Wind und Wetter in der Adria.
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Um den weitgehenden Einflufs der Nebendepressionen zu ermessen, ist
ins Auge zu fassen:
1. dafs, wenn eine solche sich im Golfe von Genua befindet, in der
ganzen Adria südöstliche Winde herrschen müssen, .
2. bei der Lage des Theilminimums südlich der Strafse von Bonifacio
(zwischen Corsica und Sardinien) in der nördlichen Adria nordöstliche, in der
südlichen südöstliche Winde zu gewärtigen sind, endlich
3. bei Bahn derselben südlich von Otranto in. der ganzen Adria nordöst-
liche und östliche Winde eintreten müssen.
Von den zahlreichen Bahnen dieser Depressionen durchqueren häufig drei
die Adria: E FÜ
a) Von Pesaro gegen Pola nach Nordost,
b) nordöstlich über Zara und
o) östlich über Otranto gehend.
Aus dem Vorgesagten ergiebt sich der Umstand, dafs man in der Gegend
von Lissa und im Quarnero im Winter öfters plötzlich den Wind mit voller
Heftigkeit von Südost in Nordost umspringen sieht. Es ist dies eben ein Zeichen,
dafs man aus dem Bereiche eines Luftdruckcentrums in denjenigen eines anderen
gelangt ist.
In der Mitte des Meeresbeckens sind die Stürme beinahe doppelt so häufig
als an den Küsten des Festlandes; aus dem nachfolgenden Verzeichnisse ersieht
man dieses aus der grofsen Zahl der Stürme in Lissa, welche übrigens auch in
Porer, dem Leuchtthurme an der Südspitze Istriens, in gleicher Menge konstatirt
wurde,
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Diese Vertheilung der. Stürme basirt auf den Aufzeichnungen‘ in den
Jahren 1886 und 1887. Falst man nach achtjährigem Mittel die Dauer der
Winde, sowie die nach dem Anemometer registrirte Kilometeranzahl für Pola
zusammen, so ergiebt sich für .
Pola die Dauer der Bora und der Nordwinde mit 140,
> des Scirocco mit . . . . . . 110, ;
und die der westlichen Winde mit 55 Tagen im Jahre,
Die Windmenge nach zurückgelegter Kilometeranzahl betrug:
bei Bora und Nordwinden bei Scirocco bei westlichen Winden
für Pol@a . . . 50 °%o 32 °% 18 °%
für Lesina. . . 47% 29 9% 23 9%
der Gesammtzahl.
2. Cyklonalwinde.
a) Scirocco (SE).
Während im westlichen Mittelmeer, der Lage des Hauptdepressionsgebietes
Europas und dem Buys Ballot’schen Gesetze entsprechend, westliche und südliche
Winde vorherrschen, weht in der Adria, durch die Richtung der dieses Meer
umsäumenden hohen Gebirgszüge bedingt, Südostwind. Derselbe folgt zumeist
der Lagerung der dinarischen Alpen und tritt daher im südlichsten Theile des
Meeres mehr als Südsüdost auf.
Ann, d, Hydr., etc., 1891, Heft VI,