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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Wind und Wetter in der Adria, 
Dem Zuge dieses Windes über weite Seestrecken zufolge besitzt die von 
demselben mitgeführte Luft einen hohen Sättigungsgrad an Feuchtigkeit, und da 
der Wind südlicheren Gebieten entstammt, bringt derselbe auch höhere Tempe- 
raturen nach dem Norden. Das Barometer, im Vereine mit dem Wärme- und 
Feuchtigkeitsmesser, giebt daher beinahe eben so rasch als die synoptische 
Karte untrügliche Kennzeichen seines Kommens, jedenfalls früher, als der Wind 
noch mit einiger Stärke eingesetzt hat. Bei seinem Beginne zeigt sich am Süd- 
horizonte eine mistige Atmosphäre, ein nebeliger Dunst; dann folgt beim Auf- 
frischen des Windes ein niedriges, oft recht dunkeles, stets dichter werdendes 
Gewölk, welches sich an den Kuppen der Berge staut und das höher liegende 
Land vollständig den Blicken entzieht. 
Sowohl im Winter als auch im Sommer ist der Südost meist von starken 
Regen begleitet. In der kalten Jahreszeit mildern diese Niederschläge für 
kürzere oder längere Zeiträume die Kraft des Windes, ohne dafs derselbe hier- 
bei in gröfserem Maße seine Richtung ändert; im Sommer dagegen zeigt ein 
starker Regen zumeist den Abschluß des Scirocco an. In jenen Wintern (in den 
sogenannten Sciroccojahren), wo eine Hauptdepression nach der anderen Europa 
durchwandert, wurden schon Südostwinde von dreiwöchentlicher Dauer ver- 
zeichnet. Die Windstärke ist dann sehr verschieden, periodenweise vom Sturme 
zu ganz leichten Briesen übergehend, und entwickelt sich dann eine lange, hohle, 
tiefgehende See, Der Himmel bleibt dann zumeist bedeckt, giebt dem’ Meere 
ein bleiartiges Aussehen, die Luft ist andauernd sehr feucht, und der Wind 
spielt zeitweise nach Süd und Südwest. Die Feuchtigkeit, verbunden mit dem 
niederen Barometerstande bei cyklonalem Scirocco, ruft bei schwachnervigen 
Personen eine fühlbare Abspannung hervor. 
Dem geringen Luftdrucke und der Stauung entsprechend ist das Niveau 
des Meeres sehr hoch und verursacht mitunter in den nördlichen Häfen der Adria 
ziemlich bedeutende Ueberschwemmungen. 
Bei den Hauptdepressionen greift der Scirocco langsam von Norden nach 
Süden und erreicht, wie aus dem Studium der Stürme eruirt wurde, innerhalb 
24 Stunden von Triest aus die Längenmitte der Adrie. Aehnliche Verhältnisse 
werden durch die nördlichen Nebendepressionen, jedoch während bedeutend ab- 
gekürzter Zeiträume, geschaffen. Auch mul betreffs letzterer Minima bemerkt 
werden, dafs selbe die Sturmgeschwindigkeit des Südostwindes erst in einem 
bedeutenden Abstande vom Centrum hervorrufen. 
Ausnahmsweise, am häufigsten noch im Frühjahre, entspringt der Scirocco 
einem im Süden der Adria passirenden Maximum. Die Luft ist dann kühl und 
trocken; der Wind beginnt gewöhnlich Vormittags und lullt Abends wieder ein. 
Das Barometer behauptet dann infolge des nahen Luftdruckmaximums 
einen hohen Stand. 
b) Süd, Südwest, West, Nordwest und Nordost. 
Der Südwind erlangt Sturmesstärke zumeist in der Südadria und im 
Quarnero. Im letzteren Falle ist dies gewöhnlich ein durch die istrische Halb- 
insel in die Südrichtung abgelenkter Scirocco. 
Südwest und Westsüdwest erstrecken sich über das ganze Gebiet der 
Adria, folgen gewöhnlich und mitunter sturm- und böenartig dem Südost, den 
sie in den meisten Fällen zum Abschlusse bringen. Diese Winde dauern nie 
lange, treten auch für sich allein, und dies zumeist im Sommer, als Stürme auf. 
Oft werden dieselben durch eine hellere Färbung der Wolken in Südwest 
angedeutet. Die Temperatur fällt und das Barometer steigt, nachdem dieser 
Wind eingesetzt hat. Häufig folgen auf denselben kürzer oder länger währende 
Windstillen, 
Die cyklonalen West- und Nordweststürme zeigen sich für gewöhnlich im 
Winter als Winde der Rückseite einer Nebendepression. Das Gebiet ihres Auf- 
tretens umfafst durchschnittlich blofs die mittlere und die westliche Adria. 
Im nördlichen Theile des Meeresbeckens verursachen Nebendepressionen 
im Winter einen mitunter plötzlichen Umsprung des Südost- und Südwindes 
in Bora. Letztere währt jedoch dann gleich den früher erwähnten West- und 
Nordwestwinden eyklonaler Gattung nur kurze Zeit,
	        
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