Wind und Wetter in der Adria,
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Wind und Wetter in der Adria.
Von dem k., u. k. österreichischen Linienschiffslieutenant Rudolf Ritter von Jedina,
Das gegenwärtig im Gebrauche stehende Segelhandbuch der Adria ent-
stammt dem Jahre 1822 (die zweite und letzte Ausgabe datirt aus dem Jahre 1845),
und überdies ist dasselbe nur in italienischer Sprache erschienen,
Da die Wind- und Wetterverhältnisse in diesem Buche noch nicht vom
Gesichtspunkte moderner meteorologischer Auffassung dargestellt sind, so dürfte
nachfolgende Abhandlung, die die atmosphärischen Einflüsse auf diesem Meere
vom nautisch-meteorologischen Forum im Allgemeinen ins Auge falst, in See-
mannskreisen vielleicht erwünscht sein. Die Zusammenstellung basirt auf dem
Studium sämmtlicher Stürme auf der Adria während der letzten fünf Jahre,
behandelt die Häufigkeit der vorherrschenden Winde und Stürme, kennzeichnet
die Art der Entstehung derselben in diesem oder jenem Meerestheile und schildert
die jeder Witterungsart zufallenden Merkmale.
Während der erste Theil der gestellten Aufgabe die Untersuchung und
Bearbeitung des meteorologischen Materials war, ist die Ergänzung nach eigenen
Erfahrungen, hervorgegangen aus langem Aufenthalte und häufiger Navigation in
diesem Meeresbecken, verbunden mit richtig Befundenem aus älteren Aufzeich-
nungen, zusammengestellt. Den Schlufs der Abhandlung bilden Anhaltspunkte
zur Vorherbestimmung des Wetters für Schiffer in der Adria,
1. Windarten.
Das Adriatische Meer steht gleich den anderen Gebieten Europas unter
dem Einflusse der vom Atlantischen Ocean gegen Osten vordringenden Luftwirbel
niederen oder hohen Druckes und werden sowohl die Wind- als auch die
Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse in erster Linie hierdurch bestimmt.
Von tiefeingreifender Wirkung sind in zahlreichen Fällen Nebendepressionen,
welche sich zumeist an der Westküste Italiens selbstständig zu entwickeln scheinen
und dann entweder nach Südost — Italien entlang — oder nach Ost und Nordost
— die Adria durchquerend — zu bewegen pflegen.
Infolge dieser Cyklonen und Anticyklonen hat daher die Adria, aufser den
bei normalen Luftdruckverhältnissen täglich auftretenden Land- und Seebriesen,
cyklonale und anticyklonale Winde, von welchen erstere in dem südlichen und
letztere in dem nördlichen Theile des Adriatischen Meeres überwiegen. ')
Zu den cyklonalen Winden, die Sturmesstärke erreichen, gehört vor
Allem der Südost (scirocco). An Häufigkeit reiht sich an denselben der Südwest,
während aus Nebendepressionen hervorgegangene West-, Nordwest- und Nordost-
winde von gröfserer Heftigkeit nur äufserst selten, speciell in der Nordadria,
auftreten.
Durch Minima hervorgerufene Stürme umfassen daher den zweiten, dritten
und nur in geringem Grade den vierten Quadranten, drehen in der angegebenen
Reihenfolge und beginnen zumeist mit Südostwind.
Wie aus dem Studium der Stürme in der Adria ersehen werden kann, hat
Triest 100 0/9 antieyklonale und 00/9 eyklonale Stürme,
Fiume 73 0/0 27 0/0
Pola. . 65 0/9 350% 0
Lussin . . 60 0/9 410 0%
Lesina , . 110% 4 89 0/0
Lissa. . . . 0. 27 0/0 73 0/0 »
Ragusa . . . . 45 0/0 » 5500 #
Pta. d’Ostro . . . . 130% ” „ 87% -
In Corfw herrschen die cyklonalen Stürme noch mehr vor.
Es ergiebt sich somit in der Adria, von Nordwesten nach Südosten gehend, eine Ver-
minderung der von Anticyklonen hervorgerufenen und eine Vermehrung der durch Cyklonen ver-
ursaschten Stürme.