Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886, 167
„Paul Thormann“ 3,8° N-Br in 26,6° W-Lg am 8, November, „Speculant‘“ 5° N-Br
in 23,7° W-Lg, wie „J. W. Güildemeister“ 3,6° N-Br in 25,2° W-Lg am. 6. No-
vember, „Luna“ 5° N-Br in 24° W-Lg, wie „Poncho“ 4,2° N-Br in 25° W-Lg
am 2, November erreicht hatte,
Die nach der vorerwähnten Gruppe in der Liste folgenden acht Schiffe
legten von allen hier angeführten den Weg zur Linie in kürzester Zeit zurück.
Mit Ausnahme der nach Lagos bestimmten „Margaretha Gaiser‘“ gebrauchte
keines derselben längere Zeit als 26 Tage, um den Aequator zu erreichen.
„Wega‘“ konnte sogar nur 20 Tage später, als sie den Kanal verlassen hatte,
von nördlicher in südliche Breite übergehen, Die ersten vier dieser Schiffe:
„Margaretha Gaiser“, „Gudrun“, „Industrie“ und ‚Willy Rickmers‘“ wurden auf
dem ersten Reiseabschnitt nicht so begünstigt, wie es bei den folgenden vier,
„Agustina“, „Fortuna“, „Louise“ und „„Wega“ der Fall war. Die ersteren wurden
anfänglich durch Gegenwinde zurückgehalten, welche eine Folge des Erscheinens
jenes auf Karte XXXVI dargestellten Tiefdruckgebietes waren, das sich von
Nordwesten her im zweiten Drittel des Oktober zur Bai von Biscaya bewegte.
Als die folgenden vier Schiffe ihre Reisen antraten, hatte sich diese Erscheinung
schon so weit nach Süden und Osten fortgepflanzt, dafs deren Mittelpunkt süd-
lich von ihnen lag und sie infolge dessen von kräftigen Nordostwinden begünstigt
wurden. Diese Schiffe trafen, als sie weiter nach Süden hin vorgerückt waren,
auch noch auf südwestliche Winde, doch waren dieselben nur von kurzer Dauer.
Bald befanden sich alle Mitsegler im Bereiche des Hochdruckgebietes der Karten
XXXVI und XXXYVII, die ihnen durchstehende Nordostwinde gewährten, aus
denen sich später bei mehreren der Schiffe ohne vorhergehende Störung der
Passat entwickelte. In noch günstigerer Weise erfolgte der Uebergang vom
Gebiete des Nordost- in das des Südostpassats. „Wega‘“, „Louise“ und „Agustina“
wurden dabei für keinen Augenblick durch Mallung aufgehalten, und die anderen
Mitsegler trafen davon auch nur Spuren an, „Margaretha Gaiser‘“, die ihres
Bestimmungsplatzes halber die Kap Verden an ihrer Östseite passirte, hatte die
polare Passatgrenze am 30. Oktober unweit von 325° N-Br in 185° W-Lg
überschritten. Das Passatgebiet dehnte sich für sie aus bis nach 8,3° N-Br in
16,3° W-Lg. Als sie am 8. November südlich von demselben gelangt war, wurde
sie durch Stille und leichte Mallung in solcher Weise zurückgehalten, dafs erst
am 28. November die Länge des Kap Palmas und am 7. Dezember die Rhede
von Lagos erreicht werden konnte.
Bedeutend ungünstiger als die zuletzt erwähnten verliefen die Reisen von
„Erwin Rickmers“ und „Birma“. Nachdem jenes Schiff 50° N-Br verlassen hatte,
herrschten bei ihm zunächst noch jene durch das sich über dem Golf von Biscaya
bewegende Tiefdruckgebiet verursachten Ostwinde, welche den Reiseanfang der
„Wega“ so begünstigt hatten. Dieselben endeten aber schon bald. Indessen
kamen nach wenigen Tagen bei beiden Schiffen hoch nördliche Winde durch,
bei denen besonders „Birma“ einen recht befriedigenden Fortgang nach Süden
erzielen konnte. Diese Winde hielten sich, entsprechend der Form des östlichen
Theils des Hochdruckgebietes, dem sie angehörten (siehe Karte XXXVIII), ver-
hältnifsmäfsig lange im nordwestlichen Viertel. Passat stellte sich erst ein, als
„Erwin Rickmers‘“ sich am 8. November in der Nähe von 29° N-Br und
19° W-Lg und „Birma“ am 12. November bei 25° N-Br in 21,7° W-Lg befand.
Derselbe trat südlich von 20° N-Br mit gröfster Stärke auf und begleitete die
Schiffe, bis jenes am 19. November nach 4,8° N-Br in 254° W-Lg, dieses am
selben Tage nach 6,8° N-Br in 25° W-Lg gelangt war. Um den Stillengürtel
zu überschreiten, waren in jedem Falle fünf Tage erforderlich. Der Südost-
passat stellte sich bei „Erwin Rickmers“ unweit von 1,4° N-Br in 27° W.-Lg
und bei „Birma“ in der Nähe von 2° N-Br in 254° W-Lg ein. Von diesen
Punkten aus wurde der Aequator nach eintägiger Fahrt erreicht. “
Von den letzten drei Schiffen der Tabelle trafen „Emanuel“ und „Pionier“
gleich zu Anfang der Reise recht günstigen Ostwind an, während „Canopus“
dort nur westliche Winde fand. Jener gehörte zum Tiefdruckgebiet der Karte
XXXVUII, dessen Mittelpunkt am 10. November unweit der Garonnemündung
zu liegen schien. Als „Canopus“ das offene Meer erreichte, war diese Erschei-
nung verschwunden, und das Hochdruckgebiet der Karte XXXIX, zusammen-
wirkend mit dem Tiefdruckgebiet derselben. Karte, welches mit seinem. Mittel-