Die Verwerthung von Sternbedeckungen für die Chronometerkantrole auf See, 245
Rande zuläfst und dabei die Unsicherheit in der Breite und im Stundenwinkel
des Sternes berücksichtigt, so wird man nicht sehr fehl gehen, wenn man den
wahrscheinlichen Fehler in der Zeit des ersten Meridians auf etwa -+ 8° schätzt.
Es dürfte hierbei nicht uninteressant sein, die Frage aufzuwerfen, in
welchem Verhältnifs die Genauigkeit dieser Methode zu derjenigen der Mond-
distanzen steht, und zwar wollen wir, da die rationellste. Ausnutzung der Mond-
distanzen in der Kombination von ab- und zunehmenden Distanzen zwischen
Sonne und Mond besteht, diese hier zu Grunde legen. Wir haben in einem
früheren Aufsatze „Ueber die Genauigkeit nautisch astronomischer
Beobachtungen auf See“ in diesen Annalen (1889: Heft IV) aus einer größeren
Beobachtungsreihe den wahrscheinlichen Fehler in der Distanz für eine solche
Kombination zu -+ 9“ entsprechend einem wahrscheinlichen Fehler in der Green-
wicher Zeit von etwa -+ 17° gefunden. Hieraus folgt, dal, wenn man ‚das
Gewicht einer solchen Kombination gleich 1 setzt, das Gewicht einer Stern-
bedeckung 5,7° wird, oder mit anderen Worten: „Um die Zeit des ersten
Meridians mit derselben Genauigkeit zu bekommen, welche die
Beobachtung einer Sternbedeckung dem Seemann verspricht, ist für
einen geübten Beobachter eine Reihe von eıwa je sechs ab- und zu-
nehmenden Distanzen zwischen Sonne und Mond erforderlich, deren
jede auf sechs Einzelmessungen beruht.“
Um nun zu der zweiten Frage überzugehen, wie oft sich dem Seemanne
die Gelegenheit zur Anwendung dieser Methode darbieten wird, so ist von vorn
herein klar, dafs von den etwa 100 bis 150 vorausberechneten Sternbedeckungen
des nautischen Jahrbuches viele wegen der beschränkten optischen Hülfsmittel
und der störenden Bewegungen des Schiffes in Wegfall kommen, Aber auch bei
den übrig bleibenden reducirt sich die Anzahl der wirklich für die Chronometer-
kontrole in Frage kommenden noch ganz bedeutend dadurch, dafs der Schifisort
aufserhalb der Zone der Sichtbarkeit liegen kann, dafs ferner zur Zeit der Be-
deckung der Mond unter oder bei schwachen Sternen zu nahe über dem Horizonte
steht und dafs endlich die Beobachtung im Allgemeinen nur während der Nacht-
zeit und zudem bei klarem Himmel möglich ist.
Ich bin nun von der Annahme ausgegangen, dafs etwa am ersten Tage
jeden Monats ‚während der Jahre 1886 bis 1890 ein Schiff vom Kanal eine Reise
nach der Westküste Südamerikas und zurück bis zum Kanal antritt, und habe
dann untersucht, auf wie viele Beobachtungen von den im nautischen Jahrbuche
vorausberechneten Sternbedeckungen man für jede einzelne dieser Reisen während
des Aufenthaltes auf See rechnen darf. Den einzelnen Reisen wurde eine Dauer
von 81% Monaten zu Grunde gelegt, vom Kanal bis zurück zum Kanal, und die
Dauer der Fahrt von 10° zu 10° Breite den Publikationen und Aufzeichnungen
der Seewarte entnommen, Dann ist für die einzelnen Gröfsenklassen eine untere
und eine obere Grenze in: Bezug auf die Mondphasen festgesetzt worden und
zwar eine untere, um den störenden Einflufs des Sonnenlichtes, und eine obere,
um die blendende Helligkeit des Mondlichtes zu berücksichtigen. Allerdings
wäre es etwas zweckmälsiger gewesen, um dem ersteren Mangel zu begegnen, die-
Tiefe der Sonne unter dem Horizonte zu berechnen; doch ist hier das obige
Verfahren vorgezogen worden, weil es viel kürzer und doch genau genug ist.
Setzt man die Helligkeit des Vollmondes gleich 1, so liegen die Phasen des
Mondes bei den auf obigen Reisen in Betracht kommenden Sternbedeckungen
für die helleren Planeten sowie .die Fixsterne der ersten und der ersten bis
zweiten Gröfsenklasse zwischen 0,31 und 0,96, für y virginis‘ zwischen 0,36
und 0,94, für Sterne der dritten Gröfsenklasse zwischen den Grenzen 0,44 und
0,79, der dritten bis vierten Gröfsenklasse zwischen 0,42 und 0,72 und endlich
für Sterne vierter Größe zwischen den Grenzen 0,30 und 0,45. Im Ganzen
bleiben für die obigen Reisen von den im Jahrbuch angegebenen Bedeckungen
von 1886 nur 10 (unter 136), von 1887 nur 12 (unter 136), von 1888 nur 7
(unter 193), von 1889 nur 12 (unter 143) und von 1890 nur 11 (von 96) übrig.
Wie oft nun diese Bedeckungen unter der Voraussetzung, dafs keine
Beobachtung durch bewölkten Himmel getrübt wird, zur Beobachtung Gelegenheit
bieten, läfst sich aus folgender Tabelle entnehmen.