Das Klima Helgolands.
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gaben über Luftdruck, Feuchtigkeit und Winde im Frühling und Herbst der
Jahre 1879—1886 auch zehnjährige Mittelwerthe und Extreme der Luft- und
Wassertemperatur mitgetheilt werden; in dieser Abhandlung kann immerhin
wenigstens in Bezug auf Temperatur eine erstmalige Klimaskizze gefunden werden.
Es ist selbstverständlich, dafs sich bei einem Badeorte das Hauptinteresse auf
die Temperaturverhältnisse richtet, und da nun bei Helgoland dieselben auch in
allgemein meteorologischer Beziehung wichtig genug erscheinen dürften, sollen
sie auch hier eingehender besprochen werden.
Es wird hier nicht die Aufgabe sein, das Klima Helgolands nach all-
gemeinen Zügen zu charakterisiren, mit weit auseinanderliegenden Gegenden
bezw. deren meteorologischen Verhältnissen in Zusammenhang zu bringen und
die Zugehörigkeit zu großen Klimagebieten zu erweisen; vielmehr wird es
passender und natürlicher sein, die aus dem vorhandenen Beobachtungszeitraum
sich ergebenden Mittelwerthe u. s. w. durch Vergleichung mit denjenigen
deutscher, insbesondere nordwestdeutscher oder sonst speciell in Frage kommender
Orte in das rechte Licht zu setzen.
Temperatur.
Ganz Deutschland und insbesondere der westliche Theil erfreut sich einer
verhältnifsmäfsig sehr milden Witterung infolge des Vorherrschens der von einem
durchschnittlich wärmeren Meere her wehenden westlichen Winde. Die Lage
Helgolands mitten in einem warmen Meerestheile selbst läfst es nun von vorn-
herein als wahrscheinlich erscheinen, daß die Insel in Bezug auf Temperatur-
verhältnisse noch mehr begünstigt ist, als das nahe Festland. Aus dem Verlaufe
der Jahres-Isothermen ist dies auch längst schon im Allgemeinen bekannt: die
deutsche Nordseeküste ist durchaus wärmer als das übrige Norddeutschland unter
gleicher Breite und um so beträchtlicher, je weiter östlich oder kontinental
gelegene Orte zur Vergleichung herangezogen werden. Helgoland selbst wiederum
scheint, nach dem auf dem 15jährigen Zeitraum (1875—1889) beruhenden Durch-
schnittswerthe der Lufttemperatur, wenn auch nur unbedeutend, wärmer als die
Küste zu sein, auch in deren südlichen Erstreckung. Einige Beispiele mögen
dies veranschaulichen, wobei die aufs Meer reducirten Werthe zur Vergleichung
zu benutzen sind.
Mittlere Jahrestemperatur in °C,
direkt
aufs Meer reducirt
Helgoland
Westerland 1)
Meldorf
Itterndorf
Emden
Kiel
Putbus
Köslin
Königsberg i. Pr.
Klaussen
8.3
85
Nordseeküste
|
8,2
3,3
3,3
Q 4
8,2
8,3
8,3
RA
Gleiche Breite
nit Helgoland;
zunehmende
5stliche Länge
/
4,1
7,6
7.1
6
6,3
A,1
7,9
7,3
6,7
6,9
i) Die hier und im Folgenden angegebenen Normalwerthe der verschiedenen Stationen sind
zumeist den betreffenden Monographien entlehnt, nämlich: die Witterungsverhältnisse von Derlin
von Dove und das Klima von Berlin in der Festschrift „Die Anstalten der Stadt Berlin“ (von
V. Kremser), Klima der Stadt Braunschweig von F. Klages, Mittheilungen der Universitäts-Stern-
warte zu Breslau von J. G. Galle, die Wärme- und Regenverhältnisse Srombergs von R. Heffter,
Boden, Klima und Witterung von Ostfriesland (Emden) von Prestel, die Temperaturverhältnisse
von Eutin von Bösser, Jahresberichte des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. v.J. 1881 (mit
vieljährigen Mittelwerthen), Meteorologische Mittelwerthe für Görlitz von O. Baschin (Manuskript),
Einiges über die physikalischen Verhältnisse von Hamburg und Umgebung aus der Festschrift der
49. Versammlung dentscher Naturforscher und Aerzte, das Klima des Regierungsbezirks Hannuver
von V. Kremser aus der Festschrift des dortigen Landwirthschaftlichen Hauptvereins, Beiträge zur
Landeskunde von Schleswig-Holstein (Kiel) von Karsten, Klimatische Verhältnisse vom Niederrhein
(Kleve) und Meteorologische Beiträge von Felten, Wärme- und Regenverhältnisse von AKonitz
von Paszotta, Klima und Resultate aus den meteorologischen Beobachtungen zu Königsberg von
E. Luther, Resultate meteorologischer Beobachtungen zu Löningen von König (in den vom Preufs,
meteorologischen Institut veröffentlichten Ergebnissen v. J. 1884), Klimatische Verhältnisse von Mar-