Die Aenderungen des Luftdruckes während einer totalen Sonnenfinsternifs, 209
zone erzeugten Wellen beeinflußt worden sein kann. Die Entfernung der be-
treffenden Station von dem Orte, an welchem die Finsternifs zuerst total war,
sowie von der Totalitätszone überhaupt, mufs hier für den Zeitmoment, an welchem
man zuerst eine Störung der normalen Barometerkurve bemerkt, entscheidend
sein. Die Störung selbst mufs als Interferenzphänomen betrachtet werden, da die
Doppelwellen von vielen Seiten nach diesem Orte hin fortgepflanzt werden, und
es wird von den Umständen, d. h. von der Lage der Station und der Fort-
pflanzungsgeschwindigkeit der Doppelwellen, abhängen, mit wie grofser Regel-
mäfsigkeit die Störung auftritt.
Wie oben berichtet, hat Schönroek für alle von ihm während der Sonnen-
finsternifs vom 19. August 1887 behandelten Stationsgruppen ein Barometer-
maximum ungefähr 1: 30” nach der Mitte der Totalität konstatiren können.
Dieses Resultat habe ich auf folgende Weise mit der von mir aufgestellten Er-
klärung in Einklang zu bringen versucht.
Ich habe sämmtliche 23 russischen Stationen als ein Ganzes behandelt,
indem ich einfach das Mittel der Abweichungen des Barometerstandes für jede
zehnte Minute von der Mitte der Totalität nach der in der früher citirten Ab-
handlung Schönrock’s, Seite 8 und 9, aufgestellten Tabelle berechnet habe.
Die so erhaltene Mittelzahl habe ich weiter nach der Formel ba = N
ausgeglichen und erhalte folgende Werthe für die ausgeglichenen mittleren Ab-
weichungen:
mm
650 v.d.M.d.F. +0,08
"5 +0,07
‘5 + 0,06
5 +0,05
3 +0,04
5 +0,03
5Mv.d.M.d.F. +0,02
0 M.d.F. 0,00
50n.d.M.d.F. +0,01
* 0,00
—0,01
0,00
+0,08
+0,04
+4 0,02
0,00
+0,02
‚ + 0,04
5 +0,08
:5 — 0,01
3 — 0,04
5 —0,05
5 0,07
5 — 0,08
165 — 0,09
175 n.d.M.4. FF. — 0,11
Diese Werthe sind gleichzeitig graphisch in Figur 2 abgesetzt worden und
werden durch die mit R bezeichnete Kurve repräsentirt. Diese Kurve zeigt, wie
man sieht, einen mittleren gleichmälsigen Barometerfall, abgebrochen durch eine
deutlich ausgeprägte Doppelwelle, deren erstes Maximum 55”, Minimum 1% 15"
und anderes Maximum 1° 35” nach der Durchschnittsepoche für die Mitte der
Totalität fällt.
Wenn man nun darauf Rücksicht nimmt, dafs die russischen Barometer-
beobachtungen nicht von der Wirkung der täglichen Periode des Luftdruckes
befreit worden sind, und dafs sie, wie Schönrock bemerkt, unter besonders
ungünstigen Witterungsverhältnissen ausgeführt worden sind, so kann man wohl
das durch die Kurve R dargestellte Resultat als ein ganz merkliches bezeichnen.
Es stimmt ziemlich genau mit den allgemeinen Resultaten überein, die ich weiter
oben aus den von den norwegischen Schiffsführern. während der Sonnenfinsternifs
vom 29, August 1886 gemachten Beobachtungen hergeleitet habe, und wenn die
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