accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Ann. d. Hydr. ete., XIX. Jahrg. (1891), Heft V. 
fr 
r 
al 
Das Klima Helgolands. 
Von Dr. V. Kremser. 
Einleitende Bemerkungen über die Stationsverhältnisse, die Beobachtungen 
; und deren Verarbeitung. 
Jeder neue Besitz regt naturgemäfs dazu an, alle wesentlichen Eigenthüm- 
lichkeiten desselben baldmöglichst eingehender kennen zu lernen, um ihn nach 
seinem wahren Werthe richtig beurtheilen und vorkommenden Falls passend ver- 
werthen zu können. Erscheint es schon unter diesem allgemeinen Gesichtspunkte 
angezeigt, von unserer jüngsten deutschen Erwerbung, dem einsamen Felseneiland 
Helgoland, auch das Klima sorgfältiger zu untersuchen, so fordern hierzu die 
Besonderheiten der meteorologischen Verhältnisse auf jenem kleinen, aber inter- 
essanten Stückchen deutscher Erde noch mehr heraus. ; 
In 7° 51‘ O-Lg von Greenwich und unter 54° 10‘ N-Br gelegen, mehr als 
50km vom nächsten Festlandspunkte entfernt, in geringer Ausdehnung aus dem 
offenen Meere herausragend und in Bezug auf vertikale Gliederung, wenigstens 
in seinem hier allein in Frage kommenden oberen, 40 bis 560 m über dem Meeres- 
niveau liegenden Theile, sehr gleichmäfsig gestaltet, muß die Insel von vorn- 
herein als der ausgezeichnetste Repräsentant des Seeklimas innerhalb Central- 
europas aufgefafst werden. Diese Eigenthümlichkeit, sowie der Gedanke, dafs 
Helgoland. in natürlicher Beziehung mehr zu Deutschland als zu England gehöre, 
haben die Kieler Kommission zur Erforschung der deutschen Meere schon im 
Jahre 1873 veranlafst, zur genaueren Feststellung der Witterungsverhältnisse hier 
eine meteorologische Station ins Leben zu rufen. Da hierzu der englische 
Gouverneur bereitwillig seine Genehmigung ertheilte und da in der Person des 
Lehrers Parkinson bald ein geeigneter Beobachter gefunden wurde, konnten 
bereits Ende 1873 die Beobachtungen ihren Anfang nehmen. 
Die Station befand sich immer auf dem „Oberlande“ der Insel, zuerst im 
Schulhause. Bald jedoch, Beginn 1875, wechselte der Beobachter und mit ihm 
die Stationslage, indem vom 1. Mai 1875 ab Lehrer Schmidt die Beobachtungen 
übernahm und die Instrumente in seiner Wohnung, Hamburger Strafe, anbrachte. 
In den Händen dieses verdienten Beobachters verblieb nun die Station bis zur 
Gegenwart, und zwar die längste Zeit in der genannten Strafe; nur vom 1. De- 
zember 1878 bis 1. März 1882 befand sich die Wohnung und mit ihr die Station 
an einer anderen Stelle, nämlich in der Prinzefsstrafse, ohne dafs jedoch hiermit 
eine wesentliche Veränderung der Stationsverhältnisse eingetreten gewesen wäre. 
Das Stationsinventarium umfafßste Anfangs ein kompensirtes Gefäfsbaro- 
meter mit Lederbeutel von Greiner, Psychrothermometer und Extremthermometer 
nach altem Mafs und einen Regenmesser mit einer Auffangfläche von 1 rheinischen 
Quadratfufs. Als die Station jedoch allmählich mit dem Königlich preufsischen 
Meteorologischen Institut, welches durch Vermittelung des Herrn Professors 
Karsten in Kiel die Beobachtungen von Anbeginn in Abschrift erhalten hatte, 
in direkte Verbindung trat, wurde auch das Instrumentarium erneuert bezw. ver- 
bessert, indem ein neuer Regenmesser (System Hellmann, Auffangfläche == */so qm), 
ein Gefäflsbarometer mit reducirter Skala von Fuess, geprüfte Celsiusthermometer 
von derselben Firma, eine durchgehende Windfahne und das T’hermometergehäuse 
des Institus an die Station abgegeben wurde. Endlich ist noch ein Schade- 
well’sches Anemometer mit direkter Ablesung der Zahl der Umdrehungen des 
Schalenkreuzes in Gebrauch.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.