Vierteljahrs-Wetter-Rundschau. der Deutschen Seewarte, Herbst 1886. .
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westlichen: Route folgten. Am: 23. September. Mittags . hatte sich „Johanna
Sophia‘ in 29,2° N-Br_ und 19° W-Lg und ‚gleichzeitig „Erato‘“ in._27,6°. N:Br:
und 20,4° W-Lg befunden. Von dort segelten sie bis zum 29. September, das
erstere nach 15,7° N-Br in 26,5° W-Lg, das letztere nach 13,3° N-Br in 222°
W-Lg. Bei „Johanna Sophia“. endete hier der Passat, während bei „Erato“
dasselbe schon 2 Tage früher, in der Nähe von 14,5° N-Br und 224° W-Lg
stattgefunden hatte, Von beiden Schiffen wurde. später ein auch: nur einiger-
mafsen regelmäfsiger Südwestwind nicht.mehr angetroffen. Die Ueberschreitung
des Stillengürtels nahm daher auch eine recht lange Zeit in Anspruch. Um die
zwischen 10° und 6° N-Br liegende Strecke zurückzulegen, waren für „Johanna
Sophia‘ 6 Tage erforderlich, „Erato‘“, obgleich 1!» Grade weiter östlich stehend,
konnte dasselbe in 4 Tagen thüun. Der Südostpassat stellte sich ein bei „Johanna
Sophia‘ in 3,5° N-Br und 23,2° W-Lg am 15: Öktober und bei „Erato“ in 3° N-Br
und 25,6° W-Lg am 14. Oktober. Das letztere Schiff hatte auf östlicher Route
ein günstigeres Resultat. erzielt, als es die westlichere dem Mitsegler gewährte.
Anscheinend segelte freilich auch „Zrato“ schneller, als die mit Steinkohlen tief
beladene „Johanna Sophia‘. Jedenfalls war es im Stillengürtel damals leichter
für die östlicher stehenden Schiffe, nach Süden vorzurücken, als es für die weiter
westlich befindlichen der Fall war. Das zeigt sich in noch auffallenderer Weise
an. der Fahrt des Mitseglers „Suaheli‘‘. Dieser, welcher im Passatgebiet recht
günstige Verhältnisse gefunden hatte, ‚stand, als bei ihm am 2. Oktober Mittags
der Passat endete, in 11,4° N-Br und 26,6° W-Lg, während sich. gleichzeitig
„Johanna Sophia‘ in 11,3° N-Br und 25,7° W-Le, „Erato“ in 11,4° N-Br und
22,7° W-Lg befand. .„Suaheli‘“ wurde hierauf im Stillengürtel‘ durch. derartig
ungünstige Verhältnisse zurückgehalten, dal er in 14 Tagen. nur 5 Breitengrade
zurücklegen konnte. Auch „Oberon“ und „Rohilla‘“, die anderen beiden Schiffe
dieser Gruppe, welche Ost von den Kap Verden herunter gekommen waren,
konnten damals den Stillengürtel weiter ostwärts rascher überschreiten, als west-
licher stehende Mitsegler es zu thun im Stande waren.- Eine Ausnahme davon
bildete jedoch die Fahrt des „Triton“, welche, obgleich auf. westlicher Route
ausgeführt, einen. ebenso, wenn nicht noch günstigeren Verlauf nahm, als die der
sich östlicher haltenden Schiffe. „Triton“, der am 28, September in der Nähe
von 19° N-Br und 25° W-Lg eine kurze orkanartige Erscheinung beobachtet,
durch welche er fast alle seine Hauptsegel verloren hatte, stand am 2. Oktober
in 11° N-Br und 26° W-Lg in der Nähe der äquatorialen Passatgrenze.. Gleich-
zeitig befand sich „Krato“ in 11,4° N-Br und 226° W-Lg und „Rohilla“ in
10,6° N-Br und 23,8° W-Lg. Um von 10° N-Br aus den Aequator zu erreichen,
gebrauchten „7Zriton‘“ 12, „Rohkilla“ 11’ und „Erato‘“ 13 Tage. Die zwischen
30° N-Br und der Linie liegende Strecke legten: „Erato‘“ in 24, „Oberon‘“ in. 22,
„Rohilla‘“ in 21 und „Triton“ gleichfalls in 21 Tagen zurück. Auf die Schnitt-
punkte der Linie war die Wahl der Route, ob westlich oder östlich, überall von
keinem Einflusse gewesen.
N Eine Reihe. von anderen Schiffen, . die in der zweiten Hälfte des September
Nordeuropa verließen, bilden die folgenden zehn Mitsegler: „Indra“, „Joseph
Haydn“, „LI. Hagen“, „Valparaiso“, „Julius“, „Baldur“, „Okeia“, „Amphitrite“,
„Matador“ und „Jessonda“. Der letztere Theil derselben, welcher nach dem
15: September die Reise antrat, wurde wiederholt durch die kräftigen Ostwinde
jener .Tiefdruckgebiete begünstigt, die sich damals laut Karten XXXIL:. und
XXX, auf südöstlichem Wege zum Busen von Biscaya bewegten, Die. ersteren
Schiffe hatten dagegen von diesen Verhältnissen keinen Vortheil mehr, weil der
Mittelpunkt jener Gebiete sich nördlich von ihnen hefand. So wurde z.B.
„Indra“ am 20. September in der Nähe von 42° N-Br und 14,8° W-Lg durch
Westwind von. Stärke 9 zurückgehalten, während: gleichzeitig „Okeia“ unweit
48°. N-Br in 13°:W-Lg bei heftigem Südostwind in rascher Fahrt ‚nach Süden
segelte. Nachdem der Einflufßs der vorerwähnten Tiefdruckgebiete geendet hatte;
wurden durch die Lage des auf Karte XXXIII verzeichneten Hochdruckgebietes
nördliche Winde verursacht, bei denen die Schiffe einen befriedigenden Fortgang
nach Süden erzielen konnten. Die polare Passatgrenze wurde erreicht von
„Andra“ in 33,5° N-Br und 15,7 W-Lg am 23. September, „Joseph Haydn“ im
34,2° N-Br und 19° W-Lg am 26. September, „L. Hagen“ in 34,5° N-Br. und
18,3° W-Lg, wie ,, Valparaiso“ in 34,8° N-Br und. 16,8° W-Lg am 27, September.