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Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Oktober 1890.
Die Uebereinstimmung der berechneten und beobachteten Gröfsen, zumal
für die Isobare von 750 mm, ist eine überraschend gute. Es ergiebt die Rech-
nung, dafs die Isobare von 75% mm etwas langsamer nach Osten vorrückte, als
jene von 750 mm. Endlich wurden mittelst jener Formeln für T;4 und T; die
Gradienten berechnet, welche zwischen den Isobaren von 750 und 755 mm be-
standen, als diese über Borkum, Swinemünde und Memel hinwegzogen, und es
wurden folgende Werthe für die angegebenen Ortszeiten ermittelt:
Gröfse der Gradienten.
Borkum . . . . 1% 40a. m. am 2. Oktober 7,3 | 3h 52m a, m. am 2. Oktober 7,1
Swinemünde. . . Oh43Mp.m. »„ 2. 5:55 | 41280" p,m. „ 2 5,3
Memel. . . . . 3h54mam „ Z “ 44 | Sh40m am. „ 3 » 4,3
wobei zu beachten ist, dafs Gradienten von der Größe 4 bis 5 bereits stür-
mischen Winden entsprechen.
Die Registrirungen der Anemometer ergaben als gröfste Geschwindigkeiten
am 2. Oktober in Borkum von 0 bis 2a 33m bei W/NW (Tiefster Barometer-
stand 0a), in Wilhelmshaven von 1 bis 3a 22m bei SW (T.B. 1 bis 2a) und
nach einem vorübergehenden Abflauen des Windes auf 16m von 4 bis 7a bei
W/NW, von 10 bis 12a 21m bei NW, in Keitum von 4 bis 6a 19'/zm bei
NW/NNW (T.B. 2a bis 3a), in Hamburg von 2a bis 4a 22'4A m bei WSW/W
(T. B. 3a) und von 1la bis 1p 17')z m bei NW, in Kiel von 4a bis 3p im
Mittel 20m bei W/NW (T. B. P bis 4a), in Wustrow von Ga bis 1p im Mittel
26m bei SW/NNW (T.B. 7 bis 8a), in Swinemünde von 8a bis 4p 18 m bei
W/NW (T.B. 8a?), in Neufahrwasser von 8p bis 10p im Mittel 17'/ m bei
NW (T.B. 5p), in Memel von 2p bis 6p im Mittel 20m bei WSW/W (T. B.
7p bis 8p) und nach einem Abflauen des Windes auf 15m von 6p bis 10p
bei W, von 11p bis 9a am 3. Oktober im Mittel 22 m bei NNW/N. Hiernach
traten die größten Windstärken außer im Osten um die Zeit des niedrigsten
Luftdruckes ein, nnd wo diese bei SW bis W beobachtet wurden, fand später,
wie in Wäilhelmshaven und Hamburg besonders ausgeprägt, ein späteres Maximum
bei NW statt; in Neufahrwasser trat die gröflste Windstärke erst ein, nachdem
das Barometer einige Stunden im Steigen war und der Wind nach NW herum-
yegangen war; in Memel trat eine erste Periode gröfster Windstärke bereits
während des letzten stärkeren Fallens bei SW ein und später eine zweite, als
das starke Steigen des Barometers eintrat, bei NW.
Nach den Registrirungen liefßs der Sturm in der Nordsee einige Stunden
nach Mittag, an der mittleren Ostseeküste später am Nachmittag nach, während
seine gröfste Stärke im Osten in der Nacht erfolgte. Um 2 Uhr Nachmittags
herrschte an der ganzen Küste Sturm, dort abnehmend resp. in stärkster Knt-
wickelung, im Osten in Zunahme begriffen; zu dieser Zeit war der Nordwest-
sturm etwa bis Swinemünde vorgedrungen, während weiter ‚Östlich noch stür-
mische Winde aus W bis SW herrschten.
Die hier beigefügten Wetterkärtchen vom 2. und 3. Oktober zeigen die
Wanderung des am Morgen des 2. über Südschweden gelegenen Sturmcentrums
über die mittlere Ostsee und Esthland nach deın Osten Finnlands, von wo das-
3zelbe dem Weifsen Meere zueilt, welches noch bis zum -6. zu seinem Depressions-
gebiet gehörte.
Typisch ist die auf jenen Kärtchen hervortretende elliptische Gestalt des
vorüberziehenden Minimums und die von SW nach NE gerichtete Lage seiner
Achse, verbunden mit dem Auftreten der stärksten Gradienten auf seiner dem
Maximum zugewandten Südwestseite, sowie die Beobachtung, dafs das Minimum
nicht in der Richtung seiner grofsen Achse, sondern mehr östlich, etwa unter
E35° N fortschritt. Ein besonderes Interesse aber knüpft sich für den Meteoro-
jogen an die Wetterkarte von 8" p. m. am 2. Oktober, insofern der Verlauf der
lsobaren dort in allen Hauptzügen zusammenfällt mit einer Wetterkarte, welche
von Herrn Prof. Köppen auf Grund meist theoretischer Annahmen konstruirt
und in der Meteorologischen Zeitschrift V. Band, Jahrgang 1888, Seite 479 ver-
öffentlicht wurde.
. Unter der Annahme einer in höheren Schichten der Atmosphäre bestehen-
den Depression mit kreisförmigen Isobaren, deren Abstände nach einem von der