Wind und Wetter in der Adria,
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Depressionen sind dann Gewitter erzeugend, während flache Minima blofs Regen
im Gefolge hatten. Der Regen wird jedoch auch von den anderen Minimabahnen
verursacht, indem dieselben zumeist mit Scirocco beginnen, welch letzterer dann
nach ein- bis zweitägiger Dauer seinen Feuchtigkeitsgehalt abzusetzen beginnt.
Die sogenannten Landregen entwickeln sich gewöhnlich in der Adria bei
gleichen Luftdrucksverhältnissen über einem gröfßseren Theile von Kuropa,
kommen blofs im Sommer vor und bringen oft grofse Niederschlagsmengen, ohne
dafs das Barometer hierbei beeinflufst wäre. Vor und nach dieser Gattung
Regen zeigen sich zumeist Windstillen. "Triest zählte nach der gleichen Zeit-
periode 105 Regentage im Jahre, davon 7 Tage mit Schneefall. In offener See,
wo die Stürme in doppelt so grofser Zahl als in den Häfen der Festlandsküste
vorkommen, ist die Niederschlagsmenge eigenthümlicherweise umgekehrt blofs
halb so grofs.!) .
Gewitter treten mit äufserst seltenen Ausnahmen blofs in den warmen
Monaten auf?)
Schnee hat die Adri@ (nur äufserst selten unterhalb Lesina) nur in Be-
gleitung von anticyklonalen Winden, infolge weniger Nebendepressionen, und ist
zumeist auf die Temperaturabnahme durch die nördlichen und östlichen Luft-
strömungen zurückzuführen.
6. Wetteranzeichen.
Die gewöhnlichen, mit Recht geschätzten Wetteranzeichen, wie sie bis
jetzt von den Seefahrern gesammelt wurden und welche im Vereine mit der
aufmerksamen Beobachtung des Barometers, Thermometers und Psychrometers
und hauptsächlich verbunden mit genauer Betrachtung des Himmels besonders in
der Adria ziemlich verläßliche Resultate gaben, sind nachfolgende:
1. Während Boraböen ohne sehr genauen Verfolg des Barometers mitunter
überraschen und oft nur an den weißen Wellenkämmen erkannt werden, ist in
häufigen Fällen ein starker Südost- oder Südwestwind schon an dem vorangehenden
Seegange erkenntlich.
2. Grofse Durchsichtigkeit der Luft deutet auf starken Regen, desgleichen
kann man bei Südostwinden beim Aufhören der täglichen Thermometerschwankungen
noch im Laufe des Tages Regen gewärtigen.
3. Die aufmerksame Betrachtung der Cirruswolken ergab, dafs ein sehr
langsames Wandern derselben eine Aenderung des schönen Wetters und zwar
zumeist ein Eintreten von Südostwind im Gefolge hatte. Je langsamer das
Vorbeiziehen derselben stattfand, desto langandauernder war die folgende
Aenderung.
4. Leichte Wolkenbildungen deuten auf schönes, ausgezackte Wolken
und Lagerung derselben auf höher gelegenen Berggipfeln auf Böenwetter
(speciell Bora).
5. Ein lichtgrauer Himmel mit beim Aufgange sichtbarer Sonne läfst mit
Recht schönes — eine beim Aufgange mit dichten Wolken verschleierte und
erst später sichtbar werdende Sonne schlechtes — Wetter vermuthen.
6. Ein kupferrother Sonnenaufgang oder -Untergang läfst auf Wind —
ein fahlgelber Sonnenuntergang auf Regen und ein schönes rosiges Abendroth
auf schönes Wetter schliefsen. Ü
7. Endlich deuten Höfe um Sonne und Mond in den meisten Fällen auf
schlechtes Wetter, während Thau, Reif und leichter — sogenannter Bodennebel —
auf gute Witterung rechnen lassen.
Aus dem Gesagten erhellt der Wunsch, die Führer der die österreichisch-
ungarischen Häfen verlassenden und jene der die Adria@ anlaufenden Schiffe zu
vestimmen — vor dem Verlassen des Meeres oder vor dem Einlaufen in das-
selbe — in einem Hafen die synoptische Karte besehen zu wollen.
1) Diese Folgerung ergab sich aus dem Vergleich der diesbezüglichen meteorologischen
Daten von Lissa und des im Süden von Jstrien frei in See befindlichen Leuchtthurms von Porer mit
jenen der anderen Beobachtungsstationen,
2) Triest hat nach 20 jährigem Mittel 21 Tage mit Gewitter im Jahre, hiervon entfallen
5/7 auf die Monate April bis Oktober.