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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

790) 
Das Klima Helgolands. 
Mittlere Bewölkung, 
Helgoland Meldorf Emden Kiel 
Berlin Breslau Kassel 
Januar 5,9 47 2 
Februar 7,6 7,3 183 
März 5,0 5,3 7,0 
April 54 5 65 
Mai 33 5,2 B.2 
Juni 55 57 5,6 5,2 
Juli . 5,7 5,2 5.0 8,0 
August 72 a7 5,6 AS 7 
September 7,5 6.1 6,2 5,2 A,8 
Oktober 6 6,6 0 7,3 6,4 5,2 hl 
November 3,4 7,1 6,7 7,4 7,4 7,7 7,1 
Dezember 8,7 7,7 22 7,8 7,7 7,4 75 
Jahr 27 6,3 5,7 6,5 6.3 6,6 5,9 
Helgoland gehört hiernach nicht nur zu den feuchtesten Orten, sondern es 
hat auch die stärkste Himmelsbedeckung in Deutschland, vielleicht mit 
Ausnahme einiger Gebirgszonen, und zwar sowohl im Jahresdurchschnitt, wie 
auch sogar in jedem einzelnen Monat. 
In Bezug auf den jährlichen Gang hat es gemeinsam mit dem ganzen 
deutschen Festlande das Maximum im Dezember. Die Eintrittszeit des Minimums 
erscheint dagegen verfrüht, indem es sich sonst meist im Mai, hier aber schon 
im April einstellt. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vorwalten der Ost- 
winde im April, wo sie nicht nur häufiger als in den anderen Monaten sind, 
sondern alle anderen Windrichtungen an Zahl weit übertreffen (s. u.). Die Ost- 
winde führen aber kontinentale trockene Luft herbei, die überdies über dem zu- 
yleich kühleren Meere nur wenig Feuchtigkeit aufnimmt, so dafs die geringere 
Wolkenbildung wohl erklärlich wird. — Vom April bis zum Juli zeigt sich ein 
Anwachsen der Bewölkung, die im letztgenannten Monat, ähnlich wie im west- 
lichen Deutschland überhaupt, ein sekundäres Maximum erreicht. August uud 
September — die Zeit der Haupt-Badesaison -— haben wieder weniger bewölkten 
Himmel; mit Beginn des eigentlichen Herbstes (Oktober) endlich stellt sich sehr 
trübes Wetter ein, das bis zum Hauptmaximum im Dezember anhält. 
Einen weiteren Einblick in den Charakter und jährlichen Gang der Be- 
wölkungsverhältnisse gewährt die Anzahl der heiteren (mittlere Bewölkung <2) 
und trüben (mittlere Bewölkung => 8) Tage, die oben mit angeführt ist. Weit 
mehr als die Hälfte des Jahres hat man also trübes und nur an 18 Tagen heiteres 
Wetter zu erwarten. Heitere Tage sind am häufigsten im April (3), demnächst 
im September (2), während der Dezember erst alle zwei Jahre mit einem heiteren 
Tage erfreut. Trübe Tage sind am seltensten vom April bis Juni (13 pro Monat), 
am häufigsten im Spätherbst und Winter (mehr als 20 pro Monat). — Die Be- 
ziehung der heiteren Tage zu den trüben im Verlaufe des Jahres gestattet in 
gewisser Weise den Schlul, ob die Veränderungen der mittleren Bewölkung aus 
einer Vermehrung (Verminderung) der Trübung oder aus dem Seltenwerden 
(Häufigwerden) heiteren Wetters resultiren. 
Ebenso bietet auch die Häufigkeit der Nebeltage einen nicht un- 
wichtigen Beitrag zur Beurtheilung des Bewölkungscharakters, da es nicht das- 
selbe ist, ob Wolken oder Nebel den Bewölkungsgrad bestimmen. Wir sehen 
nach der obigen Tabelle, dafs nur im eigentlichen Winter und allenfalls im 
Frühjahr die Nebel für die mittlere Bewölkung von Belang sind, dafs dagegen 
der Sommer und auch der Herbst wenig Nebel haben. Im Gegensatz zum 
Binnenlande zeichnet sich Helgoland durch ein ziemlich nebelreiches Früh- 
jahr und einen nebelarmen Herbst aus, welch letzterer doch sonst wegen 
seiner Nebel verschrieen ist. Diese Gegensätzlichkeit findet wohl wieder seine 
Begründung in den Wärmeverhältnissen des Meerwassers, April—Juni ist das 
Meerwasser relativ am kühlsten. Wärmere Luft von bestimmtem Feuchtigkeits- 
gehalte wird daher beim Transport über das Meer durch Berührung abgekühlt 
und dem Kondensationspunkte, d. i. der Nebelbildung, sehr leicht nahe gebracht. 
Umgekehrt bedingt die nach Ueberschreitung des Herbstäquinoktiums beginnende 
kräftige Ausstrahlung des Binnenlandes bei dem vom Sommer her reichlich vor- 
handenen Feuchtigkeitsvorrath frühzeitige Sättigung, während der langsame
	        
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