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Der Salzverschiffungsplatz beim Kap de Gata an der Südküste von Spanien.
Der Salzverschiffungsplatz beim Kap de Gata an der Südküste
von Spanien.
Reiseberichte des Kapitän C. F. Lindenberg, Führer der deutschen
Bark „Frieda Grampp“‘.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Am 7. März 1888 verliefs ich mit nördlichem und östlichem Winde den
Hafen von Almeria, um nach Kap de Gata Salinas zu segeln und dort eine
Ladung Salz für Santos zu laden. Um 3 Uhr Nachmittags desselben Tages
ankerten wir auf der Rhede unseres Bestimmungsplatzes. Der Barometerstand
war zur Zeit 768,8 mm (unved.), der fast bis zur Windstille abgeflaute Wind war
allmählich auf W geholt und der Himmel gänzlich wolkenlos: alles Anzeichen
für einen Bestand des ruhigen Wetters. Trotzdem wurde mir um 6 Uhr die
Order zu Theil, den Anker wieder zu lichten und nach See zu segeln, doch
wurde dieses gegen 7 Uhr widerrufen, weil sich die Witterungsverhältnisse nicht
verschlechterten und nur eine leichte westliche See aufkam. Um 6 Uhr wäre
es uns auch unmöglich gewesen, den Ankerplatz zu verlassen, denn bei der fast
gänzlichen Windstille und dem starken Strome hätten wir das Schiff nicht vom
Strande frei halten können, und wir mufsten mindestens eine frische Briese ab-
warten, bevor wir das Kap de Gata klar segeln konnten. Um 12 Uhr Nachts
tief eine hohe See aus W, bei einer flauen Briese aus derselben Richtung. Der
Lootse beorderte die Leute an Deck zum sofortigen Schlippen der Ankerkette.
Letzteres verhinderte ich indefls, da die Gefahr einer Strandung bei der noch
immer schwachen Briese und der jetzt sehr hohen See sich noch vergrößert
hatte; doch liefs ich das Springtau auf die Kette bringen. Als um 3 Uhr
Morgens plötzlich ein voller Weststurm einsetzte, schlippte ich den Anker mit
45 Faden Kette, segelte auf südlichem Kurse seewärts und war auch so glück-
lich, vom Kap de Gata frei zu bleiben. Nachdem wir darauf drei volle Wochen
gegen westlichen Sturm und hohe See gekämpft hatten, legten wir das Schiff
an die Vertäutonne auf dem Ankerplatze von Kap de Gata, an der zuvor eine
norwegische Bark befestigt gewesen war. Allein schon am Abend dieses Tages
waren wir von Neuem gezwungen, unseren Liegeplatz aufzugeben, und wieder-
holte sich dieses Vorkommnifs zum dritten Mal. Krst als wir zum vierten Male
an die Boje legten, gelang es uns, eine wenn auch nicht ganz vollständige
Ladung an einem Tage zu bekommen. Gern hätte ich noch einige Leichter Salz
genommen, aber die einbrechende Dunkelheit verhinderte ein weiteres Laden und
mahnte zum schnellen Aufbruch. Kaum hatten wir uns einige Kabellängen von
der Boje entfernt, so setzte ein westlicher Sturm, von Gewitter begleitet, ein.
Am folgenden Tage liefen wir in Almeric wieder binnen, um hier das Schiff
auszuklariren.
Es sollte kein Rheder ein Schiff über 200 Tonnen Gröfse von dem Ver-
ladeplatz beim Kap de Gata aus verfrachten, denn derselbe ist völlig ungeschützt
gegen Winde von SSE durch W bis N. Bei den Frachtabschlüssen werden frei-
Kich nur wenige Liegetage zum Laden festgesetzt, aber nur in den allerseltensten
Fällen glückt es einem Schiffe, rasch befördert zu werden. Ein Schiff von über
200 Tonnen Gröfse ist ohnehin nicht in einem Tage fertig zu machen, da ja
auch das Löschen des Ballastes Zeit erfordert. Dazu ist es auch schwer so ein-
zurichten, dafs man schon gegen 6 Uhr Morgens an die Boje legen kann. Bei
eintretender Windstille hat man den Strom zu berücksichtigen, der beständig auf
das Land zusetzt, was um so gefährlicher ist, als der Ankerplatz sich fast un-
mittelbar am Strande befindet. Der Zufall spielt also eine grofse Rolle dabei,
ob ein Schiff rasch hier beladen wird. Dazu hat man allerlei Verluste zu ge-
wärtigen. Wir verloren einen Anker mit 45 Faden Kette, 50 Faden Leine, die
wir zum Schlippen benutzten, und einen Bojereep. Hätte das Schiff seine Ladung
in einem geschützten Hafen einnehmen können, so wären wir ungefähr einen