244 Die Verwerthung von Sternbedeckungen für die Chronometerkontrole auf See.
Mondes zu klein angenommen oder führte der Weg des Sternes durch die südliche
Hälfte der Mondscheibe, so würden die Vorzeichen entgegengesetzt werden. Da
somit der Einflufs des Deklinationsfehlers die Wirkung des Fehlers in der
Rektascension bald vergröfsern, bald verkleinern kann, so ist die Ansicht, der
man in Lehrbüchern der Nautik wohl begegnet, daß die Genauigkeit des
Resultates bei Sternbedeckungen der Gröfse der von dem Sterne beschriebenen
Sehne proportional ist, als irrig zu bezeichnen; höchstens kann man ihr für den
Einflufs des Fehlers in der Deklination des Mondes beistimmen. Diese Be-
trachtungen habe ich nun bei denjenigen Beobachtungen durchgeführt, bei welchen
Jer Eintritt am dunkelen und der Austritt am hellen Rande stattgefunden hat,
wobei indessen zu bemerken ist, dafs die numerischen Beträge nicht durch genaue
Rechnung, sondern mit einer für den vorliegenden Zweck hinlänglich grofsen
Genauigkeit durch Konstruktion gefunden ist. Es entsteht so die folgende
Zusammenstellung. In derselben enthalten die beiden ersten Spalten Zeit und Ort
der Beobachtung; in der dritten und vierten ist die Anzahl Sekunden angegeben,
um wieviel die abgeleitete Greenwicher Zeit sich ändert durch den Fehler in
Rektascension resp. in Deklination und in der fünften die algebraische Summe dieser
Größen als vereinte Wirkung der fehlerhaften Mondposition. Subtrahirt man
Jliese Zahlen von den nach der Bessel’schen Reduktionsmethode sich ergebenden
Fehlern in der mittleren Greenwicher Zeit, welche in der sechsten Spalte wiederholt
:ind, so bleibt endlich in der siebenten Spalte der Einflufs der Beobachtungsfehler
und der Ungenauigkeit der Reduktionsmethode nach. Um endlich noch ersehen zu
können, wie weit der Einfluß der Positionsfehler von der Länge der Sehne ab-
hängt, habe ich noch diese Länge in der letzten Spalte beigefügt. Kin Blick
genügt, um sich von der Richtigkeit der oben hierüber gemachten Bemerkung
zu überzeugen,
Datum
der
Beobachtung
(886 Jan. 16
April 8
1887 Jan. 6
März 2
März 8
1888 Sept. 14
Ort der
Beob-
achtung
Berlin
Friest
Hamburg
äreenwich
Oxford
Strafsburg
Berlin
Washington!
Berlin |
Göttingen |!
Nindsaor
BUS
Einflufs des YFehlers t Fehler | ‚Länge‘
a |
‘ Rekt. ] der | der
Rekt, | Dekl, | u. *Grw. Ze.le_—5 Sehne
| Dek1.
6
Kintritt am dunkeln Rande
—:s
— 2
— 1 4.
— 1 |
+3 { —
As
—_ Ss
68 1-2
— 4 +4
— 10 —2
— 7 +1
a
—. ! €
7)
K
PN
%
|
+4
23
8
öl
5
+2 -
‚—1 '
0 — ©
|
+
— +
3 — +
Einflufs As Fehlers Fehler Länge
. ‚ Rekt. der | der
Rekt. Dekl., u. ’Grw. Zt.16—5' Sehne
DekIT
Austritt am hellen Rande
11T
me
105
Er
DR!
+5
—6
—G
— 8
— 10
27
DR
ß
—.
— De
©
)— 5
— 383 +22
— 6 1— 5
—1B 11
— 15 |—10
— 8 1—5
23
22
26
8
29
Leider stehen dem Seemanne bei der Reduktion einer von ihm beob-
achteten Sternbedeckung die Fehler der Mondtafeln noch nicht zu Gebote,
and wenn man die Genauigkeit ermitteln will, welche man für die Chrono-
meterkontrole auf See erwarten kann, so darf man nicht die Größen der
Spalte 7, sondern der Spalte 6 zu Grunde legen. Es ergiebt sich dann für
die von mir benutzten Beobachtungen in der resultirenden mittleren Green-
wicher Zeit ein wahrscheinlicher Fehler von -+ 5,2° nach der Besselschen
Methode und von -+5,7° nach der Methode von de Baills. Will man die
Frage bei den vier verschiedenen vorliegenden Beobachtungsarten getrennt
beantworten, so ergiebt sich, dafs nach den beiden obigen Reduktionsmethoden
die Eintritte am dunkelen Rande einen wahrscheinlichen Fehler von -+ 4,3° resp.
+ 5,7°, am hellen Rande von + 5,5° resp. + 5,2°, die Austritte am dunkelen Rande
von -+ 5,1° resp. + 4,6° und am hellen Rande von + 62° resp. +- 6,8% ergeben.
Wenn man nun für Beobachtungen an Bord nur die Erscheinungen am dunkelen