Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Parnafs“,
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Aus dem Reiseberichte des Kapt. J. Früdden von der deutschen
Bark „Parnals“.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
1. Beschreibung eines Orkans im Hafen von Mazatlan.
Schon auf unserer Reise von Bremen nach Mazatlan hatten wir zwischen
17,0° N-Br in 105,0° W-Lg und 195° N-Br in 107,0° W-Lg vom 10. bis
11. September 1888 einen orkanartigen Sturm durchzumachen, der aus N be-
gann, mit der Stärke 11 auf SSW. sprang. und dann, auf SE zurückholend, ab-
nahm und bei. dem das Barometer mit 742,2 mm (red.) seinen tiefsten Stand
erreichte. Am 13. September 12 Uhr Mittags befanden wir uns auf 23,2° N-Br
und .106,6° W-Lg;, in der Nähe der Insel Creston bei Mazatlan. Wir hatten
hier zu kreuzen, um unsere Order zu erwarten, und kamen daher erst am
16. September um Mittag im Hafen von Mazatlan auf einer Wassertiefe von
20,1 m (11 Fad.), der Leuchtthurm auf der Insel Creston in WNW, zu Anker.
In der nächsten Zeit hatten wir gutes Wetter bei leichten westlichen Winden
und einer drückenden Hitze am Tage, so auch am 20. September. Gegen den
Abend dieses Tages bezog sich der bis dahin klare Himmel, und der flaue Wind
holte. durch N auf NE. Um 8 Uhr begann es zu regnen, wobei das Barometer
noch seinen gewöhnlichen Stand der voraufgegangenen Tage. von 760 mm (unred.)
hatte. Als dasselbe jedoch gegen 10 Uhr Neigung zum Fallen zeigte, machten
wir Alles fertig, um nach See zu flüchten. . Um 11 Uhr war das Barometer
1 mm gefallen, . und es traten bereits einige frische Windstöfßse auf, weshalb wir
anfingen, Kette einzuwinden; allein schon 10 Minuten später fiel der Wind mit
giner solchen Heftigkeit aus ENE ein, dafs an ein Lichten des Ankers nicht
mehr‘ zu denken war. Wir setzten daher das Vorstengstagsegel, schlippten die
Ankerketite und machten die Untermarssegel los. Kaum war dieses geschehen,
so brach” der Orkan mit einer solchen Wuth los, daß die Untermarssegel, die
wir beisetzen wollten, trotzdem die Segel fast neu waren, wie Papier in Fetzen
wegflogen. — Es gelang uns nur noch, das Grofsgaffelsegel zu setzen, das einzige
Segel, welches der Kraft des Windes erfolgreich widerstand, während das Vor-
stengstagsegel ebenfalls wegflog, weil die sämmtlichen eisernen Legel durch-
brachen. Um 11* 40” Abends hatte der Orkan bereits seine Richtung auf SSE
verändert; als ich zur selben Zeit eine Ablesung des Barometers vornahm, fand
ich, dafs dasselbe in der kurzen Zeit von 40 Minuten bis auf 743 mm (unred.),
also um 16mm gefallen war. Der Wind drehte sich immer weiter nach rechts
and war um 12* 30° bereits SW geworden, wobei das Barometer rasch wieder
auf 753,5 mm (unred.) gestiegen war. Von jetzt an nahm der Orkan, bei auf-
klarender Luft, rasch ab, so zwar, dafs um 1 Uhr nur noch ein mäfsiger West-
sturm. wehte. Dieses war auch unser Glück, denn wir lotheten gleichzeitig nur
22m (12 Fad.) Wasser, Wir ließen. daher unseren Anker fallen und steckten
die ganze. vorhandene Kette aus. Als die Luft eine halbe Stunde später sich
vollständig aufklarte, während welcher Zeit der Weststurm bis zu einer frischen
Briese abgenommen hatte, fanden wir, dals das Schiff etwa 1 Sm im Westen,
also luvwärts, von der Insel Pajaros lag. Während des Orkans war es.so dick
von Regen gewesen, daß wir keine Schiffslänge weit sehen konnten,. eine
nennenswerthe See hatte sich. glücklicherweise nicht eingestellt. Um 8 Uhr
Morgens, den 21. September, wehte bereits wieder eine frische nordöstliche
Briese, weshalb wir unter Segel gingen, um unseren Ankerplatz in Mazatları
wieder aufzusuchen. Allein der Wind holte bald durch E südlich und wurde
ganz still. Dadurch entfernte sich das Schiff immer weiter vom Lande und
gerieth in. den starken nördlichen Strom, .der es am Abend bis nach Piastla
trieb. Die Folge davon war, dafs wir volle drei Tage benöthigten, um unseren
Ankerplatz in Mazatlan wieder zu. erreichen,