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Das Klima Helgolands,
Der Vollständigkeit wegen darf nicht unerwähnt gelassen werden, dafs im
Jahre 1888 seitens der englischen meteorologischen Gesellschaft auf dem zum
Leuchtthurm gehörigen Terrain eine zweite Station, unabhängig von der älteren,
nach dem Muster der übrigen englischen Stationen errichtet wurde, welche in-
sofern noch reichhaltiger an Instrumenten ist, als auf dem alten Feuerthurm
Beckley’sche Windregistririnstrumente in Funktion sind. Da über die Beob-
achtungsresultate derselben bisher nirgends etwas veröffentlicht worden ist,
konnten sie hier keine Berücksichtigung finden,
So lange Herr Schmidt der preufsischen Station vorsteht, befinden sich
die Thermometer an der Nordseite der betreffenden Wohnhäuser, 4m über dem
Erdboden. Die Aufstellung derselben innerhalb des sehr eng gebauten Ortes
wäre trotz der "Thermometerhöhe von 4m an sich nicht günstig zu nennen, wenn
nicht die stets lebhafte Luftbewegung auf der Insel eine hinreichende Ventilation
und damit ein Abhalten störender Einflüsse zur Folge hätte. Die Höhe des
Barometers über dem Meere beträgt gegenwärtig und zurück bis 1882 genau
44,2 m. Diese Zahl dürfte aber auch für die früheren Aufstellungen nahezu zu-
treffend sein, da die Strafsenniveaux nur wenig verschieden sind und die Höhe
des Barometers über dem Erdboden ungefähr dieselbe blieb, nämlich gleich der
der Thermometer war. Der Regenmesser hat eine einwandfreie Aufstellung auf
einem zur Schule gehörigen Flatze; die Höhe seiner Auffangfläche über dem
Erdboden betrug bis 1887 2m, seitdem 1m.
Die Beobachtungsstunden waren bis zum Jahre 1886 inkl. 6 Uhr Vor-
mittags, 2 Uhr Nachmittags und 10 Uhr Abends, seit 1887 aber 7a, 2p, 9p.
Da Helgoland seit 1884 zu den vom Meteorologischen Institut in Berlin
inspicirten Stationen gehört, dürften von jener Zeit an insbesondere die Krgeb-
nisse der instrumentellen Beobachtungen völlig vertrauenswerth erscheinen.
Für die nachfolgenden Untersuchungen wurde nun, auch einer gewissen
Einheitlichkeit wegen, der Zeitraum 1875—1889 zu Grunde gelegt — mit Aus-
nahme der Niederschlagsmengen, worüber unten Näheres gesagt werden wird,
sowie anderer Einzelheiten, bezüglich derer an den betreffenden Stellen Ver-
merk gemacht werden soll. Zwar ist eine fünfzehnjährige Beobachtungsdauer im
Allgemeinen nicht genügend, um den meteorologischen Mittelwerthen eine bis
ins Kleinste gehende Genauigkeit zu sichern, doch ist sie für den vorliegenden
Zweck umsomehr ausreichend, als die Veränderlichkeit der klimatischen Elemente
auf Helgoland vielleicht am geringsten von allen deutschen Stationen und daher
die Zuverlässigkeit der Mittelwerthe verhältnifsmälsig am gröfsten ist.
Zu der Bearbeitung wurden bis 1878 ausschliefslich die im Archiv des
meteorologischen Instituts befindlichen Abschriften der monatlichen Witterungs-
tabellen benutzt, bei denen die meisten Mittelwerthe neu zu berechnen waren.
Von einer unmittelbaren Verwerthung der in den Ergebnissen der Kieler Kom-
mission schon veröffentlichten Einzelbeobachtungen und Monatsmittel wurde
Abstand genommen, da mehrere Stichproben belangreiche Rechen- oder Druck-
fehler — offenbar vielfach durch die umfangreichen Umrechnungen aus den alten
Mafsangaben in die neuen veranlaßst — ergeben hatten. Lediglich die Beob-
achtungen der Meerestemperatur lieferten die Ergebnisse der Kieler Kommission,
da die Manuskripte der meteorologischen Tabellen hierüber nichts enthielten.
Von 1879 an wurden die meisten Werthe den vom meteorologischen Institut
herausgegebenen Ergebnissen der einzelnen Jahrgänge, alle anderen den Tabellen
direkt entnommen. Im Jahre 1880 zeigt sich eine kleine Lücke in den Beob-
achtungen, indem Januar bis März die Termintemperaturen, Januar bis Oktober
die Feuchtigkeitsangaben fehlen; die betreffenden Werthe wurden nach Meldorf
interpolirt, und dürften diese keine wesentlichen Abweichungen gegen die wirk-
lichen aufweisen.
Das Klima Helgolands ist bisher keiner umfassenden Untersuchung unter-
zogen worden. Erwähnt zu werden verdient jedoch eine im Jahre 1889 er-
schienene, von Dr. med. Lindemann verfaßte Schrift über Helgoland,*) in
welcher die Beziehung der atmosphärischen Zustände und der Wirkungen des
Seehades zu den Gesundheitsverhältnissen besprochen und aufser einigen An-
4) „Die Nordseeinsel Helgoland in topographischer, geschichtlicher und sanitärer Beziehung“
von Dr. Kmil Lindemann. Berlin 1889 (Hirschwald).