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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Öktober 1890. 
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Prof, van Bebber ?!) in diesen Annalen, Heft I, 1882, besprochen hat. ‚Derselbe 
bietet jedoch. mehrfache Abweichungen, und insbesondere schritt in jenem Falle 
bereits von Grofsbritannien her völlig ausgesprochen ein tiefes Sturmcentrum 
heran, während im vorliegenden Falle die bedeutungsvolle Entwickelung des 
Minimums erst über der Nordsee erfolgte; ferner besafs jenes Minimum während 
des Vorüberganges an der Ostseeküste bei gleicher elliptischer Form eine weniger 
nach Nordost, sondern mehr W—E gerichtete grofse Achse, und es fehlte die 
für das letztjährige Phänomen oben hervorgehobene Ausbuchtung der Isobaren 
auf der Südostseite des Minimums; hiermit. in Verbindung herrschten im früheren 
Falle auf der ganzen Südseite des Minimums starke Gradienten, und besafs jener 
Sturm nach Süden hin eine weit gröfsere Ausdehnung. Auch. damals stieg der 
Druck äufserst rasch im Rücken des ostwärts schreitenden Sturmwirbels, und 
überstieg über ganz Westeuropa bereits 765 mm, als das Minimum sich nach 
Finnland verlagert hatte, 
Im vorigen Jahre aber nahte nach dem Vorübergange des Sturmcentrums 
ein neues Minimum von Westen her. Am Morgen’ des 3. Oktober, als ersteres im 
Osten Finnlands gelegen war und an der östlichen Ostseeküste noch stürmische 
Winde hervorrief, finden wir abermals ein Minimum über der Nordsee, welches 
schnell südostwärts wandert, am Abend über Südschweden und am folgenden 
Morgen bereits über Kurland gelegen ist. Sein Herannahen kündigte sich bei 
den Registrirapparaten durch Sinken des Druckes von Borkum bis Kiel bereits 
gegen Mitternacht vom 2./3. an, während dasselbe in Wwustrow gegen 4a, in 
Swinemünde gegen 9a, in Neufahrwasser und Memel erst gegen 2—3 p am 3. 
eintrat; der tiefste Stand erfolgte auf den westlichen Stationen gegen Mitternacht, 
in Neufahrwasser und. Memel 5a am 4.; entsprechend der Bahn des Minimums 
erfolgte das stärkste Fallen, um ca 17mm, in Memel, gegenüber 8—10 mm auf 
den übrigen. Stationen. 
Die Registrirungen der Anemometer (Tabelle I) zeigen, wie die nordwest- 
lichen Winde. allmählich wieder nach SW zurückdrehen und nach Erreichung des 
tiefsten Luftdrucks wieder nach WNW, auf den östlichen Stationen bis NW und 
NNW drehen. Als größte Windgeschwindigkeiten im Gefolge dieses Minimums 
wurden registrirt in Borkum 19m von 9a bis Sp am 3., in Wilhelmshaven 19 m 
von 11a bis 4p, in Hamburg 19 m von Op bis 4p, in Keitum 13m von 1la 
bis Ip, in Kiel 15m von 1p am 3. bis La am 4., in Wustrow 18 m von 4p 
bis 6p, in Swinemünde 11m von 4p am 3, bis. 5a am 4., in Neufahrwasser 
13m von 9a bis 11a am 4. und in Memel bei NNW nach 4a am 4., wo leider 
wieder eine Störung im Gange des Anemometers erfolgte. Die stündlichen Wind- 
geschwindigkeiten erreichten somit in Hamburg wieder auf kürzere Zeit recht 
bedeutende Werthe, "blieben aber auch hier; wie auf den übrigen Stationen, unter 
den am Vortage‘ erreichten Werthen, 
Nach den Beobachtungen an den Signalstellen traten im Gefolge dieses 
Minimums stürmische Winde von der Stärke 8—9 an der ganzen Küste auf, in 
der Nordsee aus südwestlicher Richtung in den ersten Nachmittagsstunden, auf 
exponirten Stationen bis Mitternacht und später anhaltend, in der westlichen 
Ostsee etwas später am Nachmittage, in der mittleren Ostsee gegen Abend, in 
der östlichen Östsee erst am Morgen des 4., und währten hier wie auf Rügen 
an exponirten Stationen vielfach bis gegen Mittag des 4.. 
Auch nach dem Vorübergange dieses Minimums blieb die | gefährliche 
Wetterlage bestehen, eine tiefe Depression im Nordosten, niedriger Druck im 
Nordwesten und hoher Druck über dem Süden Europas, gegen das Depressions- 
gebiet der Nordhälfte begrenzt: durch etwa W—E verlaufende Isobaren. Schon 
am Abend des 5. Oktober betrat ein weiteres Minimum, von Westen kommend, 
Skandinavien und wanderte am 6. über die mittlere Ostsee und den Rigaschen 
Busen nach Russland, wo sich dasselbe, nach Nord und Nordwest umbiegend, 
langsam nach dem Weifsen Meere: verlagerte. Unter seinem Einflufs traten am 6. 
in der Nordsee vereinzelt, in der Ostsee vielfach und von längerer Dauer, stür- 
'y Diese Abhandlung „Bemerkenswerthe Stürme, III. Sturm vom 14. und 15. Oktober 1881, 
‚on Dr. J. van Bebber“ ist leider in dem Register zu .den Jahrgängen 1873/88 der Annalen nicht 
aufgeführt worden, und dürfte es sich für den Leser empfehlen, diese dort auf Seite 8 und 88 nach- 
zutragen,
	        
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