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Paranagua und Antonina an der Küste von Brasilien.
do Mel, die beiden anderen gehören den Palmas-Inseln, nordwestlich der Barre,
an. Man hat also jetzt im Ganzen acht Hügel voraus in Sicht. Wir steuerten
auf ungefähr westlichem Kurse gerade auf den höchsten derselben zu, bis der
Leuchtthurm auf der Spitze Conzas NW peilte. Von hier ist der Kurs über
die Barre durch den Südkanal NWzN—NNW recht auf die Palmas-Inseln, bis
der Leuchtthurm dwars ist, dann etwas westlicher, in der Mitte des Fahrwassers
zwischen den letztgenannten Inseln und der Insel do Mel.
Die rothe Tonne auf der Südostspitze der beim Einsegeln in den Süd-
kanal auf St-B. liegenden flachen Stelle der Barre, deren in der Karte und den
Segelanweisungen Erwähnung gethan wird, war nicht an ihrem Platz, sondern
an den Strand getrieben; sie soll indeßs nach Aussage des Lootsen durch den
Hafenmeister dorthin zurückgebracht werden. Oestlich (dwars) vom Fort liegt
an der Aufsenkante einer Untiefe eine grofse Tonne, die beim KEinsegeln an
B-B. gehalten werden muß. Eben oberhalb des Forts befinden sich zwei andere
Untiefen, die durch Bojen an ihrer Westseite gekennzeichnet sind und ein-
kommend auf St-B. gelassen werden. Nachdem diese beiden Untiefen passirt
sind, steuere man in einem Abstande von 2 Kabllg. an dem Nordwestende der
Insel do Mel vorbei, recht auf das Westende der Insel Cotinga (hohes Land,
welches mittlerweile an B-B. voraus in Sicht gekommen ist) zu. Das Fahrwasser
dorthin ist rein, nur darf man sich der Insel Cotinga nicht allzusehr nähern,
weil ungefähr 1 Kablilg. von deren Westspitze eine Klippe liegt, auf welcher
freilich eine Bake steht. Sobald diese passirt ist, erreicht man den Ankerplatz
der sogenannten Franguia, wo man auf einer Wassertiefe von 9m (5 Fad.)
ankert, um die Visite an Bord zu empfangen und das Schiff einzuklariren.
Die Tiefe des südlichen Kanals der Barre von Paranagua beträgt an der
äußeren Kante der letzteren bei Niedrigwasser 5 bis 5'/% m (2%. bis 3 Fad.);
sobald diese aber überschritten ist, hat man Tiefen von 7,3 bis 14,6 m (4 bis
8 Fad.). Nach der Aussage des Lootsen hat der Nordkanal (zwischen den
Inseln Palmas und der Mitte der Barre von Paranagua) auf der flachsten Stelle
bei Niedrigwasser eine Tiefe von durchschnittlich 7,3 m (4 Fad.). Derselbe wird
aber selten benutzt, weil die vorherrschenden südlichen Winde daselbst eine hohe
See hervorrufen. Namentlich ist das Ausgehen und Einkommen der Lootsen-
kanoes sehr beschwerlich. Innerhalb der Barre bis hinauf zur Franguia ist die
durchschnittliche Wassertiefe 11,0 bis 146m (6 bis 8 Fad.), aber stellenweise
erreicht sie sogar 27,5 m (15 Fad.).
Laut Charterpartie hatte ich entweder in Paranagua-. oder in Antonina
eine Ladung Herba Mate für Montevideo einzunehmen, und ich erhielt demgemäß
die Order, nach dem letztgenannten Platze zu segeln. Ich trat daher am folgen-
den Tage unter der Leitung eines Lootsen die Reise dorthin an. Bei der
herrschenden leichten Briese, welche durch Windstillen unterbrochen wurde, und
einem zeitweiligen Gegenstrom, der bei der vorhandenen Springe eine Ge-
schwindigkeit von 2 bis 3 Knoten erreichte, benöthigten wir zwei volle Tage,
um die 13 Sm betragende Entfernung von der Franquia bis nach Antonina
zurückzulegen. Das Fahrwasser ist bis 3 Sm unterhalb von Antonina rein, bei
Tiefen von 5,5 bis 9,1m (3 bis 5 Fad.), die letzte Strecke desselben aber sehr
eingeengt durch Klippen und Untiefen, die übrigens durch längliche, aufrecht
treibende Tonnen mit Stange und Kugel gekennzeichnet sind. KEinsegelnd liegen
an St-B. die weißen und an B-B. die rothen Tonnen. Die Arbeit wird einem
dadurch sehr erleichtert, da man stets nur die Mitte zwischen den beiden Tonnen-
reihen zu halten hat. Tiefergehende Schiffe ankern ungeführ %41 Sm unterhalb
der Stadt, kleinere liegen bei derselben mit beiden Ankern vertäut. Hier be-
trägt die Tiefe bei Niedrigwasser 3m (10 Fufs), da aber der Boden aus weichem
Schlick besteht, so erleidet ein Schiff keinen Schaden, wenn es auf den Grund
geräth.
Während unseres Aufenthaltes in der Bai von Paranagua vom 15. Oktober
bis zum 20. November 1888 hatten wir fast ununterbrochen Regen und Gewitter,
kaum dafs das Wetter auf kurze Zeit trocken war. Es ist dieses nach der
Behauptung der hiesigen Einwohner der gewöhnliche Witterungszustand des
Monats Oktober. Der Wind trat während der Nacht als eine flaue, von Stillen
unterbrochene Landbriese, von des Vormittags um 10 Uhr bis zum Abend als
Seehriese von der Stärke 4 bis 7 auf. Da die Bai ringsum, mit Ausnahme nach