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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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= 4Z 
Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Oktober 1890. 
Sehen wir von Norderney ab, wo erfahrungsmäfsig die notirten Wind- 
stärken etwas niedrig ausfallen, so tritt als durch jene Beobachtungen gesichert 
hervor, dafs die stürmischen südwestlichen und westlichen Winde in den öst- 
lichen Theilen der Nordsee später als im Westen und an der Westküste Schleswig- 
Holsteins am 1. Oktober überhaupt nicht auftraten; in der Ostsee herrschten 
stürmische Winde am Tage anhaltend von Flensburg bis Darsserort, bis Mittag 
auf Rügen und fehlten weiter östlich ganz an der Küste (aufser in Brüsterort). 
Dieses Fehlen der stürmischen Winde an der östlichen Ostseeküste findet seine 
Erklärung nach den Wetterkarten vom 1, Oktober darin, dafs an diesem Tage 
die Gradienten nach Osten hin bei dem Auseinandergehen der Isobaren ab- 
nahmen, und vielleicht ist das Nachlassen der Winde auf Rügen am Nachmittag 
noch weiter darauf zurückzuführen, daß das Minimum an diesem Tage seine 
Form bereits stärker änderte, als es die den Karten zu Grunde liegenden Beob- 
achtungen erkennen lassen. 
Diese Stürme waren aber leichteren Charakters und der eigentliche Sturm 
brach erst über unsere Küsten herein, als um Mitternacht vom 1./2. Oktober auf 
der Rückseite des Minimums voller Nordweststurm zum Durchbruch gelangte und 
auf der Süd- und Südostseite des nunmehr rasch fortschreitenden Minimums ein 
Anschwellen der stürmischen Winde aus W und SW zur Folge hatte. 
Ueber das Umspringen des Windes nach NW liegen von den Signalstellen 
einige Beobachtungen vor: In Nesserland erfolgte dasselbe gegen 1!/2a, in 
Wilhelmshaven wurde von 11p bis 3a stürmischer SW mit Regen und um 
3 50” a.m. ein Springen nach WNW in anhaltend stürmischen Böen mit Regen 
und Hagel beobachtet; in Flensburg herrschte in der Nacht vom 1./2. Oktober 
anhaltend heftiger Sturm, besonders von 3'/2a bis 6a SW 11, und um Ga sprang 
der Wind plötzlich mit entsetzlicher Kraft auf NW; in Aarösund wurde bis 5'% a 
leichter WNW beobachtet, dann sprang der Wind, plötzlich stürmisch werdend, 
auf NW; in Travemünde trat der NW gegen 8'/2 a, in Darsserort um 10%4 a ein, 
and in Brüsterort sprang der Wind um 7% p von W auf NW-Orkan. welcher 
bis 3a am 3. Oktober anhielt, 
Tabelle II enthält die Beobachtungen über Windrichtung und -Stärke, so- 
wie Seegang, welche am 2. Oktober zu den angegebenen Zeiten auf den Signal- 
stellen gemacht wurden. Angaben über die Himmelsbedeckung und Niederschläge 
sind nicht aufgenommen worden, um den Umfang der Tabelle nicht zu sehr zu 
vergröfßsern; hervorzuheben ist in dieser Beziehung, dafs ein eigentliches Auf- 
klaren nach Eintritt der nordwestlichen Winde nicht stattgefunden hat, sondern 
das Wetter vor wie nach dem Herumgehen des Windes einen veränderlichen 
Charakter hatte, indem bei veränderlicher Bewölkung Regen- und Hagelböen auf- 
traten, ohne indefs erhebliche Niederschlagsmengen zu liefern, Gewitter wurden 
beobachtet in GHückstadt um 10%4 8a, um 8a in Pillau, um 9 bis 9'% a in Memel 
und Wetterleuchten Abends in Greifswalder Ote, 
Die Tabelle zeigt, dafs in der Ostsee meist weit gröfsere Windstärken 
beobachtet wurden, als in der Nordsee, wo insbesondere auch die Winde vor 
dem Umspringen des Windes geringere Stärke besessen hatten; das Nachlassen 
der Winde in der Nordsee und westlichen Ostsee am Nachmittag tritt deutlich 
hervor, im Gegensatz zu dem am Abend eintretenden Anschwellen im Osten, wo 
die Stürme bis zum Morgen des folgenden Tages anhielten. 
Ueber Beschädigungen von Gebäuden, Zäunen etc. berichten die Tagebücher 
vielerlei; in Thiessow verschwanden verschiedene Seezeichen, wurde der Sturm- 
kutter der Station auf Strand getrieben, wurde die Richtungsboje auf Ruden 
umgeweht; in Rügenwaldermünde ging die See über die Dünen; in Warnemünde 
ging die See bei orkanartigem NW-Sturm so hoch, dafs der Hafen für eingehende 
Schiffe unpassirbar wurde; in Püillau verschwanden in der Nacht zum 3. bei 
NW-Orkan und furchtbar hoher See sämmtliche Seezeichen im Seegat und Seetief, 
and vier im Vorhafen vor Anker liegende Schiffe trieben mit ihren beiden Ankern 
auf Grund. 
Sicher zählt dieser Sturm vom 2./3. Oktober zu den schwersten Stürmen, 
die an unserer Küste beobachtet wurden. Seine Bahn fällt sehr nahe zusammen 
mit derjenigen des Sturmes vom 14. und 15. Oktober 1881, welchen Herr
	        
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