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Das Klima Helgolands.
Regen, im Oktober dagegen ist erst jeder dritte Tag niederschlagsfrei, d. h. es
regnet doppelt so oft wie im Juni. Der grofsen Regenwahrscheinlichkeit des
Oktober geben November und Dezember nicht viel nach, im Januar aber ist
ein bedeutender Rückgang bemerkbar; bis zum März hleibt dann die Nieder-
schlagshäufigkeit unverändert, um in den nächsten Monaten, und zwar bis zum
Juni beträchtlich herunterzugehen und dann wieder bis zum Maximum im
Oktober schnell anzuwachsen.
Der milde Winter in Helgoland macht es erklärlich, daß Schneefälle
nicht gerade zu den gewöhnlichen Erscheinungen gehören, sondern sowohl im
Verhältnifs zu allen anderen Orten Deutschlands, wie auch im Hinblick auf
die Häufigkeit des Eintritts von MNiederschlägen überhaupt ziemlich selten
sind. Es mag, um eine Vorstellung zu gewähren, kurz erwähnt werden, daß
während des ganzen Jahres auf Helgoland nur 23 Schneetage vorkommen, dafs
dagegen Meldorf 25, Kiel 26, Kleve 35, Berlin 36, Breslau 48 Schneetage im
Durchschnitt zu verzeichnen haben, und dafß, während auf Helgoland im
meteorologischen Winter erst auf 4 Niederschlagstage ein Schneetag kommt,
ein solcher in Kiel schon unter 3, in Berlin unter 2 Niederschlagstagen eintrifft
und in Breslau sogar unter 5 Niederschlagstagen 3 Schneetage sind.
Nicht zur Winterszeit im eigentlichen Sinne schneit es am häufigsten,
sondern im ersten Frühlingsmonat, im März. Mit diesem Märzmaximum steht
jedoch Helgoland nicht vereinzelt da, ja es scheint, als wenn es dem ganzen
nordwestlichen Deutschland eigen wäre, jedenfalls ist in dieser Beziehung der
März überall noch als Wintermonat aufzufassen. Weiter ins Jahr hinein nimmt
die Häufigkeit des Schneefalls schnell ab; dennoch ist noch der Mai als nicht
immer schneefrei zu bezeichnen, da in diesem Monat etwa alle 10 Jahre ein
Schneetag zu bemerken sein wird. Die Möglichkeit eines Schneefalles zu so
vorgerückter Jahreszeit hat Helgoland mit dem übrigen Deutschland gemein.
Während aber das letztere allgemein schon im Oktober wieder auf Schnee
rechnen kann, hat sich dies auf Helgoland, wenigstens in den betrachteten
15 Jahren, noch nie ereignet. Der früheste Schneefall tritt erst im November
ein, wo durchschnittlich ein bis zwei Tage mit Schnee beobachtet werden.
Ja, es ist zweimal in den 15 Jahren vorgekommen, dafs es vor Neujahr über-
haupt nicht geschneit hatte.
Was das Datum des ersten und letzten Schneefalls anbelangt nebst
der Dauer der schneefreien Zeit, so findet sich hierüber genügend Auskunft
in der obigen Tabelle, der auch die entsprechenden vieljährigen Mittelwerthe
einiger norddeutscher Stationen angeschlossen sind. Während der letzte Schnee-
fall nur unwesentlich früher als sonst in Deutschland einzutreten pflegt, zeigt
sich mit aller Deutlichkeit eine grofse Verspätung des ersten Schnee-
falls — was immer wieder von Neuem den hervorragend milden Wetter-
charakter auf Helgoland beim Uebergange vom Herbst zum Winter illustrirt.
Ein weiteres Eingehen auf jene Daten, sowie auf die Schneeverhältnisse über-
haupt, dürfte wohl mit Rücksicht auf die Unsicherheit der Grundlagen unan-
gebracht sein. Denn vielleicht in noch höherem Grade als bei der Bestimmung
der Niederschlagshäufigkeit ist für die Angabe der Schneegrenzen und der Zahl
der Schneetage die Aufmerksamkeit des einzelnen Beobachters einerseits und
die Zählweise andererseits sehr von Belang. Feinere Unterschiede in dieser
Beziehung festzustellen ist vorläufig noch eine sehr mifsliche Sache; erst bei
Innehaltung fester, allgemein gültiger Grundsätze und am ehesten noch durch
Einführung und Auswerthung der „absoluten Schneewahrscheinlichkeit“ wird
man mit Erfolg eingehende Vergleichungen anstellen können.
Ueber die Schneedecke, deren meteorologische Bedeutung erst in
neuester Zeit recht gewürdigt wird, sind leider erst seit 1887 Angaben bezw.
Messungen vorhanden, so dafs hiervon klimatologisch noch kein erfolgver-
sprechender Gebrauch zu machen ist. Immerhin lälst sich aber schon ersehen,
dafs auch auf Helgoland der Schnee wochenlang liegen bleiben und dafs seine
Höhe bis zu einem Viertel Meter anwachsen kann.
Das Vorkommen von Hagel und Graupeln, die übrigens nicht scharf
getrennt worden zu sein scheinen, bietet keinen Anlafs zu längerer Diskussion;
auffallend ist aber, dafs allein gerade in dem Monat weder Hagel noch Graupeln
notirt sind, in welchem die Gewitter am häufigsten sind, während doch jene