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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

210 Die Aenderungen des Luftdruckes während einer totalen Sonnenfinsternifs, 
Doppelwelle auf der russischen Barometerkurve nicht mit derselben Intensität 
auftritt, wie auf den norwegisch-atlantischen Kurven, so dürfte der Grund dafür 
wohl der sein, dafs die während der Finsternifs in Russland herrschenden variablen 
Witterungsverhältnisse, besonders die wechselnde Luftdruckvertheilung, die Wir- 
kung der Sonnenfinsternils auf den Barometerstand einigermalsen verwischt haben, 
während das dem Tropenmeere eigenthümliche stabile Druckverhältnils den Ein- 
fAufs der Sonnenfinsternifs trotz der nicht so vollkommenen Beobachtungen stärker 
hervortreten lie[s. 
Nach Allem, was oben dargestellt ist, glaube ich bewiesen zu haben, dafs 
eine totale Sonnenfinsternifs eine eigenthümliche Einwirkung auf den Barometer- 
stand hat, eine Einwirkung analog der, welche der Wechsel von Tag und Nacht 
hervorbringt. Ein eingehenderes Studium derselben, basirt auf reicherem und 
vollkommenerem Beobachtungsmaterial, als zu meiner Verfügung stand, dürfte 
sich gewifs als lohnend erweisen und vielleicht Beitrag zur Erklärung des kom- 
plicirten Phänomens, das die tägliche Periode des Luftdruckes genannt wird, 
gewähren. Ich nähre deshalb die Hoffnung, dafs man bei künftigen totalen 
Sonnenfinsternissen seine Aufmerksamkeit darauf richten wird, so viele und so 
genaue Barometerablesungen, wie möglich, zu Wege zu bringen, und zwar sowohl 
in der Partialzone wie in der Totalitätszone, speciell wenn die Finsternils in den 
tropischen Gegenden, wo die Vertheilung des Luftdruckes stabiler ist und die 
Schwankungen desselben mit der größten Regelmäfßigkeit vor sich gehen, auftritt. 
Orkanartiger Sturm im Südlichen Indischen Ocean 
am 9. bis 11. Mai 1888. 
’Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Die deutsche Bark „Victoria“, Kapt. A. Frantz, befand sich auf ihrer 
Reise von Hamburg nach Rangun am Mittage des 9. Mai 1888 nach Gissung 
auf 18° 23’ S-Br und 81° 35’ O-Lg und steuerte bei dem schon in den vor- 
angegangenen Tagen steif und böig gewordenen Östwinde, bedecktem Himmel, 
vegnerischem Wetter und einem allmählich bis auf 759,4 mm gesunkenen Luft- 
druck den Kurs NzO, mit einer Fahrt von 7 Knoten, Schon am Nachmittage 
wurde es stürmisch; der Regen vermehrte sich, und die See begann hoch zu 
werden, weshalb um 6" p. m. die Obermarssegel festgemacht werden mulsten 
und es bald darauf wegen der hohen See nicht mehr möglich war, Kurs zu 
steuern. Von 9* p. m. an wehte ein voller Sturm aus OzS, bei Blitzen ringsum; 
die Fock wurde festgemacht, und das Schiff lag nun über demselben Bug — mit 
St-B.-Halsen — beigedreht. Am.Ende der ersten Wache hatte das Blitzen auf- 
gehört, aber es regnete noch ununterbrochen stark. Während der Nacht und 
am folgenden Vormittage wehte unaufhörlich ein schwerer Sturm, begleitet von 
anhaltendem Regen, der bei gleichmäfsig abnehmendem Luftdruck bis auf SEzE 
herumholte. Seit 11" a. m. den 10. Mai waren alle Segel bis auf die Leschoot 
des Grofsuntermarssegels fest. Um 5" p. m. erreichte das Barometer, bei dem 
Winde SEzE 11, mit 752,6 mm seinen tiefsten Stand. Von dieser Stunde an 
bis 3" a, m. den 11. Mai wehte es. aus der zuletzt erwähnten Richtung orkan- 
artig, mit kaum minutenlangen schwächeren Zwischenpausen. Die Grenze 
zwischen Luft und Wasser war wegen des aufsteigenden Gischtes der Wellen, 
der sich mit dem Regen vereinigte, nicht zu erkennen, Das Schiff lag unter 
dem kleinen Rest des Grofsuntermarssegels verhältnilsmälsig gut und bekam 
nur wenige Sturzseen über, die allerdings einigen Schaden anrichteten. In Lee 
stürzten indefs grofse Wassermassen fortwährend über die Riegelung. 
Nachdem zwischen 1* und 4* a. m. den 11. Mai das Wetter auf kurze 
Zeiten trocken. gewesen war, brach sich gegen 6* a, m., bei langsam abnehmen- 
dem Sturm, die Luft, Um 8: a, m. erreichte der Luftdruck bei wolkigem
	        
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