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Das Klima Helgolands.
Wenn auch die einzelnen Mittel im Hinblick auf die nur fünfzehnjährigen
Beobachtungen noch nicht auf grofse Genauigkeit Anspruch erheben können, so
dürften sie doch vom praktischen Standpunkte nicht ohne Interesse sein; über-
dies geben sie immerhin ein Bild von den kurz dauernden regelmäfsigen Wärme-
änderungen, die im Monatsmittel ganz verwischt sind. — Wir finden dieselben
Kälterückfälle (Mitte Februar, Mitte März, Mitte Juni, Anfang Juli).und die
meisten Wärmerückfälle (Anfang und Ende Dezember) wieder, die unter Anderen
insbesondere von Hellmann ') für Norddeutschland nachgewiesen sind, obwohl
dabei auf ganz anderen Beobachtungsjahren gefufst wird, als hier — ein neuer
Beweis dafür, dafs jene Wärmeschwankungen nicht zufällige, sondern regel-
mäfsige, auf natürlichen Ursachen beruhende zu nennen sind. Die Periode
stärkster Erkaltung tritt auch in Helgoland um die Mitte Januar ein, obzwar
beim ersten Kälterückfall (Mitte Februar) die Temperaturerniedrigung nur wenig
geringer ist. Was aber die Insel von Norddeutschland unterscheidet, ist der
schon durch die Monatsmittel angedeutete verspätete Eintritt des Temperatur-
maximums im August, während derselbe dort allgemein in die zweite Hälfte
des Juli fällt. In dem 35jährigen Durchschnitt, welcher der Hellmann’schen
Untersuchung zu Grunde liegt, sieht man an den nordwestdeutschen Stationen
deutlich ein sekundäres Maximum um die Mitte August, das sonst gar nicht
oder nur schwach angedeutet erscheint. Dasselbe wird wohl am einfachsten
auf die beträchtliche Wärmezunahme der Nordsee bis zu dieser Zeit zurück-
geführt, und es liegt ferner der Schlufs nahe, dafs aus demselben Grunde über
der Nordsee selbst dieses sekundäre Maximum zum Hauptmaximum wird. Diese
ungezwungene Erklärung, sowie der Umstand, dafs der Maximalwerth mehrere
Pentaden hindurch im August anhält und um den immerhin bemerkenswerthen
Betrag von 0,7° über dem höchsten Pentadenmittel des Juli liegt, lassen trotz
der geringen Beobachtungsdauer die Behauptung gerechtfertigt erscheinen, dafs
im Gegensatz zu Deutschland die Periode gröfster Wärme auf Helgoland
mit Sicherheit erst in der Mitte des August einzutreten pflegt.
Auch in dem durch die fünftägigen Mittel gekennzeichneten jährlichen
Gange der Lufttemperatur zeigt sich das überaus milde Klima Helgolands. Eine
Vergleichung der wärmsten und kältesten Pentade, sowie der Jahresamplitude
von Helgoland mit einigen anderen Orten Norddeutschlands, wie sie die folgende
Zusammenstellung gestattet, läfst dies unmittelbar absehen.
Temperatur
der
wärmsten kältesten
Pentade
Helgoland 16,5 D.6
Zmden 17,7 N
Kiel 17,8 — 3
Meldorf 18,1 7
Hannover 18,9 ü,1
Posen 19,6 —1.2
Berlin 19,3 — 3,0
Klaufsen 18,3 — 5,9
Ampli-
tude
(5,9
17,6
18,1
18,8
18,5
20,8
22,8
4.92
Es erscheint selbstverständlich, dafs ähnlich wie im jährlichen Gange
auch im täglichen der maritime Klimacharakter Helgolands zum Ausdruck
kommen und stärker ausgeprägt erscheinen wird als irgendwo an der deutschen
Küste und noch mehr im Binnenlande. Eine genaue Darstellung des täglichen
Verlaufes ist in Ermangelung von Registrirbeobachtungen nicht möglich, man
mufs sich daher in üblicher Weise auf die drei Terminmittel und die mittleren
täglichen Extreme beschränken. Die letzteren geben unmittelbar die tägliche
Amplitude der Temperatur, welche als ein wichtiges klimatisches Element zu
allererst bei Betrachtungen nach dieser Richtung herangezogen werden muls.
Zwar läfst sich die Befürchtung nicht unterdrücken, dafs die Angaben
der Extremthermometer bei Helgoland etwas extremer ausgefallen sind, als wie
ı) Ueber den jährlichen Gang der Temperatur in Norddeutschland von G. Hellmann,
Zeitschrift des Statistirchen Bureaus, 1883.