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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Ar 
Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Parnafls“, 
Dieser, nur eine kurze Zeit andauernde, aber sehr heftige Orkan scheint 
eine nur geringe Ausdehnung gehabt zu haben. In den Mazatlan benachbarten 
Plätzen ist derselbe, soviel ich weile, nicht gespürt worden. Der Kapitän eines 
am Morgen des 21. September in Mazatlan angekommenen amerikanischen 
Dampfers theilte mir mit, dafs er zur Zeit, als wir den Orkan durchzumachen 
hatten, mit seinem Schiffe nur 50 Sm westlich von dem genannten Hafen ge- 
standen habe, ohne von demselben etwas gemerkt zu haben. Er hatte einen 
frischen NW-Wind bei stetigem Barometerstande. 
Nach der Aenderung des Windes und des Luftdruckes zu schlielsen, war 
die Fortbewegung des Orkans eine sehr rasche und zwar in ungefähr nordnord- 
westlicher Richtung. 
Bis zum 14. Oktober, an welchem Tage Mazatlan wieder von un8 ver- 
lassen wurde, war das Wetter gut. 
N. Altata. 
Unser nächster Bestimmungsplatz war Altata, woselbst wir Silbererz und 
Rothholz zu laden hatten. Die Zurücklegung der nur 120 Sm betragenden Ent- 
fernung von Mazatlan dorthin beanspruchte infolge von flauen nordwestlichen 
Winden und Windstillen 5 Tage, so dals wir erst am 19. Oktober vor der Barre 
von Altata anlangten. Der Lootse kam gleich an Bord, worauf wir mit frischem 
Westwinde über die Barre nach Altata einsegelten und quer ab von der Muelle 
(Landungsbrücke) auf einer Wassertiefe von 14,6m (8 Fad.) ankerten. Die 
niedrigste auf der Barre von uns gelothete Tiefe betrug 5,2 m (17 Fufs), und 
zwar war dieses 2 Stunden nach Hochwasser. 
In Altata ist der Liegeplatz der Schiffe ganz nahe am Lande, kleine 
Fahrzeuge und die Dampfer legen zum Löschen und Laden direkt an die Muelle. 
Die Strömung, sowohl ein- wie auslaufend, erlangt manchmal eine bedeutende 
Geschwindigkeit, bis zu 7 bis 8 Knoten. Ob ein Schiff, während eines Orkans 
in Altata sicher liegt, wage ich nicht zu entscheiden, wenngleich eine hohe 
See hier nicht aufkommen kann. Wenn aber in einem Orkan der Wind aus 
derselben Richtung weht, aus der die Strömung läuft, so glaube ich kaum, daß 
Anker und Ketten das Schiff halten können. 
Das Trinkwasser in Altata ist gut und leicht und billig an Bord zu 
schaffen. 
Während unserer dreiwöchigen Anwesenheit hierselbst, hatten wir stets 
schönes, beständiges Wetter; Nachmittags frischen Westwind (Seebriese), in der 
Nacht Windstille oder leichte Landbriese. 
I. Playa Colorada. 
Am 9. November verlielsen wir im Schlepptau eines kleinen Fracht- 
dampfers Altata, Wegen des herrschenden westlichen Windes, der dem Kurse 
der Schiffe über die Barre gerade entgegen weht, ist ein Schleppdampfer beim 
Ausgehen meistens unentbehrlich. Auf der Barre fanden wir dieselben Tiefen, 
wie beim Einkommen. Unser nächster Bestimmungsort Playa Colorada, woselbst 
wir unsere Ladung zu vervollständigen hatten, liegt 40 Sm nordwestlich von 
Altata. Zur Zurücklegung dieser Entfernung benöthigten wir drei Tage; dann 
ankerten wir aufßserhalb der Barre von Playa Colorada auf einer Wassertiefe 
von 12,8 m (7 Fad.), Perikuete in der Peilung NO. 
Nachdem man auf der Rhede von Playa Colorada zu Anker gekommen 
ist, mufs man mit seinem Boot nach der 14 Sm entfernten Stadt hinauffahren, 
am sich anzumelden, weil das Schiff von dort aus nicht gesehen werden kann 
and daher das Zollboot nicht heraus kommt. Wir hatten von Altata einen mit 
den Verhältnissen in Playa Colorada bekannten Mann mitgenommen, der als 
Stauer des Rothholzes und gleichzeitig als Lootse diente. Ohne einen solchen 
Mann bei sich im Boote zu haben, ist es dem Kapitän, der zum ersten Male nach 
hier kommt, unmöglich, den Weg vom Schiffe nach Playa Colorada zu finden, 
weil das Fahrwasser gänzlich falsch in der Karte verzeichnet ist. Die Ladung 
wird durch Segelfahrzeuge von 30 bis 40 Tonnen Größe längsseits gebracht;
	        
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