256 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1904.
größere Anzahl von Stationen der Nordseeküste wie Norddeich, Wangeroog,
Schillighörn, Brake, Neuwerk, Brunsbüttel, Süderhöft, Keitum, Pellworm über-
haupt keine heiteren Tage aufzuweisen hatten, wurden an einer größeren Zahl
von Stationen namentlich der östlichen Ostseeküste recht viele heitere Tage
beobachtet, so in Schiewenhorst 13, Rixhöft 12, Brüsterort und Memel 11,
Pillau 10. Heitere Tage über einem größeren Gebiet waren der 4. an der
west- und ostpreußischen Küste, der 5., 17. bis 20. und 25, an der pommerschen
wie west- und ostpreußischen Küste, der 26. bis 28. an der ganzen Ostseeküste
and an zahlreichen Stationen der Nordseeküste.
Die Wetterlage wurde zu Anfang des Monats dadurch bedingt, daß ein
Hochdruckgebiet über Nordosteuropa lagerte, während Depressionen über Süd-
westeuropa bezw. über dem Biskayischen Meerbusen sich befanden. Infolge-
dessen wehten bis zum 10. an der deutschen Küste meist leichte Winde aus
östlichen Richtungen, welche nur am 2. wie 6. und 7. an der Nordseeküste
frisch bis stark wurden. Das Wetter war vorwiegend trübe, heiter nur an
einzelnen Tagen an der Ostsee,
Eine Änderung des Wettertypus bereitete sich vom 9. an vor. Das
über Nordosteuropa befindliche Maximum verlagerte sich nach Süden, um
ainer von Island über Nordskandinavien herannahenden Depression Platz zu
machen, welche am 14. und 15. über Finnland lag. Gleichzeitig hiermit drang
das über Südwesteuropa liegende Minimum in nordöstlicher Richtung vor,
hierbei immer mehr an Intensität verlierend und am 14. endlich verschwindend,
Zwischen diesen beiden Depressionen entwickelte sich ein Hockdruckgebiet,
welches während der Zeit vom 9. bis zum 13. aus der Gegend nordwestlich von
Schottland über England, die südliche Nordsee und Norddeutschland nach
Mittelrußland vordrang. Infolgedessen wehten bei trübem Wetter an der
deutschen Küste am 11. und 12, leichte nördliche, am 13. leichte west-
liche Winde,
Ein neues Hochdruckgebiet entwickelte sich am 14, westlich von England,
welches schließlich mit dem vorher erwähnten in Verbindung trat, so daß ein
Rücken hohen Luftdruckes von Mittelrußland über Norddeutschland nach dem
Meerbusen von Biscaya sich erstreckte. Eine Reihe von Depressionen lief,
nördlicher von diesem Rücken aus der Gegend nordwestlich von Schottland
herkommend, längs der norwegischen Küste nach Nordosten. Dieser Zustand
hielt sich bis.zum 22., so daß während dieser ganzen Zeit vom 14. bis 22, an
der Küste leichte veränderliche Winde wehten,
Vom 23, an bis zum Schluß des Monats lag wieder ein Hochdruckgebiet
über Nordosteuropa, während über Nordwesteuropa niedriger Luftdruck lagerte.
Die Gradienten waren klein, so daß auch während dieser Zeit meist leichte
östliche Winde wehten. Ein Auffrischen und Rechtdrehen der Winde erfolgte
erst am 29., als die nordwestlich von Schottland lagernde Depression einen
Ausläufer in die Nordsee entsandte, der die ganze deutsche Küste unter seinen
Einfluß brachte. Infolgedessen wehten am 30. und 31. an der östlichen Ostsee-
küste starke bis stürmische südöstliche Winde, während an der übrigen Küste
meist mäßige Winde aus südlichen Richtungen beobachtet wurden.
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