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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Oktober 1890. 265 
der ihr von der heutigen Meteorologie allgemein beigemessenen Bedeutung, eine 
kurze Besprechung finden mufs. ; 
Wie der Monatsbericht der Seewarte vom September 1880 (S. 12 u. 13) 
zeigt, lagen die Morgentemperaturen über ganz Europa, mit Ausnahme des Süd- 
ostens, in der letzten Dekade des Monats über ihren Normalwerthen, und ins- 
besondere in der letzten Pentade innerhalb Deutschlands um 2 bis 5°, eine Folge 
der trüben Witterung, welche bei schwachen südwestlichen und westlichen Winden 
auf dem nördlichen und nordöstlichen Abfall des Maximums herrschte. Wenn auch 
wegen des bedeckten Himmels die Mittagstemperaturen nicht die gleiche relative 
Höhe gegen die normalen Werthe erreichten, sondern diesen näher und ver- 
einzelt wohl‘ auch darunter lagen, . so entspricht doch gerade der Charakter der 
Morgentemperaturen den wahren Verhältnissen am meisten und berechtigt somit 
hier zu dem Schlufs, dafs die Temperatur am Ende des Monats über Deutschland 
besonders hoch lag. 
Am Morgen des 1. Oktober finden wir an der deutschen Küste Tempe- 
raturen von 13 bis 15°, während dieselben im Herzen des Kontinents etwa 
14 bis 18° betrugen. Bei den an der deutschen Nordseeküste herrschenden 
Winden wurde Luft von 13 bis 15° dem über der Nordsee lagernden Minimum 
zugeführt, während auf seiner Rückseite von Norden her kältere Luft herbei- 
strömte, wie folgende Tabelle nachweist: 
Temperaturen am 1. Oktober 
P 8 P 
12,2 
14,0 
19,2 
‚8,8 
‚94 
Yarmouth , 
Helder . . . 
Borkum. . . 
Wilhelmshaven 
Heigoland . - 
Sumburghead . 
Stornoway . . 
Aberdeen . . 
Shields . . . 
Yarmouth . 
15,0 
15,4 
14,5 154 
14,0 16.1 
14,6 15,6 
7,2 8,3 6.1 
7,2 8,9 7,2 
8,3 6,7 6,7 
13,9 11,7 7,8 
15,0 17,2 12,2 
2ım 
2, Oktober 
Q 
8,9 
12,0 
12,8 
10,8 
4” 4, 
F1 
Ag 
€1 
44 
8,9 
Da der Luftdruck in kalter Luft schneller abnimmt, als in warmer Luft, 
so ergiebt diese Temperaturvertbeilung als Folge eine Verminderung der hori- 
zontalen Druckgradienten mit Zunahme der Höhe auf der Westseite des Minimums, 
und hieraus dürfte sich zum Theil erklären, warum das Minimum trotz des an 
der Erdoberfläche beobachteten starken Steigens des Luftdrucks in seinem Rücken 
so. lange, wenn man so sagen darf, Stand hielt. Wenn aber die weiteren 
Registrirungen und Beobachtungen darauf hinzuweisen scheinen, dafs die schliefs- 
liche Steigerung der Energie, der Wirbel-, wie der Vorwärtsbewegung, bei diesem 
Minimum sehr schnell erfolgt sein mufs, und wir nach dem Grunde dieser Er- 
scheinung fragen, so vermag uns die Wissenschaft keinen sicheren Aufschluß zu 
geben, da das innere Wesen dieser Wirbelerscheinungen noch nicht genügend 
klar erkannt ist. Nicht physikalisch unmöglich erscheint die Annahme, dafs, 
bei Voraussetzung . einer mehr nördlichen Lage des Ortes niedrigsten Druckes 
in höheren Schichten der Atmosphäre, eine Ueberfluthung der unteren wärmeren 
Schichten in der Höhe durch kältere Luft auf seiner Südseite stattgehabt hat, 
dafs in dieser Weise bedeutende vertikale thermische Gradienten erzeugt wurden, 
welche ihrerseits die vertikale Bewegung im Innern des Minimums - verstärkten 
und somit eine verstärkte Wirbelbewegung einleiteten. A 
Vorstehende Tabelle bietet in den mitgetheilten Temperaturen vom 
Morgen. des .2. Oktober noch ein weiteres Interesse, indem die Temperatur- 
erniedrigungen an der südlichen Nordseeküste angesichts der niedrigen Tempe- 
raturen an der Küste Grofsbritanniens auffallend gering erscheinen, wenn man 
auf dem Wetterkärtchen vom Morgen des 2. Oktober findet, dafs: über Nacht an 
der deutschen Nordseeküste voller Nordweststurm zum Durchbruch gekommen 
ist. Ebenso auffällig weist die Isothermenkarte jenes Morgens ein Gebiet 10° 
übersteigender Temperatur, ein Temperaturmaximum, auf, welches sich vom 
Kanal längs der Küste nach der Helgoländer Bucht erstreckt; von .diesem Ge- 
biet durch niedrigere Temperaturen isolirt, verläuft die Isotherme von 10° von
	        
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