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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Wind und Wetter in der Adria, 
b) Maximalwinde anderer Richtung. 
Im Sommer macht sich ein ausgesprochenes Maximalgebiet über Central- 
europa zumeist durch frische Nordwestwinde bemerkbar. Zuweilen erscheinen 
dieselben in der heiteren Jahreszeit und besonders in den Nachmittagsstunden 
als frische kalte Böen, welche aber nicht lange andauern. Mitunter machen sie 
sich auch als Böen aus Nord geltend. Wie bereits im Kapitel „Scirocco“ er- 
wähnt, kann auch letzterer Wind als Maximalwind vorkommen, hat jedoch dann 
einen ganz anderen Charakter, wie der gewöhnliche cyklonale Südost, 
4. Land- und Seewinde. 
Vom April bis Oktober treten in der Adria Stürme nur selten auf und 
sind dann zumeist einem Minimum entspringend. Demzufolge herrscht die west- 
liche Richtung bei denselben vor. 
Beim normalen Sommerwetter zeigt der Barometer nur geringe Ab- 
weichungen vom Normalstand, und es treten dann im ganzen Gebiete der Adria 
regelmäfsige Land- und Seebriesen ein, bei welchen die täglichen Oscillationen 
der Temperatur und des Luftdrucks gleichmäfsig zum Ausdruck gelangen. Diese 
Winde freten in manchen Wintern beinahe gar nicht auf und machen sich 
gewöhnlich erst nach Beendigung der Frühjahrsregen geltend. An der Ostküste 
springt die Nordost-Landbriese bis längstens 9 bis 10 Uhr Abends auf und dauert 
bis 6 bis 7 Uhr Morgens, worauf ein bis zwei Stunden später die Nordwest- 
Seebriese einsetzt und bis Sonnenuntergang andauert. An der Westküste weht 
die Landbriese als Südwest in der früher erwähnten Zeit und weht durchschnittlich 
bis auf 20 bis 25 Sm von der Küste. Tagsüber herrscht dort der Südost als 
Seebriese, wird beiläufig um 4 Uhr Nachmittags am stärksten und hält erst mit 
sinkender Nacht ein. 
Die Landbriesen der Ostküste erstrecken sich weiter (oft 30 bis 40 Meilen) 
in See, und in der Mitte der Adria bleibt derart eine Region von Windstillen, 
die beiläufig 10 Sm Breite hat und die Windscheide bildet. 
In unmittelbarer Nähe des Landes sind die Landbriesen zumeist schwach 
und werden weiter seewärts frischer. Mitunter hat auch die italienische Küste 
den Nordwest als Tagwind, allein diese Fälle sind selten und stehen zumeist 
mit einer durch Nebendepressionen hervorgerufenen Wetteränderung in Ver- 
bindung. 
An der albanesischen Küste findet man mitunter aus West wehende See- 
briesen und an dem südlichen Theile der italienischen Küste gehen dieselben 
Winde häufig in Ost über. 
Im Sommer werden die gröfsten Temperaturabnahmen durch frisch ein- 
setzenden Nordwest erzeugt und die höchste Wärme bei Ausbleiben desselben 
verbunden mit dem Einsetzen leichter Ostbriese beobachtet. 
. Sowohl im Sommer als auch im Winter wird als schönstes Wetter jenes 
angenommen, wo das Maximum des europäischen Luftdruckes der Adıta nahe 
ist und die Gradienten sehr wenig steil sind. Die nördliche Adria hat dann im 
Winter trockenes kaltes Wetter mit nur leichten Borabriesen und im Sommer 
einen mäfsigen, sehr erfrischenden Nordwest als Tagxwind zu verzeichnen. 
5. Nebel, Regen, Schnee, Gewitter. 
Der Nebel tritt in der Nordadria mitunter dann auf, wenn das Maximal- 
gebiet des europäischen Luftdrucks sich diesem Meeresbecken nähert oder über 
demselben lagert. Am häufigsten (in %s der Fälle) werden dieselben im oberen 
istrianischen Golfe*) in den kalten Wintermonaten beobachtet und scheinen zumeist 
von der venetianischen Ebene vorzurücken. Sonst wird dieses Schiffahrtshindernifs 
in offener See äußerst selten vorgefunden. 
Regen und Gewitter folgen gewöhnlich im Sommer den Bahnen der 
Depressionen, die, von Italien kommend, die Adria durchqueren. Stark vertiefte 
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Maggiore bei Fiume, für den Quarnero der Monte Usseru auf Lussin und vor Allem der hohe, auch 
in Mitteldalmatien sichtbare Velebie, an der Grenze zwischen Kroatien und Dalmatien gelegen. Für 
Süddalmatien geben der Biokovo bei Makarsca, der Sniegnica bei Ragusa und einige Gipfel der 
Bocche di Cattaro gleiche, nicht zu übersehende Anhaltspunkte. 
1) T7riest hat nach 20 jährigem Durchschnittsmittel 25 Nebeltage im Jahre, Pola beiläufig 
(in 5 Jahren) blofs 20 jährlich, wenn von den leichten Bodennebeln abgesehen wird.
	        
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