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‚ Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886,
17,5° W-Lg und „Amor“ in 32° N-Br und 15,8° W-Lg am 7. November. Nach-
dem dieses geschehen war, verliefen die Reisen für lange Zeit in ruhiger, gleich-
mälsiger Weise, Bei „Niagara‘“ endete der Passat, als das Schiff sich am
20. November unweit von 25° N-Br in 73° W-Lg befand. Es folgten dann
leichte, meist noch aus östlicher Richtung kommende Winde, welche das Schiff
bis zum 25, November zum Bestimmungshafen führten. Die beiden Mitsegler,
welche die Passatbreiten nicht wieder zu verlassen brauchten, trafen später an
mehreren Tagen leichte Westwinde an, auf welche jedoch noch wieder der
Passat folgte. „Der Nordpol“ erreichte seinen Ankerplatz in Port of Spain am
8. Dezember und „Amor‘“ gelangte in Sicht von Vera Cruz am 17. Dezember.
Recht günstige Reisen vollendeten die beiden von Gibraltar ausgegangenen
Schiffe „J. W. Wendt“ und „Felix Mendelssohn‘, von denen das erstere nach
Philadelphia, das andere nach Tybee bestimmt war. Die erste Hälfte dieser
Reisen verlief in sehr günstiger Weise, Anhaltende Ostwinde, die zum Theil
eine Folge der Lagerung des in Karte XXXVII verzeichneten Hochdruckgebietes
waren, ermöglichten einen derartig raschen Fortgang, dafs der freilich sehr grofse
Schnelligkeit besitzende „J. W. Wendt“ sich am 11. November schon in 37° N-Br
und 48° W-Lg befand. „Felix Mendelssohn‘, welcher das Passatgebiet fast ohne
vorhergehende Störung erreicht hatte, stand gleichzeitig in 25° N-Br und 28°
W-Lg. Um den übrigen Theil der Reise zurückzulegen, war für „J. W. Wendt“
dann längere Zeit erforderlich. Die während der letzten Hälfte des November
im östlichen Theile der Union erscheinenden, schon anderen Orts erwähnten Tief-
druckgebiete schufen stürmische Westwinde, gegen die auch dieses Schiff nur
geringen Fortschritt erzielen konnte. Als es am 29. November den Hafen von
New-York erreichte, hatte es trotz alledem mit 30tägiger Fahrt eine der besten
aller hier verzeichneten Reisen vollendet. „Felix Mendelssohns‘‘ Reise verlief
in seiner zweiten Hälfte in ruhigerer Weise, wenngleich auch dieses Schiff am
5, und 6. Dezember in der Nähe der Küste der Vereinigten Staaten stürmische
Westwinde zu überstehen hatte. Den Nordostpassat hatte „Felix Mendelssohn‘
am 28. November in der Nähe von 268° N-Br in 71° W-Lg verloren. Nach
dieser Zeit erlitt die Reise durch die vorerwähnten Winde eine Verzögerung,
vis schliefslich am 9. Dezember der Bestimmungshafen erreicht wurde, °
Die Reise von „Lagos“, des letzten Schiffes der Liste, das seine Fahrt
nach La Guayra im November antrat, zeichnete sich dadurch aus, dafs während
derselben fast gar kein regelmäfsiger Passat angetroffen wurde. Der erste Reise-
abschnitt verlief in ganz günstiger Weise. Nachdem am 7. November der Kanal
verlassen worden war, stellte sich am 10, November unter dem Einfluß jenes,
auf Karte XXXVIII angegebenen Hochdruckgebietes, welches von Norden her-
kommend sich zum Busen von Biscaya fortpflanzte, ein stürmischer, mehrere
Tage anhaltender Nordostwind ein. Südlich von 37° N-Br endete aber die
günstige Gelegenheit, und es folgten veränderliche, schwache Winde. Unweit
von 22° N-Br in 23,5° W-Lg entwickelte sich am 24. November aus Stille ein
mäfsiger Nordostwind, der anscheinend Passat war. Derselbe wurde jedoch
bald wieder durch schwache, veränderliche Winde aus vorherrschend westlicher
Richtung unterbrochen. Am 3. Dezember, unweit von 16,8° N-Br in 38° W-Lg
kam wieder ein etwas beständigerer Ostwind durch, der indessen auch den
Namen Passat keinesweges verdiente. Erst als man den kleinen Antillen schon
ziemlich nahe gekommen war, stellte sich ein solcher ein. Am 13. Dezember
gelangte „Lagos‘“ in Sicht der Insel Barbados, und am 16. Dezember konnte auf
der Rhede von La Guayra geankert werden.
2. Reisen von West nach 0st.
Unter den 22 in der Liste enthaltenen Schiffen, welche im Herbst 1886
den Nordatlantik in östlicher Richtung durchsegelten, befindet sich je eins,
welches von New-Orleans oder St. Domingo herkam, während die übrigen 20
alle nördliche Häfen der Union verlassen hatten. Die mittlere Reisedauer der
letzteren betrug 26,5 Tage; die längste nahm 33, die kürzeste 19 Tage in
Anspruch.
Die beiden in dem Verzeichnifs zuerst erwähnten Schiffe, „Anna“ und
„Magdalene“, gingen noch im August von New-York aus in See. Ihre Reisen
wurden durch angetroffene Ostwinde bedeutend verlängert. „Anna“ fand dieselben