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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Wind und Wetter in der Adria, 
Diese Führer können dann aus dem Isobarenbilde das Wetter für die 
nächsten Tage entnehmen oder die von einer gröfseren meteorologischen Station 
herausgegebenen Prognosen benützen. Erfreuen sich doch die Veröffentlichungen 
des Signal Office von Washington (gegenwärtig dem Agrikulturministerium unter- 
stellt) seitens vieler New-York oder andere amerikanische Häfen verlassenden 
Schiffskapitäne großer Beliebtheit und verwerthen dieselben die in den Kund- 
machungen angeführten „probabilities“. 
Man weiß eben in den dortigen maritimen Kreisen, dafs es für den nord- 
atlantischen Ocean Isobarentypen giebt, die oft Tage und Wochen andauern 
and demgemäfß ein gleichmäfsiges und je nach Umständen für die Traversade 
des Oceans günstigeres Wetter mit Recht vermuthen lassen. Dies sollte auch in 
den heimischen Seemannskreisen für die verhältnilsmäfsig kleine Durchfahrt der 
Adria beherzigt werden und es würde dadurch manchem Segelschiffe viel lang- 
wieriges Aufkreuzen erspart und mitunter recht schnelle Fahrten, besonders vom 
Süden nach dem Norden, ermöglicht werden. 
Taifun vom 22. August 1889 nördlich von Formosa. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
Der auf einer Reise von Hongkong nach Yokohama begriffene deutsche 
Dampfer „Hesperia“, Kapt. L. Madsen, befand sich am 21. August 1889 um 
12 Uhr Mittags auf 26° 1‘ N-Br und 121° 38 O-Lg. Es wehte um diese Zeit 
ein mäfßsiger N-Wind bei leicht bewölktem Himmel und fallendem Barometer, 
welches eine Höhe von 751,8 mm hatte. Bis 4* p. m. wurden, während der 
Wind bei gleicher Stärke auf NNE holte, 37 Sm nach rw. N64°0 zurückgelegt. 
Der Himmel begann sich zu beziehen, und es kam eine See aus ONO auf. Auf 
der Wache von 4* bis 8 p.m. betrug die zurückgelegte Distanz 33 Sm und 
von 8: bis 12% p.m. 27 Sm in gleicher Richtung. Seit 8 Uhr nahmen der 
Wind und die See von NE immer mehr zu, es traten schwere Böen auf, begleitet 
von Blitzen im N und NO, Der Schiffsort war um 12° p.m. 26° 44‘ N-Br 
und 123° 15’ O-Lg. Das Barometer war inzwischen bis auf 748,3 mm gesunken. 
Nachdem dann noch mit wenig veränderter Geschwindigkeit die Fahrt bis 1* a. m. 
auf ONO-Kurs fortgesetzt worden war, sah ınan sich durch die immer höher 
werdende See und die Zunahme des NE-Windes zum Sturme veranlalst, erst 
eine halbe Stunde — 1* bis 1%" —. nach mw. N 4 Sm und dann von 1** bis 
2h weitere 4 Sm nach mw. NW zu steuern. 
Um 2 a.m. des 22. August wehte bei einem Luftdruek von 745,7 mm 
noch ein stürmischer NE-Wind mit harten Böen. Man entschlofs sich jetzt, un- 
gefähr recht vor dem Winde nach mw. SW zu steuern, wobei der Wind auf 
N zurückholte, weshalb der Dampfer um 3" a. m. bei langsam arbeitender 
Maschine mit dem Kopf nach O gelegt wurde. Die noch immer zunehmende 
Stärke des Sturmes und das stetige Fallen des Barometers gab indessen dem 
Kapitän die Ueberzeugung, dafs das Centrum des Taifuns immer näher rücke, 
and liefs er deshalb von 4* a.m. an wieder vor dem Winde unter voll Dampf 
nach SW steuern, um auf diese Weise von demselben frei zu bleiben. Nach 
Verlauf von 2 Stunden, also um 6" a. m., als der Orkan mit der Stärke 12 aus 
NW wehte und der Luftdruck bis auf 738,6 mm gesunken war, wurde der Dampfer 
abermals bei langsam gehender Maschine mit dem Bug nach NO beigedreht. 
Das Schiff lag verhältnilsmäfsig gut, denn es hatte die höchste See recht von 
vorne, obwohl der Wind recht dwars, oder noch achterlicher, von Backbord 
wehte. Dabei regnete es ganz fürchterlich. Der Orkan wehte mit seiner gröfsten 
Stärke von 7!/2* bis 9® a.m, den 22. August aus der Richtung SSW, wobei das 
Barometer um 8" mit 727,7 mm seinen tiefsten Stand erreichte. Von 9'%* a. m. 
konnte man eine geringe Abnahme der Windstärke beobachten, doch blieb die 
See noch recht wild und unregelmäfsig. Der Regen kam noch in gleicher Masse
	        
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