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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Port des Galets, Insel Reunion. 
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Im Hafen befindet sich ein Zollamt sowie ein Post- und Telegraphenamt, 
Die während mehrerer Monate im Jahre 1888 angestellten Beobachtungen 
haben ergeben, dafs die Strömungen vor den Molen in Richtung und Ge- 
schwindigkeit veränderlich sind. Die letztere war nie gröfser als 0,7 Sm pro 
Stunde und ihre Richtung ist immer senkrecht zu der Längenaxe des Einfahr- 
kanals, also von N nach S oder umgekehrt.  Erstere war die vorherrschende, 
Unter normalen Verhältnissen darf sich ein grofses Schiff nicht. mit geringerer 
Fahrt als 3 Knoten dem Eingang zwischen den Molen nähern.. 
Die in Port des Galets als Raz de Marge bekannte Bore macht es’ bis- 
weilen unmöglich, ein und auszulaufen, und verursacht überdies beträchtliche 
Aenderungen in den Tiefen des Kanals, welche besondere Ausbaggerungen 
nothwendig machen. Wahrscheinlich wird die Bore durch Stürme verursacht, 
welche vom Mai bis Oktober im Indischen Ocean auf hohen Breiten häufig 
stattfinden. Diese machen sich bekanntlich auf weite Entfernungen hin durch 
eine hohe Dünung bemerkbar. Trifft dieselbe auf eine isolirt liegende Insel, 
wie Reunion, so verursacht sie an. der Küste derselben einen heftigen Seegang, 
welcher in engen Mündungen die Bore erzeugt. Dieselbe tritt ohne vorher 
bemerkbare Anzeichen auf und endet ebenso. Sie kommt in jeder Jahreszeit 
vor, aber ihre Dauer beträgt selten mehr als einen Tag. Vom November bis 
März ist sie sehr selten, aber ziemlich häufig während der anderen Monate. Im 
August, September und Oktober wurde die gröfste Zahl beobachtet, und während 
dieser Monate dauert sie zuweilen zwei, ja selbst drei Tage. 
Ist die Bore schwach, so macht sie sich nur längs der Molen bemerkbar 
und läfst in der Mitte des Einfahrkanals einen genügenden Raum zum Passiren 
der Schiffe. Das Einfahren und namentlich das Hinausgehen ist dann. noch 
ziemlich leicht. Hat sie aber eine beträchtliche Stärke, so nimmt sie die ganze 
Breite des Kanals ein und verursacht in demselben ein Ansteigen des Wassers 
von 2 bis 3m. Es ist dann, wegen der heftigen Wirbelbewegungen, nicht 
möglich, den: Kanal zu befahren. Nach dem Hintergrunde des Vorhafens nimmt 
die Höhe der Welle allmählich ab, verursacht aber dort, indem sie gegen das 
Ufer anprallt, starke unregelmäfsige Wellenbewegungen. Von den Ufern des 
Vorhafens zurückgeworfen, pflanzen sich die Wellen durch den Verbindungskanal 
nach dem Binnenhafen und den Docks fort, wo dann eine an Intensität sehr 
verschiedene Wellenbewegung entsteht, welche für die daselbst liegenden Schiffe 
bisweilen sehr lästig, ja gefährlich wird. Am 25., 26. und 27. Mai 1889 war 
dieselbe so heftig, dafs der Dampfer Pei-Ho von der Messageries maritimes eine 
Kette von 30mm, an welcher er achteraus vertäut war, und den Ring einer 
Festmachetonne brach. Es sind daher bei eintretender Bore noch besondere 
Vorsichtsmalregeln zur Sicherung der im Hafen liegenden Schiffe erforderlich. 
Die Verwerthung von 
Sternbedeckungen für die Chronometer- 
kontrole auf See. 
Von Dr. F. Bolte, Hamburg. 
Während von den beidem Methoden, welche die Kenntnifs von der Be- 
wegung des Mondes dem Seemann zur Bestimmung der Zeit des ersten Meridians 
darbietet, die auf der Beobachtung von Monddistanzen beruhende schon zu einer 
Zeit angewandt wurde, wo die Gesetze der Mondbewegung noch bei Weitem nicht 
so bekannt waren, wie jetzt, und aufserdem die zu jener Zeit vom Seemanne 
gebrauchten Instrumente beträchtliche Fehler verursachen mufsten, sind . die 
Meinungen über die Bedeutung der Sternbedeckungen für die Chronometer- 
kontrole auf See sehr getheilt. Unbestreitbar haben sie gegenüber den Mond- 
distanzen den doppelten Vortheil, dafs sie sowohl an die Geübtheit des Beobachters 
als auch an die Hülfsmittel der Beobachtung viel geringere Anforderungen stellen
	        
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