L68 Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886.
punkt am 15. November Nordirland erreichte, verursachte anhaltende Westwinde,
bei denen dieses Schiff nur sehr langsam nach Süden vorrücken konnte. Erst
nachdem das Hochdruckgebiet sich mehr verschoben und die auf Karte XL an-
yegebene Gestalt angenommen hatte, wurde die Windrichtung wieder eine öst-
liche. Das Tiefdruckgebiet derselben Karte, dessen merkwürdige, vom Mittel-
meer kommende und nach Südwesten gerichtete Bahn sich bis zur Mitte des
Oceans verfolgen läfst, verursachte bei „Emanuel“ und „Pionier“ eine längere
Unterbrechung des günstigen Windes. Die beiden Schiffe mufsten infolge dessen
sehr weit nach Süden hin vorrücken, bevor sie die polare Passatgrenze er-
reichten. „Pionier“ und „Emanuel“ fanden sie erst in der Nähe von den
Kap Verden, während „Canopus“ dieselbe schon am 29. November unweit von
31,5° N-Br in 21° W-Lg angetroffen hatte. Der Passat hielt an, bis am 6. De-
zember „Emanuel“ nach 5,4° N-Br in 25,7° W-Lg, „Pionier“ am selben Tage
nach 5° N-Br in 26° W-Lg und „Canopus“ am 8. Dezember nach 5,7° N-Br in
22,8° W-Lg gelangt war. Die Ueberschreitung des Stillengürtels nahm bei allen
Schiffen keine sehr lange Zeit in Anspruch.
4. Reisen von Süd nach Nord.
Von Schiffen, welche den Atlantik auf nach Norden führender Route über-
schritten, erhielt die Seewarte für die vorliegende Jahreszeit aus schon früher
erwähnten natürlichen Gründen nur eine verhältnifsmäfsig geringe Zahl von
Tagebüchern. Von den eingelieferten 15 waren 11 an Bord von zum Norden
Europas bestimmten Schiffen, 3 auf Reisen nach Cadix oder Lissabon und eins
auf einer Fahrt nach New-York geführt worden. Die mittlere Dauer der ersteren
Reisen betrug 36 Tage. Die kürzeste Fahrt wurde von „/fieronymus“ in 25,
die längste von „Confluentia“ in 52 Tagen ausgeführt.
Die erste Gruppe von Mitseglern, welche während des ersten Drittels des
September den Aequator überschritt, besteht aus: „J. F. Pust“, „Conyluentia“,
„Hieronymus“, „Roland“, „Schiller“ und „Ingeborg“. Von denselben war das
letztere nach Cadix, die übrigen nach Nordeuropa bestimmt. Alle diese Schiffe
wurden nördlich der Linie zunächst noch von frischem Südostpassat begünstigt.
Aus demselben ging später, indem der Wind sich durch Süd, West und Nord
drehte, der Nordostpassat hervor, ohne dafs dabei nennenswerthe Stille oder
Mallung beobachtet wurde. Der überall nicht lange herrschende Südwestmonsun
webte auffallender Weise bei dem am westlichsten stehenden „J/. F. Pust“ am
längsten. Die südliche Passatgrenze wurde angetroffen von: „J. F. Pust“ in
14,2° N-Br und 30,4° W-Lg am 14. September, von „Conjfluentia“ in 13,6 N-Br
und 24,6° W-Lg am 19. September, von „Hieronymus“ in 14° N-Br und 26,5 W-Lg
am 14. September, von „Roland“ in 13,5° N-Br und 28° W-Lg, wie von „Schiller“
in 11,8° N-Br und 25° W-Lg und von „Ingeborg“ in 12,4° N-Br und 24° W-Lg
am 15. September, Der später zwischen 16° und 26° N-Br am frischesten
wehende Passat trat nördlich vom letzteren Parallel nur schwach und unbe-
ständig auf, begleitete die Schiffe aber bis in verhältnilsmäfßsig hohe Breiten.
Seine polare Grenze wurde überschritten von: „J. F. Pust“ in 34° N-Br und
35,5° W-Lg am 25. September, von „Confluentia“ in 31,5° N-Br und 33° W-Lg
am 2, Oktober, von „Hieronymus“ in 34,3° N-Br und 37° W-Lg am 25. Sep-
tember, von „Roland“ in 34,3° N-Br und 37,7° W-Lg am 25. September, von
„Schiller“ im 31,5° N-Br und 36,4° W-Lg am 26. September und von „Ingeborg“
in 325° N-Br und 32° W-Lg am 26. September. Alle Schiffe befanden sich
damals, wie Karte XXXIII zeigt, inmitten eines Hochdruckgebietes, und es
drehte sich, der Wetterlage entsprechend, der Wind dann auch bald durch Süd
nach West. „Roland“ überstand am 29. September unweit von 44,5° N-Br in
29° W-Lg einen sehr heftigen Sturm, welcher aus Südwest begann und aus
Nordwest endete und von einem niedrigsten Barometerstande von 747mm be-
gleitet war. Derselbe wurde verursacht durch jenes Tiefdruckgebiet der Karte
XXXII, dessen Mittelpunkt am 29. September in 46° N-Br und 28° W-Lg zu
liegen schien. Der letzte Reiseabschnitt konnte sonst von fast allen Schiffen
in befriedigend rascher Weise vollendet werden. Dafs die Reise der „Confluentia“
eine so ungewöhnlich lange Zeit in Anspruch nahm, war wohl nur eine Folge
sehr geringer Segelfähigkeit. Denn zur gleichen Zeit, als sie ausgeführt wurde,
legte „Hieronymus“ die Strecke zum Kanal in 25 Tagen zurück. Auch die nach