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Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Oktober 1890.
mische Winde aus SW—W von der Stärke 8—9 (in der Ostsee vereinzelt 10)
auf, dort am frühen Nachmittage, hier und zumal in dem östlichen Theile mehr
gegen Abend, auf exponirten Stationen der Ostsee die Nacht hindurch und theil-
weise bis zum Morgen anhaltend.
Am Morgen des 7. finden wir ein im Rücken des östlich von St. Petersburg
lagernden Minimums entstandenes Theilminimum über Südschweden, welches an
diesem Tage südostwärts nach Litthauen fortschreitet und am Morgen des 8. an
der Ostgrenze Polens lagert.
Durch starkes Steigen des Luftdruckes im Nordwesten vollzog sich endlich
in der Nacht. zum 8. eine Umgestaltung der Wetterlage; an diesem Morgen
erstreckte sich von NW her ein 770 mm übersteigendes Maximum über Grofß-
britannien, über der ganzen Westhälfte Europas überstieg der Druck 765 mm,
und die Isobare von 760 mm verlief, über Centraleuropa gegen Osten anticyklonisch
ausgebuchtet, von Skandinavien etwa südwärts nach der Adria, das Depressions-
gebiet im Osten begrenzend.
Die Wetterlage hatte hiermit thatsächlich eine dauernde Aenderung er-
fahren, denn wenn auch die Wetterkarten vom 10. und 11. Oktober wieder eine
Aehnlichkeit mit dem Typus der besprochenen Periode aufwiesen und an diesem
Tage zwei Minima Bahnen einschlugen, ähnlich denen jener Periode und an der
deutschen Ostseeküste wieder von stürmischer Witterung gefolgt waren, so hatte
diese Wetterlage jetzt nur kurzen Bestand, und bis zum Abend des 18. sollten
in der Folge unsere Küsten meist von stürmischen Winden verschont bleiben,
Die im letzten Kärtchen dargestellten Bahnen der Minima des behandelten
Zeitraumes, von denen die stark ausgezogene dem denkwürdigen Sturm vom 2./3.Ok-
tober entspricht, zeigen unter einander grofse Aehnlichkeit. Dieselben verlaufen
auf der Nordseite des hohen Druckes meist west—ostwärts und zeigen in ihrem
östlichen Verlauf gemeinsam das Umbiegen nach Norden, unter dem Einflufs der
im hohen Nordosten lagernden Depressionen. Der Witterungsverlauf während
der betrachteten stürmischen Epoche bietet in seinem gesammten Verlauf sicher
ein ebenso treffendes Beispiel für die so häufig hervortretende Erhaltungstendenz
der Witterung, wie wir dies für die vorangegangene ruhige Epoche hervorzuheben
Gelegenheit fanden.
Die Gezeitenkonstanten in Finschhafen,
Von C, Kafsner in Berlin,
Für den weiteren Ausbau der Gezeitentheorie ist die Kenntnifs der Tiden
gerade des Grofsen und Indischen Oceans sehr wünschenswerth, zumal an der
Grenzscheide jener Wasserbecken. Daher war es sehr dankenswerth, dafs gerade
an einem solchen Punkte durch die Initiative der Neu-Guinea-Kompagnie bei
der wissenschaftlichen Erforschung ihres Gebietes auch die Meeresfluktuationen,
und zwar in Finschhafen, yegistrirt wurden. Das so erhaltene Material konnte
mit Unterstützung der Königlichen Akademie der Wissenschaften einer näheren
Untersuchung unterzogen werden.
Die Station Finschhafen, der Sitz des Landeshauptmanns der deutschen
Kolonie Kaiser Wilhelms-Land, liegt auf der Mudang- oder Holzinsel, die in dem
ersten großen Becken des Finschhafens der Westküste vorgelagert ist. Dieser
Busen wird durch die mehrfach zusammengeschnürte, langgestreckte und im Kap
Bredow endigende Nugidu-Halbinsel gebildet und öffnet sich an der meridional
verlaufenden Küste nach Norden. Er besteht aus drei Becken, deren erstes und
größtes bei ca 20 m Maximaltiefe durch einen 17m tiefen Kanal mit dem offenen
Meere in Verbindung steht.!) Aufserhalb des Hafens senkt sich der Boden sehr
1) Die nach den Aufnahmen S.M.S. „Hyäne“ gezeichnete Karte („Ann. d. Hydr.“ 1885)
giebt nur das erste Becken richtig an, während das zweite und dritte etwa doppelt so lang genommen
werden müssen.