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Das Klima Helgolands.
feste Erdreich. Umgekehrt hindert aber bei beginnender Ausstrahlung die
specifische Wärme des Wassers schnelle Erkaltung, zudem sinkt das kühler ge-
wordene Oberflächenwasser vermöge seiner gröfseren Schwere herab und läfst das
wärmere Wasser der Tiefe an die Oberfläche treten; da nun die darüberlagernde,
verhältnifsmäfsig feuchte Luft die vom Wasser abgegebene Wärme zumeist verschluckt
und die in der Höhe bald eintretende Kondensation weitere Ausstrahlung ver-
hindert oder doch mindert, so mufs auch die Erkaltung der Atmosphäre ver-
langsamt und verringert werden. Auf diesen allgemeinen Momenten beruht der
gleichmäfsige Temperaturverlauf der Luft über dem Meere. — Dadurch, dafs sich
unter dem Einflafs der Strahlung die Temperatur des Wassers von der Ober-
fläche nach der Tiefe zu nur mälig und wenig ändert, sind wir in der glück-
lichen Lage, den Einflufs der Meeresoberflächentemperatur auf den Gang der
Wärmeverhältnisse in den darauf ruhenden atmosphärischen Schichten zahlen-
mäfig genauer zu verfolgen, während wir noch weit davon entfernt sind, die
Einwirkung der der Aus- und Einstrahlung ausgesetzten Erdbodenoberfläche auf
die unteren Luftschichten gleich sicher veranschaulichen zu können, weil eine
einwurfsfreie Bestimmung der Temperatur in den obersten Lagen des der Strahlung
anterworfenen Erdbodens sehr schwierig und noch keineswegs als gelungen zu
betrachten ist.
Für Helgoland wurden nun aus dem Zeitraum 1875/89 — mit Ausschlufs
des zweiten Halbjahres 1889, für welches zur Zeit der Abfassung dieses Artikels
die Veröffentlichung der Wassertemperaturbeobachtungen seitens der Kieler
Kommission noch aussteht — folgende Mittel und Extreme der Temperatur
des Meerwassers zusammengestellt.
Tabelle II.
Temperatur des Oberflächenwassers bei Helgoland (1875/89).
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jahr
3,7 27 30 51 84 126 15,5 17,2 16:22 13,0 93 64 9,4
Mittleres - #
Monats-Maximum 4,8 35 40 69 10,3 148 17,2 17,9 17,1 14,7 110 7%4 180
Mieres 26 20 19 37 63 104 13,9 163 151 114 75 49 15
Monats-Minimum
Absolutes = 9 - v
Monats-Maximum 64 52 87 15,0? 12,4 17,3 184 19,5 188 16,1 12,77 94 19,5
Absolutes 0
Monate-Minimum —1,0 —14-—1,0 11 38 86 114 140 138 89 54 36 —14
Mittel-Temperatur
In den geringen mittleren und absoluten monatlichen Schwankungen so-
wohl, wie auch im jährlichen Gange der Meerestemperatur erkennen wir mittelbar
die thermischen Eigenschaften des Wassers, die oben angedeutet waren. Um
nun den Einflufs auf den jährlichen Verlauf der Lufttemperatur mit einem Blicke
‚übersehen zu können, sind die Jahreskurven der Luft- und Wasserwärme von
Helgoland im folgenden Diagramm dargestellt, welchem zum Vergleich auch die
Jahreskurve der Lufttemperatur zu Berlin beigefügt ist, welche nahezu mittleren
Verhältnissen innerhalb Norddeutschlands entspricht.
Wir sehen, wie die Verzögerung des Eintreffens der Extreme der Luft-
temperatur lediglich durch den verlangsamten Wärmegang im Meere bedingt
wird, wie sowohl im aufsteigenden als im absteigenden Aste der Jahreskurve
die Meereswärme limitirend auf die Luftwärme wirkt, indem sie die letztere
zwingt, sich ihr möglichst anzuschliefsen. Würde immer Windstille herrschen,
dann wären beide noch mehr in Uebereinstimmung. In Wirklichkeit führen die
östlichen Windströmungen kontinental temperirte, die westlichen im Sommer
kühlere, im Winter wärmere Luftmassen herbei, welche nun in ihren Wärme-
verhältnissen durch die der Wasserunterlage moderirt werden. Herrschen die
vom Meere her wehenden Winde vor, dann ist schon die Nähe des Oceans von
grofsem Einflufs auf die Milderung der Temperaturgegensätze, und dieser Einfluß
wird insbesondere bei den Küstenländern hervortreten; am begünstigtsten aber
müssen die Inseln erscheinen, weil auch die Landwinde durch Berührung mit dem
Meere ihren kontinentalen Charakter mehr oder minder einbüfßsen. — Inwieweit
endlich die Temperatnr des Meerwassers auf den absoluten Stand der LImft-