Das Klima Helgolands,
9299
7. Fast dreiviertel Jahr hindurch (nämlich in den kühleren
Jahreszeiten) ist es um 6 Uhr früh wärmer, eine gleich lange Zeiß
(nämlich in den wärmeren Jahreszeiten) um 2 Uhr Nachmittags
kühler als alle übrigen deutschen Stationen.
8, Die Temperaturveränderlichkeif ist die geringste von ganz
Centraleuropa. nn
9. Absolute und relative Feuchtigkeit sind hoch, jährliche
und tägliche Schwankung derselben geringer als sonst in Nord-
deutschland.
10. In der Gröfse der Bewölkung wird es nur von einzelnen
Punkten in den Gebirgen übertroffen,
11. Im Gegensatz zum Binnenlande hat es ein nebelreiches
Frühjahr und einen nebelarmen Herbst.
12. Nach dem Betrage des Niederschlags gehört es mit der
Nordseeküste zu den feuchtesten Gegenden des ebenen Deutschlands;
Spätsommer und Herbst sind die eigentliche Regenzeit, das Früh-
jahr bis einschliefslich Juni die Trockenzeit.
13. Bezüglich der Häufigkeit der Niederschläge hat es im nord-
deutschen Binnenlande, keinen Rivalen, vielleicht nicht einmal im
Gebirge; auffallend grofs ist die Jahresamplitude: im Juni kommt
auf drei Tage ein Niederschlagstag, im Oktober zwei. ;
14. Schneefälle sind seltener als sonst in Norddeutschland; der
erste Schneefall verspätet sich in augenfälliger Weise. Das Hänufig-
keitsmaximum tritt im März ein.
15. In der Windvertheilung nimmt Helgoland eine Mittel-
stellung ein zwischen der südlichen und östlichen Nordseeküste.
16. Die Windstärke zeigt einen ausgesprochenen jährlichen
Gang (Maximum im Oktober-November, Minimum im Mai-Juni), aber
keinen merkbaren täglichen.
17.- Völlig sturmsicher ist kein einziger Monat, sehr selten aber
stürmt es in der Zeit April-Juni; am stürmischsten ist der Anfang
Dezember.
Aus dem Reiseberichte des Kapt. F. Niejahr, Führer
der deutschen Bark „J. F. Pust‘“.
Mittheilung von der Deutschen Seewarte))
I. St. Thomas und Barbados.
Den Beschreibungen über diese altbekannten Plätze habe ich nur wenig
hinzuzufügen, will aber besonders hervorheben, dals St. Thomas in dem ver-
flossenen Jahrzehnt als Befrachtungsplatz gegenüber Barbados an . Bedeutung
verloren hat; theilweise aus dem Grunde, weil die dänische Regierung sich erst
in letzter Zeit zu einer Ermäfsigung der Unkosten. der in St. Thomas fracht-
suchend einlaufenden Schiffe entschlossen hat. Jetzt hat ein solches Schiff eine
Staatsabgabe von 1 Cent pro Registertonne zu zahlen; das Lootsengeld beträgt
für eine Bark 5 Doll., für eine Brigg 3 Doll., einkommend und ausgehend zu-
sammen, wobei indefs zu bemerken, dafs kein Lootsenzwang vorhanden ist. Für
den Besuch des Arztes sind 3 Doll. zu entrichten. Kommt das Schiff von einem
krankheitsverdächtigen Hafen, jedoch mit gesunder Besatzung an Bord, so ist
für deren Wäsche u. 8. w. eine chemische Reinigung vorgeschrieben, welche
unter Aufsicht zweier Quarantänewächter ausgeführt wird, und die einen zweiten
Besuch des Arztes erfordert. Für diese Dienste hat das Schiff dann noch weitere
5 Doll. zu zahlen. Die Unkosten, welche wir an die Ortsbehörden in St, Thomas
zu entrichten hatten, bezifferten sich zusammen auf 17,14 Doll. Aufserdem hatten