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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Die Stürme an der deutschen Küste‘ zu Anfang Oktober 1890. . 261

Die Registrirungen der Anemometer an den Normal-Beobachtungsstationen
der Seewarte sind aus der umstehenden Tabelle I zu ersehen, doch sei hervorgehoben,
 dafs die angegebenen mittleren stündlichen Geschwindigkeiten des
Windes einerseits keine absolute Vergleichbarkeit von Station zu Station besitzen,
 da dieselben, gleiche Konstruktion und Güte der Instrumente vorausgesetzt,
 in hohem Grade von der Aufstellung der Anemometer abhängen, und
andererseits nicht als absolute Werthe aufzufassen sind, da denselben. die Annahme
 eines konstanten Verhältnisses der Umdrehungszahlen des Schalenkreuzes
zu dem Windweg, der sogenannte Robinson-Faktor, zu Grunde liegt, eine nur
annähernd richtige Annahme, welche bei grösseren Geschwindigkeiten erheblich
zu grosse Werthe ergiebt. Es sei erwähnt, dafs Herr Prof. van Bebber im
IT. Beiheft zu den Monatsberichten der Deutschen Seewarte, Jahrgang 1889,
folgende unteren Grenzwerthe der mittleren stündlichen Geschwindigkeiten bei
stürmischer Witterung ermittelte:
Meter Meter Meter
pro Sekunde pro Sekunde pro Sekunde
Borkum. . ... 21 Hamburg . . . . 15 Swinemünde . . .„ 13
Wilhelmshaven . . 16 Kiel. . 2... . 15 Neufahrwasser . . 10
Keitum . . . . „13 Wustrow . . . . 15 Memel. . ... 13
Beim Vorübergange: jenes Minimums am 30. fanden die gröfsten stündlichen
 Geschwindigkeiten des Windes statt: in Borkum von 9p am 29. bis 3a
am 30. (17 m), in Wüilhelmshaven von 0 bis 3a am 30. (13m), in Keitum: von
11p am 29. bis 5a am 30. (13 m), ferner am 30. in Hamburg von 1la bis 2p
(18 m), in Wustrow von 7a bis 1p (17m), in Swinemünde von 10a bis Op
(12 m), in Memel von 5p bis 11p (19m); in Neufahrwasser fand ein nennenswerthes
 Auffrischen nicht statt. Die Windrichtung war am 29. und 30. vorwiegend
 westlich bis südwestlich und erfuhr eine größere Drehung nur in
Keitum, Neufahrwasser und Memel.
Entsprechend den Aufzeichnungen der Anemometer hatte dies Minimum
auch nach den Beobachtungen der Signalstellen keine erheblichen Stürme im
Gefolge, für die Nordsee leicht stürmische Witterung in der Nacht vom 29./30.,
in der Ostsee stärkere Winde am 30., und zwar in den westlicheren Theilen am
Vormittag bis gegen Mittag, im Osten vorzugsweise am Nachmittag und Abend.
Eine genauere Abgrenzung solcher Zeiträume mit stürmischer Witterung ist hier,
wie überhaupt, nicht durchführbar, wegen der verschiedenen Exposition der
Stationen, von denen zumal Rügen, Greifswalder Oie und Brüsterort stets durch
stürmische Witterung besonders ausgezeichnet sind, theils auch wegen der ungleichen
Häufigkeit der auf den verschiedenen Stationen angestellten Beobachtungen. Jedenfalls
 herrschte am Abend noch im Osten an der Küste Sturm im Gefolge des
abziehenden Minimums, als die Winde in der Nordsee und westlichen Ostsee
bereits unter dem Einfluss des folgenden Minimums vielfach wieder zu Sturmesstärke
 auffrischten.
Am Morgen des 1, Oktober finden wir das vorübergezogene Minimum in
einer Tiefe unter 735 mm im Osten Finnlands und jenes, am Vortage nördlich
von Irland angedeutete Minimum über der Nordsee, wo es seine Lage und Tiefe
am Tage nur wenig ändert. Die Wetterkarte von 2 Uhr Nachmittags dieses
Tages deutet eine östliche Verschiebung desselben an, und es boten sich zu
dieser Zeit wesentlich folgende Anhaltspunkte zur Beurtheilung. seiner weiteren
Entwickelung:
Luftdruckänderungen (mm). en
Valentia Stornoway Shields Utrecht Borkum
8 p 30./9. bis 8a 1./10. +44 —06. —3,8 —2,2 —3,0
8a 1./10, bis 2p 1./10. +51 +72 +23 —02 —0.6
Wind 2p +... NNW4A N5 W4 SSW 2 SW 9
Temperatur 2p (°C). . 13,3 8,9 11,7 15,9 15,4
Helgoland Hamburg Keitum Kiel Skudesnäs
8 p 30./9. bis 8a 1./10, —3,0 —24 —3,7 —31 —5,0
8a 1./10. bis 2p 1./10. —0,4 —03 0,0 —01_ —02
Wind 2p © 7... SW9 - SW6 WSW 6 :SW5 NNE 4
Temperatur 2p (°C. . 15,6 15,8 15,6 14,0 3,0
            
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