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Das Klima Helgolands.
Mit der ganzen Nordseeküste hat Helgoland die hohe absolute und
relative Feuchtigkeit gemein, während im Binnenlande, dem die stete Dampf-
quelle des Meeres fehlt oder nur mittelbar zu Gute kommt, die Feuchtigkeit nach
Östen hin im Allgemeinen langsam abnimmt. Dals die Gegensätze nicht schroffer
auftreten, liegt theilweise daran, dafs einerseits die höhere Temperatur des Fest-
landes im Sommer die Luft befähigt, gröfsere Dampfmengen aufzunehmen, wodurch
der absolute Feuchtigkeitsgehalt im Jahresmittel nicht so niedrig ausfällt, als
man vielleicht erwarten könnte, und dafs andererseits die starke Ausstrahlung
und Temperaturerniedrigung im Winter die Luft über dem Lande dem Sättigungs-
punkte schnell nahe bringt und so die relative Feuchtigkeit auf ziemlich hohem
Stande hält, wodurch eben auch das Jahresmittel der letzteren beeinflufst bleibt,
[nwieweit dabei ferner lokale Verhältnisse eine Rolle spielen, ist schwer zu ent-
scheiden, da die gegenwärtige psychrometrische Methode der Feuchtigkeits-
bestimmung allzu leicht Fehler von nennenswerthem Betrage in sich birgt, die
je nach der Oertlichkeit schwanken. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der aus
den bisherigen Beobachtungen ermittelte Dampfgehalt an den Küsten auch aus
dem Grunde von jenem im Innern nur wenig abweicht, weil die starke Ventilation
daselbst die psychrometrische Differenz korrekt gestaltet, der häufige Mangel
derselben an den Binnenstationen dagegen dieselbe zu gering, die resultirende
Feuchtigkeit somit zu grofßs werden läßt. Auch die Unregelmäfsigkeiten in der
räumlichen Vertheilung der Luftfeuchtigkeit dürften vielfach darauf zurückzuführen
sein. Alle eine gröfsere Genauigkeit erfordernden Ausführungen sind daher nur
mit einem gewissen Vorbehalt zu geben und aufzunehmen.
In Bezug auf den jährlichen Gang schmiegt sich Helgoland in den
Hauptzügen der allgemeinen Gesetzmälfsigkeit an, wonach die absolute Feuchtig-
keit mit der Temperatur nahezu parallel, die relative fast entgegengesetzt wie
diese verläuft. Es hat daher auch, gemäfs dem Temperaturgange, das Minimum
des Dampfgehalts im Februar statt, das Maximum im August, während auf den
Kontinentalstationen diese Extreme zumeist im Januar bezw. Juli eintreten. Des-
gleichen verspätet sich auch der Eintritt des Maximums der relativen Feuchtig-
keit in Helgoland Januar—Februar, sonst Dezember—Januar, während das
Minimum gleichzeitig mit anderen Orten auf den Mai fällt. — Entsprechend dem
Temperaturverlauf ist auch die Jahresschwankung der Luftfeuchtigkeit
auf Helgoland allgemein geringer als sonst, indem nämlich dort nicht blofs
gegenüber dem Binnen- sondern auch dem Küstenlande der absolute Feuchtigkeits-
gehalt im Winter relatir hoch, im Sommer relativ gering ist, und ähnlich die
relative Feuchtigkeit im Winter verhältnifsmäfsig niedrige, im Sommer aber
bedeutend höhere Werthe zeigt.
Speciell der Küste gegenüber hat Helgoland, trotzdem es von: einem
wärmeren Meere umspült ist, nur im Winter einen absolut gröfseren Dampf-
gehalt, in allen übrigen Jahreszeiten ist er kleiner, im Frühsommer sogar um
ein Bedeutendes. Es scheint sonach die schnellere und intensivere Erwärmung
des Küstensaumes, die oben gezeigt wurde, auch die Temperatur des seichteren
Küstenwassers und damit die Verdunstung zu vergröfsern, so dafs schliefslich die
vermöge ihrer Wärme aufnahmefähigere Luft der Küstenländer eine gröfsere
Menge Wasserdampf enthält. — Von der Sättigung ist die letztere aber, wenigstens
im Frühjahr und Sommer, immer noch weiter entfernt, als auf Helgoland, offenbar
zufolge der viel höheren Temperatur und der Einwirkung der Landwinde. Nur
bei Beginn des Herbstes ist absolute und relative Feuchtigkeit an der Küste
größer, weil die Verringerung der vom Sommer her in der Luft aufgespeicherten
Dampfmengen nicht Schritt hält mit der schnelleren Erkaltung, welcher das
Land mit Beginn der vorwiegenden Ausstrahlung beim Uebergang zum Herbste
anheim fällt.
Um einen Anhalt zur Beurtheilung des täglichen Ganges der Feuchtig-
keit zu gewähren, wurden wenigstens für die relative Feuchtigkeit Terminmittel
berechnet; hierbei wurde wiederum wegen der später erfolgten Verlegung der
Beobachtungstermine nur der Zeitraum 1876,85 zu Grunde gelegt.
Wie bei der jährlichen Periode tritt auch bei der täglichen die dort be-
sprochene Beziehung zum Verlaufe der Temperatur deutlich heraus, so dafs eine
weitere Erörterung unnöthig erscheint. Freilich wird hier diese Beziehung
yrofsentheils nur dadurch möglich, dafs bei der absoluten Feuchtigkeit, wie ander-