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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Die Gezeitenkonstanten in Finschhafen. 
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Aus der früher erwähnten zeitweiligen Unsicherheit der Registrirungen, 
sowie aus der verschiedenen Zeitdauer der benutzten Beobachtungen erklärt es 
sich wohl, dafs die von Herrn Prof. Dr. Börgen gegebenen Relationen für Ka 
und S2 nicht zutreffen können. 
Sind nun auch die Resultate, wie sie vorstehend angeführt sind, nicht 
absolut sicher, so lassen sie doch so viel erkennen, dals in Finschhafen der KEin- 
flußs der Sonne den des Mondes auf das Meer übertrifft, und dafs die eintägige 
Fluth. sich als überwiegend erweist. Möglicherweise sind auch Interferenz- 
erscheinungen auf obige Ergebnisse von nicht geringem Einflufs gewesen. Im 
nordwestlich gelegenen Hatzfeldthafen macht sich dagegen, wie es scheint, die 
halbtägige Periode etwas mehr geltend. 
Einmal täglich Ebbe und Fluth fand die „Gazelle‘“®) noch im Nordhafen 
(Neu-Hannover), Holzhafen (Neu-Mecklenburg), Greethafen (Neu-Pommern) und 
im Gazellehafen (Bougatinville-Insel), dabei übersteigen die Fluthhöhen kaum 1m. 
Zum Schlufs kann jedenfalls behauptet werden, dafs die obigen für 
Finschhafen gefundenen Ergebnisse einen nicht unerheblichen Beitrag zur Kennt- 
nifs der pacifischen Gezeiten liefern dürften, und dals ihre Bearbeitung und Ver- 
öffentlichung hoffentlich einen Antrieb zu weiterer, möglichst sorgfältiger Samm- 
lung derartigen Erfahrungsmaterials in jenen Gegenden enthalten wird.®) 
Ablenkungen des Kompasses durch lokale magnetische Störungen 
bei Nordwest-Australien. 
Im September 1885 wurde an Bord des britischen Vermessungsschiffes 
„Neda“, als dasselbe die Insel Bezout, in der Nähe von Cossack, Nordwest- 
Australien, passirte und dann 2 Sm in der Richtung NNW auf einer Wasser- 
tiefe von 14 m segelte, eine ständige Ablenkung des Kompasses von. 30° 
beobachtet. Dieselbe Beobachtung wurde am 6. November 1890 von dem britischen 
Vermessungsschiffe „Penguin“ !) gemacht. Als das Schiff 2 Sm N 79° O0 von der 
Insel Bezout sich befand, wurde der Kompafls um 22° abgelenkt; es wurde sofort 
geankert und die Stelle und ihre Umgebung näher untersucht. Auf Bezout waren 
die absoluten Werthe der Milsweisung und Inklination normal, die letztere betrug 
50° 1,7‘; 2,14 Sm N 79'2° O0 von der Insel jedoch war die Inklination gleich 83°, 
während die Horizontalablenkung des Kompasses nur sehr gering war. Diese Stelle 
mufßs als Mittelpunkt der störenden Kraft angesehen werden; 275m westlich von 
derselben war die Inklination normal, mit der Entfernung von dem Mittelpunkt 
nahm sie aufserordentlich schnell ab. Ungefähr 30 m südlich von dem Störungs- 
Mittelpunkt wurde der Kompafßs um 55° abgelenkt; es war dies die gröfste 
beobachtete Ablenkung; Kompafsstörungen traten jedoch über einen Raum von 
ungefähr einer Quadrat-Seemeile ein; die mittlere Wassertiefe in diesem Gebiete 
betrug 16!/a m, der Meeresboden bestand aus Quarz-Sand. 
Die Beobachtungen der magnetischen Elemente in Cossack und . seiner 
Umgebung zeigten nur geringe oder keine Störungen durch lokale magnetische 
Kräfte. Es erscheint deshalb unzweifelhaft, dafs die durch „Neda‘“ und „Penguin“ 
beobachteten Störungen dem Magnetismus der Meeresbodenbestandtheile in der 
Umgebung der Schiffe zuzuschreiben sind. 
8) Reisebericht S. M.S. „Gazelle“, TI. 
9) Leider ist für Finschhafen selbst diese Hoffnung durch Aufgabe der Station neuerdings 
wohl für immer vereitelt, ; 
1) „Nature“ 1891, No. 1116, Vol. 43.
	        
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