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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

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Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „J. F. Pust“ 
Einkommende Schiffe, welche die Lootsenflagge zeigen, erhalten recht- 
zeitig einen Lootsen, der sie nach dem Ankerplatze bringt. Für diese Dienst- 
leistung beträgt das Lootsengeld nach einer festen Taxe 6 Cents pro Registertonne. 
Die in Monte Christi Blauholz ladenden Schiffe liegen im Westen der 
Stadt, nahe der Mündung des Flusses Santiago, oder, wie er hier genannt wird, 
Salt-River, aus dem die meiste zu verschiffende Ladung herauskommt. Schiffe, 
deren Führer mit den hiesigen Verhältnissen nicht bekannt sind, segeln gewöhn- 
lich direkt bis zu diesem Ladeplatz, um dort zu ankern. Obgleich die Schiffe 
hier wenig weiter von der Mole entfernt liegen, als auf dem erstgenannten 
Ankerplatze, kommt der Besuch der Quarantänebehörde hier nicht an Bord. Die 
Schiffe sind daher gezwungen, ihren Anker wieder zu lichten und zum Ein- 
klariren nach dem etwas weiter aufwärts belegenen inneren Ankerplatz zu ver- 
segeln, wobei die meisten Schiffsführer eines Lootsen bedürfen. Der Hauptgrund 
dieser Verordnung scheint auch nur der zu sein, dem Lootsen einen Verdienst 
zuzuwenden. Das Fahrwasser ist wohl auch deshalb nicht durch Bojen oder 
andere Seezeichen bezeichnet. 
Die deutschen Schiffe haben hier infolge einer seitens der Republik 
St. Domingo in Deutschland aufgenommenen Anleihe insofern einen Vorzug vor 
den Schiffen anderer Nationen, als ihr deutscher Mefsbrief jetzt anerkannt wird. 
Die skandinavischen Kollegen hatten sich in Betreff der Schiffsvermessung noch 
in der herkömmlichen Weise mit den hiesigen Behörden abzufinden. Die Messung 
seitens der Zoll- und Hafenbehörden geschieht nur der Form nach, und das 
zchnell gefundene Resultat ist meistens 100 bis 150 Tonnen gröfser, als der 
wirkliche Raumgehalt des Schiffes. Es wird dem Kapitän dann erklärlich ge- 
macht, dafs die Hälfte des hierdurch hervorgerufenen Mehrtonnengeldes den 
Beamten als eine Gratifikation zu zahlen ist, worauf die wirkliche, dem Original- 
Mefsbriefe des Schiffes entnommene Gröfse in dem auszufertigenden Dokumente 
verzeichnet wird. 
Die dem Kapitän bei der Einklarirung eingehändigte Hafenverordnung 
besagt unter Anderem, dafs das Schiff seinen Ankerplatz nicht ohne eine vorher- 
gegangene Anmeldung beim Hafenmeister verlassen darf. Derselbe bezeichnet 
auch den Platz, wo der Ballast über Bord geworfen werden darf und schickt 
auf Wunsch einen Lootsen an Bord, der das Schiff dorthin und später, wenn 
verlangt, nach dem Ladeplatze bringt, für welche Dienstleistung ihm 4 Doll. zu 
zahlen sind. Das Lootsengeld nach und von Manzanillo-Bai beträgt je 8 Doll. 
Bei einer Annahme von Arbeitern und Stauern ist ebenfalls die Vermittelung 
des Hafenmeisters in Anspruch zu nehmen. 
Das Trinkwasser entnehmen die Schiffe in Monte Christi dem Flusse, aus 
welchem auch die Stadt versorgt wird. Wir Iluden in der Manzanillo-Bai und 
mufsten daher unser Trinkwasser aus dem Flusse Dajabon, von den Kreolen 
Masaco genannt, dem Grenzflufs zwischen St. Domingo und Haiti, holen. Das- 
selbe war erst 3 Sm von der Flufsmündung aufwärts frisch, dort aber sonst auch 
schön. Unser Ankerplatz in der Bai von Manzanillo bei Erters Balsa, woselbst 
auch Columbus einmal gelandet sein soll, befand sich 1 Sm nördlich der Mün- 
dung des Dajabon oder Masaco ziemlich nahe der Küste, neben den Mündungen 
zweier anderer Flufsläufe. In einer Ausdehnung von nur einer Kabellänge finden 
sich auf diesem Ankerplatze Wassertiefen von 5,5 bis 46m (3 bis 25 Faden). 
Die Flüsse Tapion und Yaqui, welche ebenfalls in mehreren Armen in die Bai 
von Manzanillo einmünden, enthielten zu unserer Zeit nur salziges Wasser, Vor 
allen diesen Flußmündungen liegen seichte Barren, welche selbst für die flach- 
gehenden Leichter nur bei Hochwasser passirbar sind. Der Gezeitenhub beträgt 
0,6 bis 1,2m (2 bis 4 Fuß). Das Hochwasser, welches übrigens stark vom 
Winde beeinflulst wird, tritt zur Zeit des Neu- und Vollmondes um 7 Uhr ein; 
unweit der Inseln Sieben Brüder setzt die Fluth nach SW und die Ebbe 
nach NO. 
Das in der Bai von Meanzanillo zur Verladung gelangende Blauholz ist 
sehr schlecht bearbeitet, so dafs 5 bis 6 Mann einen ganzen Tag mit Sägen und 
Aexten daran beschäftigt sein müssen, um von demselben 20 bis 30 Tonnen 
staurecht zu bekommen, wobei eine Bestimmung der Charterpartie, nach welcher 
das Holz nicht kürzer als in Längen von 3 Fuls geschnitten werden darf, sehr 
hinderlich ist. Wir konnten daber in dem Raum unseres Schiffes, welches
	        
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