Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886. . 163
den Weg über den Ocean in kürzerer Zeit zurück, als die Schiffe der vor-
erwähnten Gruppe. Beide Mitsegler wurden auf See gleich von kräftigen West-
winden begünstigt, die über dem nordöstlichen Theil der Union nach Norden und
Osten ziehende Tiefdruckgebiete brächten. (Siehe Karte XXXII und XXXIV.)
Diese Winde führten die Schiffe in ununterbrochen rascher Fahrt bis nach
50° W-Lg. Oestlich von dieser Länge wurden die Fahrten zwar wiederholt von
leichten Winden und von Gegenwinden unterbrochen, doch waren diese Störungen
stets nur von kurzer Dauer. Jene auf den Aufsengründen angetroffenen Öst-
winde, welche die Reisen der zuletzt erwähnten Schiffe so sehr verlängert hatten,
traf „Mozart“, westlicher stehend, auch noch an, doch wehten sie dort aus etwas
raumerer südöstlicher Richtung. „Shakspere“ beobachtete auf dem letzten Reise-
abschnitt kaum Gegenwinde. Derselbe gelangte nach Lizard am 5. Dezember,
„Mozart“ hatte die Länge dieses Kaps am 1. Dezember überschritten.
Die beiden Schiffe der Tabelle, welche einen südlicher gelegenen Hafen
verlassen hatten, waren „Port Royal“ und „Bertha“, von denen das erstere von
New-Orleans, das letztere von St. Domingo herkam. Jenes, das.die offene See
am 2. September erreicht hatte, gebrauchte eine verhältnilsmäfsig lange Zeit, um
den Golf von Mexiko und die Florida-Strafse zu durchsegeln, und sehr verzögernd
wirkten auch die nördlich der Bemini-Enge angetroffenen beständigen Nordostwinde.
Dieselben waren zum Theil eine Folge der Lage des vom 21. bis 24. September sich
über den östlichen Theil der Union erstreckenden Hochdruckgebietes. (Siehe Karte
XXX.) Unter diesen ungünstigen Umständen konnte erst am 1. Oktober die
Länge von 70° West erreicht werden. An demselben Tage, aber in einem
mehrere Grade nördlicher liegenden, günstigeren Schnittpunkte erreichte die
Brigg „Bertha“ diesen Meridian, Oestlich von demselben hatten beide Mitsegler
dann noch oft gegen Ostwinde, die nicht selten stürmisch wehten, zu kämpfen.
Besonders war dies am 7. und 8. Oktober der Fall, als die Schiffe sich nördlich
von jenem Tiefdruckgebiet der Karte XXXI1V befanden, welches zuerst am
5. Oktober nördlich der Bahamas erschien. Auch nach dieser Zeit wurden die
Reisen noch oft durch Ostwinde verlängert, und erst auf der östlichen Hälfte
des Oceans wurde man häufiger von durchstehenden Westwinden begünstigt. Von
denselben wurde „Port Royal“ am 2. und „Bertha“ am 1. November zur Kanal-
mündung geführt.
3. Reisen von Nord nach Süd.
Die den Atlantik nach Süden durchschneidende Route wurde, wie schon
erwähnt, während der in Frage stehenden Zeit von der verhältnilsmäfsig grofsen
Zahl von 48 mit der Seewarte in Verbindung stehenden Schiffen befahren. Von
denselben hatte eins einen nordamerikanischen Hafen verlassen, und eins war
nach Lagos bestimmt, während alle übrigen von Nordeuropa kamen und einen
jenseits des Aequators liegenden Platz als Ziel hatten. Die mittlere Reisedauer
dieser Schiffe betrug 33'/ Tage. Die kürzeste von allen angeführten Reisen
wurde von der „Wega“ in 20 Tagen vollendet, während die längste, die der
„Suaheli“, 46 Tage in Anspruch nahm. Ä
Die erste Gruppe dieser Liste umfaßt die Schiffe: „Aequator“, „Madeleine
Rickmers‘“, „Banco Mobiliario“, „Apoll“, „Josefa“, „Andree Rickmers“, „Argo“
und „Undine“, welche ihre Reise schon im August antraten. Von ihnen war
das zuerst genannte dasjenige Schiff, welches seine Reise von einem nordamerika-
nischen Hafen angetreten hatte. „Madeleine Rickmers‘“, der erste von Nord-
europa kommende Mitsegler, konnte die Reise zur Linie in der kurzen Zeit von
25 Tagen zurücklegen, während „Argo“ und ‚Undine“ mehr als 40 Tage für
dieselbe Strecke benöthigten. Die vier ersten der von Nordeuropa kommenden
Schiffe waren auf dem ersten Reiseabschnitt von den dort angetroffenen Winden
sehr begünstigt worden. Sie befanden sich daher zu Anfang September schon
mitten im Passatgebiet, „Madeleine Rickmers‘“ war sogar schon bis zu dessen
äquatorialer Grenze vorgerückt. „Andröe Rickmers‘“, „Argo“ und „Undine“, die
auf dem Wege zum Passatgebiet recht ungünstige Verhältnisse fanden, hatten
dasselbe Ende August noch nicht erreicht. Die Wetterlage war sonst, wie die
Hochdruckgebiete der Karte XXXI zeigen, dem Auftreten frischen Passats im
Allgemeinen günstig. „Andree Rickmers‘“ erreichte dessen Gebiet am 6. Sep:
temhber in der Nähe von 30,5° N-Br in 19° W-Lg, „Argo‘“ that dasselbe am