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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Das Klima- Helgolands. 
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Niedergang der Temperatur des Meeres und der darüber lagernden Luft zu jener 
Zeit ein gleichmäfsiges Fernhalten der Kondensationsgrenze bewirkt. 
Eine Vergleichung der absoluten Zahlen mit denen anderer Orte dürfte 
mit Rücksicht. auf die Subjektivität dieser Angaben. vorläufig nicht angebracht 
sein. Das Gleiche hätte eigentlich auch von der Bewölkung überhaupt gesagt 
werden müssen; indessen ist die letztere wenigstens insofern sicherer, als sie zu 
den festgesetzten Terminen obligatorisch beobachtet wird, während es beim Nebel 
noch auf die größere oder geringere Aufmerksamkeit und Sorgfalt des Beobachters 
auch zwischen den Terminszeiten ankommt. Bei Helgoland endlich ist in dieser 
Beziehung der Umstand günstig, als die steil aus dem Meere emporragende Insel 
die beste Himmelsschau bietet, so dafs wenigstens durch‘ örtliche Verhältnisse 
keine Störung verursacht worden ist. . 
Es erübrigt hier noch einiges über den täglichen Gang der Bewölkung 
zu sagen, soweit dies die‘ dreimal täglichen Beobachtungen ‚ermöglichen. Der 
Morgen ist hiernach während des ganzen Jahres diejenige Tageszeit, welche die: 
stärkste Bewölkung hat; dieselbe nimmt im Laufe des Tages ab, und zwar all- 
gemein bis zum Nachmittagstermin, mit Ausschlufs von Mai bis Juli auch noch 
bis zum Abend. Lediglich in diesen letztgenannten drei Monaten ist der Himmel. 
um 2p am heitersten, während in den übrigen Jahreszeiten der Abend die 
geringste Bewölkung hat. Das Morgenmaximum hängt wohl mit dem nahe 
gleichzeitigen. Temperaturminimum zusammen, bei welchem die aus dem relativ 
warmen Meere emporsteigenden Dünste die Luft schnell sättigen, müssen; im 
Laufe des Tages aber erfolgt dann die Zunahme der Lufttemperatur in stärkerem 
Verhältnifs als die. des Dampfgehaltes, so dafs auch die Neigung zur Wolken- 
bildung eine geringere wird, wenn nicht gerade lebhaft aufsteigende Luftbewegung 
vorhanden ist.. 
Niederschlag. 
Helgoland ist bezüglich seiner Niederschlagsmengen ein lehrreiches Beispiel 
dafür, wie fehlerhaft es ist, vorschnell natürlich erscheinende Erklärungen zu 
geben für auffällige Beobachtungsresultate, anstatt sich zuerst der Realität jener 
auffälligen Thatsache völlig zu vergewissern. Noch Töpfer giebt in seinen 
trefflichen „Untersuchungen über die Regenverhältnisse Deutschlands“ als 
mittlere Niederschlagshöhe von Helgoland auf Grund 5'/jähriger Beobachtungen 
1858 mm ohne Fragezeichen an, ohne freilich diese Zahl weiterhin zu ver- 
wenden, Die enorme Zunahme gegen die Nordseeküste, die etwa nur 700 mm 
aufzuweisen hat, erschien vielfach infolge des beträchtlichen Dampfgehaltes, der 
exponirten Lage zumal gegen die feuchten Westwinde und vor Allem deswegen 
plausibel, weil die steil aus dem Meere emporsteigende Insel wie ein Bergmassiv 
die. angewehte Luft zum Emporsteigen und damit zu. reichlicher Kondensation 
bezw. Wasseraussonderung zwingt. Andererseits aber wurden berechtigte Zweifel 
Jaut, da die Erhebung der oberen Kante der Insel über das Meeresniveau nur 
40 bis 50m beträgt und daher nach theoretischen Betrachtungen unmöglich 
einen derartigen Einflufßs auszuüben. im. Stande sein kann. 
Es ist das. Verdienst der Deutschen Seewarte, dem Zweifel an der Richtig- 
keit der bisherigen Angaben praktisch durch Aufstellung eines zweiten Regen- 
messers an geeigneter Stelle Ausdruck gegeben zu haben. Die Aufstellung 
erfolgte Ende 1881, und schon die Erfahrungen. der nächsten Zeit ergaben mit 
aller. Zuverlässigkeit, dafs die Beobachtungen am älteren Regenmesser etwa 
2!/3 Mal zu grofse Werthe lieferten. Als dann schliefslich, Ende 1884, an Stelle 
dieses älteren Regenmessers vom meteorologischen Institut ein neuer geliefert 
wurde, verschwanden die Differenzen vollständig. Es kann somit nur ein Fehler 
des älteren Regenmessers bezw. der Eintheilung des zugehörigen Mefsglases 
Schuld an den früheren falschen Angaben gewesen sein. Seitens der Seewarte *) 
wurde das aus den Vergleichungen sich ergebende Verhältnifs ’/s benutzt, um 
die älteren Beobachtungen noch verwerthbar zu machen, und mit Hülfe desselben 
folgende Monatsmittel der Niederschlagshöhe in: mm aus den neunjährigen 
Beobachtungen 1876/84 abgeleitet: . 
X 
Siehe ‚Ann. ad. Hvdr. etc.“ 1885. S. 562 £. unter „Regenmengen in der Helgoländer Bucht“.
	        
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