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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Wind und Wetter in der Adria, 
Die anticyklonalen Winde umfassen im Winter und zur Zeit der Aequi- 
noktien die unter dem Gesammtnamen Bora bezeichneten kalten Fallwinde aus 
NNE bis Ost (zumeist ENE), und kommen selbe im Sommer gewöhnlich als 
Nordwest zur Geltung. In letzterer Richtung verstärkt er die normale Seebriese 
und erreicht dann mitunter Sturmesstärke, !) 
Nachfolgende Tabelle giebt betreffs der Richtung der Stürme in den 
bedeutendsten Stationen Oesterreich-Ungarns Aufschlufs. 
Vertheilung der einzelnen Stürme der Richtung nach 
in 0/0 der Gesammtzahl 
Or 
Triest ......... 
Fiume. ........ 
Pola. .........4 
Lussin. .... +... 
eSiNd&. . 0. 0000. 
DE 
Ragusa ........ 
Pta. d’Ostra ..... 
Bora | Südöstliche Winde 
(NNEbisinkl.Ost) | (ESE bis SSW 
J 
"6 
65 
54 
24 
28 
44 
al 
69 
50 
1+ 
43 
13 
| Westliche Stürme 
2 
2 
17 
7 
Q 
Als Sturmstärke gilt hierbei Nummer” 6 der Beaufort-Skala. 
Um betreffs des Verhaltens des Barometers und "Thermometers bei den 
verschiedenen Stürmen Anhaltspunkte zu haben, wird mitgetheilt, dals bei 
cyklonalen Stürmen in Pola (Südost bis Südwest und West) der Gradient mit 1,5 
ermittelt wurde, während derselbe bei Borastürmen in Triest durchschnittlich 
5,4 und in Pola 3,1 betrug. 
Bei Nebendepressionen in der Nordadria beträgt der Gradient blofs 1,3. 
Bei Südoststürmen steht das Barometer zumeist unter dem Normalstande 
(in Pola am Meeresniveau 760,9 mm); die tiefsten Notirungen wurden bei ein- 
tretendem Südwestwinde beobachtet. Bei Borastürmen wurden in Pola Barometer- 
stände zwischen 747 und 770 mm abgelesen und waren die tiefen Notirungen zu- 
meist bei schweren Stürmen bei Mitwirkung von Nebendepressionen zu ver- 
zeichnen. Bei allen länger dauernden Stürmen, sowohl bei Bora wie bei Scirocco, 
verschwinden beim KEintritte der Sturmesstärke die täglichen Temperatur- 
schwankungen und erscheinen selbe erst wieder beim Beginne normalen Wetters. 
Der Temperaturunterschied zwischen Bora- und Seirocco-Tagen im Winter beträgt 
im mittleren Theile der Adria (Lesina) 6,5° Celsius. 
Um die Häufigkeit der Stürme und deren Entstehungsursache für Pola zu 
kennzeichnen, wurde nachstehendes Verzeichnifs verfalst.?) 
N wu 
Zahl der Fälle, bei welchen die Entstehungsursache in: 
Richtung des Sturmes 
Bora (NNE—E) ...-.. 
Südöstliche Stürme (SE 
bis SSW). 0.0.0004 
Weststürme. ..,...- 
Sturm- 
tage 
23 
Maximum 
allein 
15 
Maximum 
und 
Neben- 
depressian 
Minimum 
allein 
E 
Minimum 
und 
Neben- 
depression 
8 
9 
1) Nur in äufserst seltenen Fällen entspringt in der Adria ein kalter trockener Südost einem 
im Süden Italiens passirenden Maximum. Desgleichen geht nur ausnahmsweise die Bora aus Neben- 
depressionen, als Wind der Rückseite des Minimums, hervor und ist dann mitunter verhältnifsmäfsig 
warm. Letzteres gilt hauptsächlich in der Südadria. 
2) Diese Angaben sind nach dem Sturmverzeichnisse vom August 1885 bis September 1890 
zusammengestellt, Als Sturmtag wurde derjenige angenommen, an dem der Wind ein oder mehrere 
Male Sturmesstärke (6) erreichte.
	        
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