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Die Aenderungen des Luftdruckes während einer totalen Sonnenünsternifs.
Die Aenderungen des Luftdruckes während einer totalen
Sonnenfinsternils.
Von Aksel S, Steen, I. Assistent am norwegischen meteorologischen Institut in Christianta,
Die Frage, ob eine totale Sonnenfinsternifs einen merklichen Einflufs auf
die meteorologischen Elemente ausübt, ist in letzter Zeit wohl diskutirt worden,
aber man ist bis jetzt, aufser in Hinsicht auf die Temperatur, noch zu keinem
definitiven Resultat gekommen.
Alle Untersuchungen, die man mit Rücksicht auf dieses Element angestellt
hat, scheinen nämlich darauf hinzudeuten, dafs die Temperatur während der
Finsternifs sinkt und kurze Zeit nach der Mitte der Totalität ein Minimum er-
reicht. Es liegt in der Natur der Sache, dafs man auch kein anderes Resultat
erwarten konnte, weil, wenn der Mond zwischen Sonne und Erde kommt, er
einige Augenblicke die Wirkung der Insolation auf die Stellen der Erdoberfläche,
an denen die Finsternifs sichtbar ist, unterbricht oder vermindert.
Von den übrigen Elementen fesselt nur der Luftdruck im besonderen
Grade die Aufmerksamkeit. Die von der Regierung der Vereinigten Staaten zur
Beobachtung der totalen Sonnenfinsternifs vom 6. Mai 1883 ausgesandte Expedition
hatte auf der Carolinen-Insel (10° S-Br, 150° 14‘ W-Lg v. Greenw.) Station,
und dort wurden auch während der Finsternifs umfassende meteorologische
Beobachtungen angestellt. Aus diesen glaubte Winslow Upton nachweisen zu
können, daß der Luftdruck eigenthümlichen Aenderungen unterworfen sei, ein
Schlufs, der sich übrigens später als falsch herausgestellt hat, da er auf unrichtig
angewandten Temperaturkorrektionen des benutzten Barographen beruhte. Als
jedoch die erste Mittheilung Upton’s über seine Beobachtungen auf der Carolinen-
Insel in der „Oesterreichischen Zeitschrift für Meteorologie“ bekannt gemacht
wurde, erweckte sie vielseitiges Interesse.
Als ich im Anfang des Jahres 1886 darauf aufmerksam wurde, dafs die
Sonnenfinsternifs vom 29. August desselben Jahres auf einem Striche, der sich
von Panama über den Atlantischen Ocean durch Süd-Afrika nach Madagaskar
zieht, total werden würde, kam ich auf den Gedanken, ob es nicht möglich sein
würde, sich durch Beobachtungen an Bord von Schiffen einige Aufklärungen zu
verschaffen, wie das Barometer sich während der Finsternils verhalte. Folgende
Betrachtungen führten mich zu der Annahme einer solchen Möglichkeit:
1. Die genannte Finsternifs ist total auf einem Striche des Meeres, wo
die tägliche Periode des Luftdruckes nach Allem, was man weils, so regelmäfsig
verläuft, wie auf kaum einem anderen Theile der Erdoberfläche. Kleine Aende-
rungen des Barometerstandes, die eine Finsternifs mit aller Wahrscheinlichkeit
hervorbringt, müssen sich folglich hier deutlicher zu erkennen geben, als auf
irgend einer anderen Stelle, und selbst wenn man keine übertrieben grofsen
Forderungen an die Genauigkeit stellt, mit welcher das Barometer zum täglichen
Gebrauche abgelesen wird, könnte man doch vielleicht hoffen, die Wirkung zu-
fälliger Ablesungsfehler etwas dadurch eliminiren zu können, dafs das Phänomen
ungefähr gleichzeitig von verschiedenen, von einander unabhängigen Beobachtern,
von Jedem auf seinem Schiffe, observirt werden würde. Natürlich würde man in
den eventuellen Instruktionen die Wichtigkeit ganz besonders genauer Ablesungen
hervorheben müssen.
2. Die Schiffe der norwegischen Handelsmarine befahren in grofser
Anzahl alle Meere, und da dazu kommt, dafs man die norwegischen Schiffsführer
durchgehends als intelligent bezeichnen kann, so war keine so geringe Wahr-
scheinlichkeit dafür vorhanden, dafs sich am 29. August auf dem erwähnten,
stark befahrenen Meeresstriche verschiedene norwegische Fahrzeuge befinden
würden, deren Kapitäne geneigt wären, im Dienste der Wissenschaft eine Reihe
Barometerablesungen in kurzen Zwischenräumen, so lange die Finsternifs dauert,
extra vorzunehmen.
Eine kräftige Stütze zur Verwirklichung des oben angedeuteten Planes,
Barometerbeobachtungen auf dem Meere während der Sonnenfinsternifs vom
29. August 1886 eingesammelt zu bekommen, erhielt ich in dem damaligen