 
Dezember, Januar, Februar und März zu ersehen, die nördlichen und östlichen 
Winde im Verhältnis zu den vorhergehenden Monaten bedeutend überwiegen *) 
und die Ansammlung von gröfseren Eismassen in der Danziger Bucht begünstigen. 
Halten die östlichen Winde längere Zeit an‘ und nehmen womöglich noch eine 
etwas nördliche Richtung an, so wird das Eis von einem Theil der ostpreufsischen 
Küste sowie das Eis aus der oberen Weichsel, deren Haupteisgang gewöhnlich 
Anfangs bis Mitte des Monats März stattfindet, in die Danziger Bucht getrieben 
und diese vollständig vollgeschoben. "Tritt hierbei intensiver Frost ein, wie es 
am 14. bis 18. März 1888 geschah, so vereinigen sich die zusammengeschobenen 
Eismassen zu einer festen Eisdecke von mehr als 1m Dicke und schließen den 
Hafen von Neufahrwasser für diese Zeit vollständig vom Seeverkehr aus. Am 
17. und 18. März 1888 ging die Eisgrenze von Neufähr bis wenig östlich von 
Hela, während sie gewöhnlich nicht über das Reva-Kufsfelder- Riff hinausgeht. 
Nach den hiesigen, bei der Agentur angestellten Beobachtungen hatte der 
Monat März in den Jahren 1883, 1888 und 1889 Durchschnittswerthe der Tempe- 
ratur von — 2,9°, — 3,6° resp. — 2,8°, Diese Jahre sind es hauptsächlich, in 
welchen dann bei der starken Abkühlung des Wassers und den häufigen Schnee- 
fällen um diese Zeit sich. grofßse Eismassen in See bildeten, und diese unter den 
bekannten Verhältnissen in die Bucht getrieben wurden und Rhede und Hafen 
blockirten. Zu den früheren Jahren 1841, 1853 und 1871 liegen keine Temperatur- 
beobachtungen vor, doch waren es auch hier stets die Monate Januar bis März, 
I) Nach Procenten vertheilten sich die Winde in den genannten Monaten wie folgt: 
NTT* 
5 
REF 
ww 
Dezember 
Januar 
Februar 
März © 
2,0 
21 
4,0 
8A 
j 
ya 
2.8 
‘Cq 
1 
2.5 
Ag 
AM 
RQWT 
ZW 
MS 
AT 
Dezember 15,1 11,2 12,4 6,2 8,7 
Januar 15,5 9,9 7,9 66 85 
Februar 14,1 7,9 7,7 4,2 7,2 
März 89 E 75 51 9.1 
DOT 
2,5 
1,5 
7 
SSE 
8,2 
7,6 
1,4 
+1 
AMUNTT 
a1 
MN 
Stillen 
5,9 58 28 4,0 
75 . 84 4,2 6,3 
7,9 6,6 3,6 3,4 
71 75 4,9 5.0
	        
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