accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

266 Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Oktober 1896. 
West kommend nach der Mitte Centraleuropas und von hier, nahe senkrecht zu 
den Isobaren, nordostwärts nach der westlichen Ostsee. Jenes Maximum an der 
südlichen Nordseeküste, und zumal in Verbindung mit den dort mehrfach beob- 
achteten niedrigen relativen Feuchtigkeiten der Luft (Hamburg 76%, Cuxhaven 
68 °/o, Helgoland 60 °% — Borkum 99 °/o!), könnte den Gedanken nahe legen, 
für diese Gebietstheile eine Art Föhnwirkung, Krwärmung der Luft durch Ab- 
wärtsbewegung, wie sie jene steilen Gradienten unter Umständen wohl bedingen 
könnten, zur Erklärung anzunehmen. Die Nothwendigkeit einer derartigen An- 
nahme liegt jedoch nicht vor, da einerseits jene für Küstenorte Gro(sbritanniens 
angegebenen Temperaturen Landwinden angehörten und somit die Lufttemperatur 
über der Nordsee wohl eine höhere gewesen sein kann, da andererseits bei 
herrschenden Seewinden die Lufttemperatur über dem Festlande durch Aus- 
ztrahlung und KEinstrahlung mit dem Abstand von der Küste zunehmend beein- 
Aufst werden mufs, und da endlich jene niedrigen relativen Feuchtigkeiten möpg- 
licherweise darauf zurückzuführen sind, daß bei dem herrschenden Sturm die 
Kugeln des feuchten Thermometers durch die erhöhte Luftbewegung in ihrer 
Umgebung eine stärkere Abkühlung erfahren hatten. 
Kehren wir zu unserem Minimum zurück, welches wir, in der Nordsee 
zelegen, um 2" p. m. verliefen; damals glaubten wir vermuthen zu dürfen, dafs 
in der Nordsee bei steigendem Barometer allmähliches Abflauen eintreten werde, 
Statt dessen aber erfolgte hier nach 2 Uhr stärkeres Fallen des Luftdrucks 
zwischen 2 und 4 Uhr Nachmittags, und bis 8 Uhr Abends war der Luftdruck 
in der Nordsee um weitere 2 bis 3 mm gefallen, während nach den Anemometer- 
Registrirungen die Winde in Borkum etwas aufgefrischt waren, in Wilhelmshaven 
and Kiel gleiche Stärke behalten, auf den übrigen Stationen aber meist etwas 
nachgelassen hatten. 
Während das Minimum in der Nacht zum 2. Oktober den Norden Jüt- 
lands überschritt, erfolgte auf den westlichen Stationen ein starker, verhältnifs- 
mäfsig kurzer Barometersturz, an Stärke mit Annäherung an den tiefsten Stand 
zunehmend, .und darauf ein meist ungleichmäfßig stärkeres Steigen, welches erst 
nach mehreren Stunden an Intensität abnahm und von überaus heftigen, orkan- 
artigen Stürmen begleitet war, die durchschnittlich um die Zeit des niedrigsten 
Luftdruckes einsetzten. Wie die Tabelle I im Anhang ausweist, wurden in Keitum 
jas stärkste Fallen des Luftdruckes wie auch der niedrigste Stand mit 741,6 mm 
beobachtet; der niedrigste Druck trat ein in Borkum gegen Mitternacht, in 
Wilhelmshaven gegen 1 bis 2a, in Keitum, Hamburg und Kiel gegen 3a, in 
Wustrow gegen 7a, in Swinemünde gegen 8a, in Neufehrwasser gegen 5 p und 
in Memel erst gegen 7p. Die Registrirungen zeigen, dafs auf jenen Stationen, 
aufser in Borkum, das starke Steigen erst ca eine Stunde nach Erreichung des 
tiefsten Standes eintrat. Ueber die Dauer des stärksten Fallens und Steigens 
und die Größe der Luftdruckänderungen giebt folgende Tabelle einen Ueberblick: 
PE—— 
mm 
Borkum . . .. 9 
Wilhelmshaven . . „6 
Hamburg . . . 5,7 
Keitum., . . . . — 89 
Kiel. . 0.0.00... — 9.2 
Wustrow . . . + —10,0 
Neufahrwasser . . — 9,3 
Memel 2. . 2. — 12,5 
Fallen 
"Z— 
nYro 1b 
X 
1 
) 
X 
9 
160 —06 
200 —05 
239 05 
mm 
+ 20,3 
118,7 
18,7 
93,0 
‚21,1 
+ 20,1 
+ 14,7 
+ 15,6 
Steigen 
n pro IL 
«ammtschwankung 
mim 
u 
23,0 +0,9 26,2 34,9 
22,0 +10 24,83 34,0 
22,9 +08 25,4 34,9 
23,0 +10 31,9 383,8 
23,0 +0,9 830,3 37,0 
210 +09 301 370 
16,9 +09 24,0 36,9 
16,1 + 1.0 13.0 40.0 
Hiernach ergiebt sich bei jenem Steigen eine durchschnittliche stündliche 
Aenderung von 1mm während ca 23 Stunden im Westen und 16 Stunden im 
Osten, doch wurden doppelt so grofse Aenderungen mehrfach und anhaltend 
vegistrirt. 
Errichtet man auf einer gleichmälfsig getheilten Geraden, deren Theil- 
punkte den vollen Stunden entsprechen mögen, Senkrechte und trägt auf diesen 
von jener Linie aus nach beliebigem Mafsstabe die entsprechenden Luftdruck- 
werthe auf, so liefert die Verbindungslinie der so erhaltenen Punkte in be- 
kannter Weise eine graphische Darstellung des Ganges des Luftdruckes.. Diese
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.