Das Klima- Helgolands.
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Niedergang der Temperatur des Meeres und der darüber lagernden Luft zu jener
Zeit ein gleichmäfsiges Fernhalten der Kondensationsgrenze bewirkt.
Eine Vergleichung der absoluten Zahlen mit denen anderer Orte dürfte
mit Rücksicht. auf die Subjektivität dieser Angaben. vorläufig nicht angebracht
sein. Das Gleiche hätte eigentlich auch von der Bewölkung überhaupt gesagt
werden müssen; indessen ist die letztere wenigstens insofern sicherer, als sie zu
den festgesetzten Terminen obligatorisch beobachtet wird, während es beim Nebel
noch auf die größere oder geringere Aufmerksamkeit und Sorgfalt des Beobachters
auch zwischen den Terminszeiten ankommt. Bei Helgoland endlich ist in dieser
Beziehung der Umstand günstig, als die steil aus dem Meere emporragende Insel
die beste Himmelsschau bietet, so dafs wenigstens durch‘ örtliche Verhältnisse
keine Störung verursacht worden ist. .
Es erübrigt hier noch einiges über den täglichen Gang der Bewölkung
zu sagen, soweit dies die‘ dreimal täglichen Beobachtungen ‚ermöglichen. Der
Morgen ist hiernach während des ganzen Jahres diejenige Tageszeit, welche die:
stärkste Bewölkung hat; dieselbe nimmt im Laufe des Tages ab, und zwar all-
gemein bis zum Nachmittagstermin, mit Ausschlufs von Mai bis Juli auch noch
bis zum Abend. Lediglich in diesen letztgenannten drei Monaten ist der Himmel.
um 2p am heitersten, während in den übrigen Jahreszeiten der Abend die
geringste Bewölkung hat. Das Morgenmaximum hängt wohl mit dem nahe
gleichzeitigen. Temperaturminimum zusammen, bei welchem die aus dem relativ
warmen Meere emporsteigenden Dünste die Luft schnell sättigen, müssen; im
Laufe des Tages aber erfolgt dann die Zunahme der Lufttemperatur in stärkerem
Verhältnifs als die. des Dampfgehaltes, so dafs auch die Neigung zur Wolken-
bildung eine geringere wird, wenn nicht gerade lebhaft aufsteigende Luftbewegung
vorhanden ist..
Niederschlag.
Helgoland ist bezüglich seiner Niederschlagsmengen ein lehrreiches Beispiel
dafür, wie fehlerhaft es ist, vorschnell natürlich erscheinende Erklärungen zu
geben für auffällige Beobachtungsresultate, anstatt sich zuerst der Realität jener
auffälligen Thatsache völlig zu vergewissern. Noch Töpfer giebt in seinen
trefflichen „Untersuchungen über die Regenverhältnisse Deutschlands“ als
mittlere Niederschlagshöhe von Helgoland auf Grund 5'/jähriger Beobachtungen
1858 mm ohne Fragezeichen an, ohne freilich diese Zahl weiterhin zu ver-
wenden, Die enorme Zunahme gegen die Nordseeküste, die etwa nur 700 mm
aufzuweisen hat, erschien vielfach infolge des beträchtlichen Dampfgehaltes, der
exponirten Lage zumal gegen die feuchten Westwinde und vor Allem deswegen
plausibel, weil die steil aus dem Meere emporsteigende Insel wie ein Bergmassiv
die. angewehte Luft zum Emporsteigen und damit zu. reichlicher Kondensation
bezw. Wasseraussonderung zwingt. Andererseits aber wurden berechtigte Zweifel
Jaut, da die Erhebung der oberen Kante der Insel über das Meeresniveau nur
40 bis 50m beträgt und daher nach theoretischen Betrachtungen unmöglich
einen derartigen Einflufßs auszuüben. im. Stande sein kann.
Es ist das. Verdienst der Deutschen Seewarte, dem Zweifel an der Richtig-
keit der bisherigen Angaben praktisch durch Aufstellung eines zweiten Regen-
messers an geeigneter Stelle Ausdruck gegeben zu haben. Die Aufstellung
erfolgte Ende 1881, und schon die Erfahrungen. der nächsten Zeit ergaben mit
aller. Zuverlässigkeit, dafs die Beobachtungen am älteren Regenmesser etwa
2!/3 Mal zu grofse Werthe lieferten. Als dann schliefslich, Ende 1884, an Stelle
dieses älteren Regenmessers vom meteorologischen Institut ein neuer geliefert
wurde, verschwanden die Differenzen vollständig. Es kann somit nur ein Fehler
des älteren Regenmessers bezw. der Eintheilung des zugehörigen Mefsglases
Schuld an den früheren falschen Angaben gewesen sein. Seitens der Seewarte *)
wurde das aus den Vergleichungen sich ergebende Verhältnifs ’/s benutzt, um
die älteren Beobachtungen noch verwerthbar zu machen, und mit Hülfe desselben
folgende Monatsmittel der Niederschlagshöhe in: mm aus den neunjährigen
Beobachtungen 1876/84 abgeleitet: .
X
Siehe ‚Ann. ad. Hvdr. etc.“ 1885. S. 562 £. unter „Regenmengen in der Helgoländer Bucht“.