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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Das Klima Helgolands. 
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Ein täglicher Gang kommt so gut wie gar nicht zur Erscheinung. 
Nur in den Monaten Juli-September ist die sonst regelmäßige Zunahme der 
Windgeschwindigkeit um die Zeit der höchsten "Tageswärme, freilich sehr 
schwach, angedeutet. Die Geringfügigkeit der Tagesamplitude kann ja mit der 
gleichen Erscheinung. auf offenem. Meere sehr wohl begründet sein; das Mals 
derselben läfst aber immerhin auch eine gewisse Unsicherheit jener geschätzten 
Werthe nicht aus dem Bereich der Möglichkeit liegen. Nach der jährlichen 
Periode freilich ist dieser Zweifel nicht so berechtigt, denn sie zeigt einen 
deutlich ausgesprochenen Charakter. Zunächst ist dem allgemeinen Verhalten 
entsprechend die Windstärke im Winter bedeutend gröfser als im Sommer. 
Der specielle Verlauf scheint ein sehr regelmäfsiger zu sein: vom Maximum 
im Oktober-November nimmt die Geschwindigkeit stetig ab bis zum Minimum 
im Mai-Juni, um sodann erst allmählich und endlich geradezu sprungweise 
zum Maximum wieder anzusteigen. 
Besonderes Interesse bietet, zumal für die Schiffahrt, die Häufigkeit 
der Sturmtage in den einzelnen Abschnitten des Jahres. Daher wurde auch, 
trotzdem nur geschätzte Angaben für die Windstärke, und noch dazu nach 
mehrfach geänderter Skala, benutzt werden konnten, von dem gesammten Zeit- 
raum 1875/89 nicht nur die mittlere Zahl derselben für die einzelnen Monate 
bestimmt, sondern es wurde auch ausgezählt, wie viel Sturmtage überhaupt in 
jeder Pentade vorgekommen sind. Das Ergebnifs findet sich in der obigen 
Tabelle. Um Mittelwerthe für jede Pentade zu erhalten, müßte man noch die 
obigen Zahlen mit 15 dividiren, doch ist dies, weil die Originalsummen vielleicht 
mehr Einblick gewähren, hier unterlassen. Gemäfs der Instruktion des preufsischen 
meteorologischen Instituts sind von 1887 ab alle Tage, an denen zu irgend 
einer Tageszeit Stärke 8 oder mehr beobachtet wurde, als Sturmtage gerechnet, 
vorher, und zwar rückwärts bis zum Jahre 1880 entspricht 4, 5 und 6 der Skala 
einem Sturmtage, und noch früher (bei der Skala 0—4) wurde 2,5 als unterste 
Grenze für Sturm angesehen. 
‚ Nach dieser Zusammenstellung nun ist Oktober bis Dezember die eigent- 
liche Jahreszeit der Stürme, während dieselben in dem Zeitraum April bis Juli 
am seltensten sind. Am ruhigsten dürfte es in der ersten Hälfte des April 
und des Juni, sowie in der letzten des Juli sein, für vollkommen sturmfrei 
ist jedoch kein einziger Monat anzusehen. Mit dem Herbstäquinoktium 
tritt — dem Volksglauben entsprechend — allerdings ein kräftiges Anwachsen 
der Sturmhäufigkeit ein, keineswegs aber ein Maximum derselben; im Gegentheil 
nimmt die Sturmwahrscheinlichkeit weiter in den Herbst hinein und bis zu 
Anfang Dezember beträchtlich zu. Vom letzteren Zeitpunkt erst stellt sich ein 
Rückgang ein, derart daß in der zweiten Pentade des Januar Stürme zur 
Seltenheit werden. Nachher findet wieder ein schnelles Anwachsen bis in die 
letzten Tage des Januar statt, wo die Sturmhäufigkeit ein zweites Maximum 
erreicht. Von da nimmt sie unter Schwankungen bis zur Frühjahrs-Tag- und 
Nachtgleiche ab, wo — und nun im Gegensatz zu den eingewurzelten Ansichten — 
eine nahezu sturmfreie Zeit anhebt. Bis zum August sind sodann Stürme nur 
ganz gelegentliche und seltene Erscheinungen, und erst im letztgenannten Monat 
fängt es wieder an unruhig zu werden, Diese Unruhe hält mit Ausschlufs einer 
Pause in der ersten Hälfte des September an, bis der geschilderte Jahrescyklus 
von Neuem beginnt. 
Luftdruck. 
Mit den vorstehenden Erörterungen könnte die eigentliche Klimatographie 
Helgolands als abgeschlossen betrachtet werden. Da jedoch der Luftdruck die 
wesentlichste Unterlage ist für die Erklärung der individuellen Wettervorgänge, 
wie für die normalen atmosphärischen Verhältnisse, und da ferner Helgoland 
einzelnen Zugstrafßsen der Minima so nahe liegt, wird Manchem die Mittheilung 
einiger Luftdruckangaben nicht unlieb sein.
	        
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